Heute stellt sich unsere Design Leiterin Denise einem Interview und schaut gemeinsam mit uns in die Vergangenheit und darauf, was die Zukunft uns noch bringt!

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Denise Marie Rupp (35) ist seit September 2012 Leiterin des Bereichs Design bei hessnatur. Die studierte Modedesignerin arbeitete zunächst eineinhalb Jahre als Strickdesignerin bei einem Private Label-Anbieter in Istanbul, bevor sie ab 2002 für zwei große deutsche Modehäuser als Leiterin Design, Kollektionsentwicklung und Zielgruppendefinition beziehungsweise für den Aufbau des Strick- und Shirt-Bereichs tätig war.

Liebe Denise, für den hessnatur-Nachhaltigkeitsbericht hatten wir uns 2013 über nachhaltiges Design unterhalten. Damals hattest Du das Interview mit der Ankündigung geschlossen, Du wolltest hessnatur eine gestalterische Handschrift verleihen. Wie weit bist Du damit gediehen?

Ich habe zunächst festgehalten, worum es bei Mode primär geht: Jede Frau will schöner sein. Jede Frau will attraktiver sein. Jede Frau will einzigartig sein. Jede Frau will begehrenswert sein. Das ist klar. Dann habe ich unsere Marke analysiert, analysiert, wo wir herkommen, vom ganzheitlichen Ansatz, von einem Warenhaus für Natur, von unseren Core-Materialien, dem Grundstock an Naturfasern, mit denen wir arbeiten, unserem Pioniergeist, und dass wir den Mensch in den Mittelpunkt stellen.

Als nächstes habe ich unsere Kollektion angeschaut, wie sie zusammengesetzt war, als ich kam, und wo wir jetzt stehen: Wir hatten 70 Prozent modern Mainstream, 20 Prozent Dark Green, das heißt der Pulli kratzt, ist dafür aber Natur pur, dann hatten wir zu zehn Prozent Stücke von externen Designern. Mittlerweile produzieren wir statt zwei, sechs Kollektionen im Jahr. Wir sind mit dem Design von der Nische in die Breite gegangen, sind farbenfroher, lebendiger, detailverliebter und kombinierbarer geworden. Wir haben unsere Core Materialien modern interpretiert und in die neue Handschrift integriert. Kein Dark Green mehr! Wir haben bei unserer Kollektion den Wohlfühlfaktor erhöht und sind gleichzeitig in unserem Ausdruck klarer, mutiger und dadurch wettbewerbsfähiger geworden.

Wie ist die Resonanz der hessnatur-Kunden auf die neue modische Handschrift? Musst Du Kompromisse machen?

Bei unserer Mode ist es wie überall: Zuallererst müssen das Design und die Haptik überzeugen. Die Geschichten zu unserer Arbeit, die Menschen, die dahinter stecken, die Projekte und das Bewusstsein sind das Add-On. Die kommen hinzu, stehen aber nicht mehr im Vordergrund. Und die Reaktion der Kunden darauf ist: Sie wollen noch mehr! Sie wollen noch mehr Fashion, noch tragbarere Mode. Wir können gar nicht so schnell arbeiten, wie der Bedarf der hessnatur-Kunden an nachhaltiger Kleidung mit modischem Design ist.

Sind die Kunden in ihrem Kaufverhalten berechenbar? Nehmen sie Veränderungen an?

Und wie! Die Renner im neuen Katalog sind moderne Formen, die bedruckte Daunenjacke aus Seide mit dem Staffeleiprint, das Zero Waste Shirt, die schmale Jerseyhose und unsere hessnatur eigenen Prints im Allovermuster, der Aquarell-Druck und das Mosaik-Muster, vorzugsweise auf den femininen Kleidern. Die Kunden sind bereit, unsere Mode zu kaufen, wenn das Design und die Qualität stimmen. Wie gesagt, sie verlangen von uns sogar noch mehr Klarheit und mehr Mut.

Bist Du in der Zwischenzeit denn auch auf Herausforderungen gestoßen, auf die man bei nachhaltigem Design zunächst nicht kommen würde?

Eine neue Designkultur in einem Haus wie hessnatur anzustoßen, ist an sich eine Herausforderung. Das erfordert Mut und Überzeugungsarbeit. Die Kunden und Kollegen müssen auf diese Reise mitgenommen werden. Aber das war mir klar, und mir war auch klar, dass ich dieser Aufgabe gewachsen sein würde.

Wie machst Du das?

Ich übe mich in Achtsamkeit. Ich setze mich hin und arbeite an meiner Haltung. Mit Spiegelgesetzen etwa: Ich frage mich, wann stimme ich? Wenn ich mit mir in Einklang bin, einstimmig, in mir stimmig, dann kann ich auch im außen eine Stimmigkeit und einen Einklang erzeugen. Anders geht das nicht. Und dazu muss ich auch authentisch sein.

Das ist übrigens der rote Faden bei unserem Design. Wir sind authentisch. Wir gestalten jeden Druck, jedes Stoffmuster selbst. Die Gestaltung unserer Mode, ist Ausdruck davon, wie wir, mein Team und ich die Welt sehen. Auf alles, was im Außen geschieht, reagieren wir mit der Frage: Wie können wir anders hinschauen? Die Farbstimmungen unserer Kollektion, die Looks, sie sind geprägt durch unsere individuellen Erinnerungsbilder, das ist authentisch. Und das kommt bei den Kunden an.

Und was ist mit den Reisen? Du bist sehr viel unterwegs für hessnatur. Was erlebst Du unterwegs, und inwiefern beeinflusst das den gestalterischen Prozess?

Das Reisen ist für mich eine wichtige Ressource, daraus speist sich mein Blick auf die Dinge. Ich begegne immer wieder aufs neue Menschen und Situationen, die mir neue Facetten im Äußeren zeigen. Da gibt es zum Beispiel den einen digitalen Druck in der vergangenen Inspiration-Kollektion, der entstanden ist aus einem Foto, den ich morgens beim Joggen in Tokio vom Kaiserpalast gemacht habe. Und in Buenos Aires habe ich auf dem Boden einer Kirche ein wunderbares Mosaik entdeckt und mich davon zu einer Reihe von Drucken anregen lassen. Reisen inspiriert mich in Bezug auf Farben, Formen, neue Strukturen. Es lässt mich alte Muster überdenken – im wahrsten Sinne des Wortes!

Das hört sich kräftezehrend an.
Ich liebe meine Arbeit, und ich liebe mein Team. Und ich bin dankbar. Daraus ziehe ich Kraft.