Interview mit einer Näherin

Durch den Wunsch einer Blogleserin haben wir in einem Konfektionsbetrieb eine Näherin interviewt. Wie ihr die Arbeit gefällt könnt ihr im Video sehen.

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Kommentare
  • HH ,

    Hallo!

    Davon würde ich gerne mehr sehen denn das ist, was mich interessiert. Was macht HEss Natur genau mit dort, um das Wohl der Menschen zu stärken? Ich hätte gern mehr Interviews in dieser Art. Obwohl dieses Interview mir recht authentisch erscheint, würde ich gern noch wissen, von welcher Organisation diese Firma überwacht wird. Warum fördert Hess Natur nicht ihr Studium? Gibt es dort finanzierte Weiterbildungen für die Menschen?

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  • Martin L. ,

    @ Matthias Hess: Gibt es noch andere Firmen, die in diesen Betrieben produzieren? Wenn ja, produzieren diese auch öko, oder werden auch „normale“ Produkte hergestellt? Mich würde noch interessieren, ob die Arbeiter dann weniger in dieser Fabrik verdienen.

    Beste Güße.

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  • KaRiBi ,

    Margot Rodriguez arbeit 48 Stunden pro Woche (8,5 Std. von Mo-Fr. und 5,5 Std. Sa) für einen Mindestlohn von 550 Soles, das entspricht ca. 156 Euro. Das Nationale Institut für Statistik legt die absolute Armutsgrenze in Peru bei ca. 250 Soles pro Person und Monat fest. Da Margot von ihren Kindern spricht und in einer Region mit geringen Beschäftigungsmöglichkeiten lebt, kann davon ausgegangen werden, dass sie mit ihrem Lohn weitere Personen ernährt, die damit wahrscheinllich unterhalb der Armutsgrenze leben. Ein Liter Milch kostet in Peru ca. 2 Soles, 1 Kilo Reis zwischen 3,50 bis 6,40 Soles. Das Margot für diesen „Hungerlohn“ ein Informatikstudium aufgeben musste, spiegelt nur den peruanischen Teufelskreis aus Armut und Ungleichheit wider. Aber ist es fair und sozial oder gar eine „Riesenchance“, Menschen in armen Ländern für so einen geringen Lohn arbeiten zu lassen, nur weil sie keine andere Chance haben?

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  • Gert Krockert ,

    Guten Morgen, sehr verehrte aktive Medien-Damen in Peru!

    Wem gehören die Konfektionsbetriebe und die Spinnerei, die Sie in Lima besucht haben? Ist die Baumwolle in der Spinnerei ausschliesslich Bio-Cotton und woher kommt diese aus Peru? Die feinste Baumwolle der Welt stammt ja aus diesem Land. Wie sieht die soziale Betreuung der dort Beschäftigten aus? Gibt es für diese eine Krankenversicherung und kostenlose ärztliche Untersuchungen, einen kostenlosen oder preiswerten Kindergarten? Gibt es eine kostenlose Arbeitsbekleidung im Betrieb? Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten für eine Näherin oder einen Produktionsarbeiter in der Spinnerei? Gibt es einen Betriebsrat bei den Betrieben oder so etwas Ähnliches? Wie sieht der Kündigungsschutz der Beschäftigten aus? Wie sieht die Betreuung aus, wenn einer entlassen wird? Gibt es Gewerkschaften bei den Textil- und Konfektionsbetrieben in Peru? Interessant wäre es auch gewesen, wenn man die interviewte Näherin mal zu Hause besucht hätte. Wie leben diese Menschen zu Hause? Welche Kleidung tragen Sie privat, aus welchen Materialien gefertigt? Typische peruanische Tracht? Was isst man zu Hause? Gibt es einen Fahrtkostenzuschuss z.B. für den Bus, wenn man früh zur Arbeit in den Betrieb geht? Oder muss man lange laufen, weil Bus zu teuer? Verdient eine Näherin soviel, dass Sie etwas sparen kann, um einen kleinen Laden in den Vororten von Lima zu eröffnen (z.B. kleine Schneiderei oder Fertigung von Textilprodukten (Ponchos) für die vielen Touristen in der Hauptstadt des Landes?

    Mit freundlichen Grüßen Gert Krockert

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  • Stefanie Karl ,

    Hallo Bloggerinnen und Blogger,

    das Interview mit der peruanischen Näherin gibt viele Informationen über den Arbeitsstandard vor Ort. Und gleichzeitig entstehen natürlich noch sehr viele weitere Fragen. Diese möchte ich nun versuchen zu beantworten:

    Die Produktionsbetriebe, mit denen hessnatur zusammenarbeit, sind legale und eingetragene Unternehmen. Die meisten Betriebe sind Eigentümergeführt. Viele Betriebe arbeiten mit biologischer und konventioneller Ware. Um sicherzustellen, dass die Ware nicht gemischt wird, werden gezielt Kontrollen von externen Instituten durchgeführt. Die in Peru verarbeitete Baumwolle kommt natürlich auch aus Peru. hessnatur bezieht hier Ware aus PIMA-Baumwolle, der – wie im Beitrag schon richtig geschrieben – feinst möglichen Baumwolle.

    Alle Produktionsbetriebe haben neben hessnatur noch andere Kunden aus der Textilindustrie. Neben kleinen Labels auch große Marken. hessnatur arbeitet daran, dass in allen Produktionsbetrieben existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Mindestlöhne sind natürlich Pflicht. Ob ökologisch oder konventionell – alle Arbeiter werden entsprechend ihrer Positionen im Betrieb bezahlt und nicht danach, welche Ware sie gerade bearbeiten. Für hessnatur ist es selbstverständlich, dass das Ziel für alle Arbeiter sein sollte, einen existenzsichernden Lohn zu bekommen. Wie gesagt -wir arbeiten daran.

    Vor meinem ersten Aufenthalt in Peru hatte ich angenommen, dass keine Behörde demokratischer Arbeiten kann als die Deutsche. Ich wurde eines Besseren gelehrt. Gerade exportorientierte Unternehmen unterliegen strengsten Arbeitsstandards und Regularien in Peru. Jeder Mitarbeiter wird mit Fingerscan und Unterschrift beim Arbeitsministerium registriert. Arbeitsverträge sind standardisiert genau so wie die Gehaltsabrechnungen. Der Beitrag zur Krankenversicherung wird direkt vom Gehalt – wie bei uns auch – abgezogen. Fahrtkosten werden in den meisten Fällen von den Betrieben bezuschusst, tlw. auch das Mittagessen. Auch dies ist in den Landesgesetzen geregelt.

    Auch hessnatur arbeitet zusammen mit Betrieben, welche Leistungen für Kinder, wie zum Beispiel einen Kindergarten, anbieten. Die Alpaka Farm beispielsweise. Das ist aber kein Muss um ein Lieferant für hessnatur zu sein. Arbeitsbekleidung hingegen muss vom Betrieb kostenlos zur Verfügung gestellt und regelmäßig gewartet bzw. ersetzt werden. Das wurde so durch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) festgelegt und ist auch eines der festgelegten Standards bei hessnatur.

    Eine weitere Frage bezog sich auf die Weiterbildungsmöglichkeiten von Arbeitern in hessnatur-Betrieben. Eine andere Frage war, warum hessnatur nicht das Studium der Näherin fördert. hessnatur arbeitet zusammen mit Lieferanten – weltweit. Diese Lieferanten beschäftigen Mitarbeiter. Tlw. nur wenige, weil die Produktion in kleinen Betrieben stattfindet, teilweise aber auch sehr viele, weil es sich eben um große Produktiobsbetriebe handelt. Wir als hessnatur kontrollieren allgemein die Arbeitsbedingungen vor Ort bei unseren Produktionsbetrieben. Wir können nicht jeden Lebensweg und jedes Schicksal aller Arbeiter in den Produktionsbetrieben weltweit kennen. Das ist – wenn überhaupt – Aufgabe der jeweiligen Geschäftsführung des Produktionsbetriebes. Sollte es sich aber ergeben, dass hessnatur vor Ort von einem Mitarbeiter entsprechende Geschichten hört, versuchen wir individuelle Lösungen zu finden. Eine beliebte Form der Fortbildung in den Nähereien ist die Arbeit an verschiedenen Maschienen. So lernen die Arbeiterinnen und Arbeiter die verschiedenen Techniken und Funktionen der Maschinen kennen. Zwei weitere Pluspunkte gibt es auch noch: die Arbeiter werden nicht einseitig oder durch monotone Arbeit belastet, sondern haben Abwechslung in den Produktionsschritten. Außerdem sind sie vielseitig einsetzbar. Fällt mal einer aus, kann er/sie gut durch andere schnell und gut ersetzt werden.

    Betriebsräte und Gewerkschaften sind eine Forderung von hessnatur sowie auch der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Und: sie müssen funktionieren. Ein Prüfpunkt ist daher vor Ort, ob dies auch so ist. In manchen Ländern muss für Gewerschaften gezahlt werden. In anderen gibt es nur eine staatliche Gewerkschaft. Uns ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter beschweren können für den Fall, dass sie entgegen der international geltenden Arbeitsrechte und Sozialstandards behandelt werden. Gemeinsam mit der holländischen Fair Wear Foundation hat hessnatur deshalb ein Beschwerdesystem entwickelt. Neben den acht wichtigsten Sozialstandards steht daher auch ein Ansprechpartner für alle Arbeiter zur Verfügungen. Dieser wird von der Fair Wear Foundation gestellt und geschult. Die Informationen und Kontaktdaten haben wir in diversen Sprachen zur Verfügung. Die jeweilige Landessprache ist im Betrieb ausgehängt und durch das Management, uns vor Ort oder die Fair Wear Foundation kommuniziert.

    Und nun noch zur letzten Frage: Bei meinem Aufenthalt in Peru habe ich keinen Arbeiter in traditioneller Tracht gesehen. Die Menschen sind genauso wie bei uns hier in Deutschland gekleidet. Die peruanische Küche ist durch die vielen Klimazonen sehr vielfältig. Beispielsweise gibt es ca. 40 Kartoffelsorten. Lecker.

    Sonnige Grüße, Stefanie Karl
    Project Manager, CSR – hessnatur

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  • matthias hess ,

    Hola Martin L.

    Die Betriebe, welche in Peru für hessnatur produzieren, arbeiten auch für andere Kunden. In der Regel weltweit.
    Es kann sich bei diesen Produktionen um ökologische oder konventionelle Produktionen handeln.
    Wenn für hessnatur produziert wird, werden die Maschinen und Fertigungsstätten vorher gereinigt. Sollte neben der ökologischen Ware parallel konventionelle Ware produziert werden, wird darauf geachtet, dass die Produktionswege klar getrennt sind. So kann es zu keinen Verunreinigungen kommen.

    Bei der Bezahlung des Personals in den Fertigungsbetrieben wird in der Regel kein Unterschied gemacht, ob für hessnatur oder andere Kunden
    produziert wird. Aber: Die Betreibe, mit denen wir arbeiten, produzieren hauptsächlich für hochwertige Marken mit hohem Anspruch an Qualität.
    Diese Qualität erhält man in der Regel nur durch eine überdurchschnittliche Bezahlung. Vor allem, wenn es um aufwendig gestrickte Pullover geht.

    Für zertifizierte Fasern und Garne wird mehr gezahlt, und die Bauern und Fertigungsbetreibe erhalten ein Plus.

    Matthias Hess

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