Die Internationale Kunsthochschule für Mode ESMOD in Berlin hat den Studiengang „Sustainability in Fashion“ ins Leben gerufen. hessnatur unterstützt den einjährigen Masterkurs mit der Entsendung einer Lehrkraft und die Vergabe eines Vollstipendiums an Anna Johannsen, die hier im hessnatur-Blog von ihren Erfahrungen berichtet. Heute schreibt Anna über den Workshop „Inclusive Design“ und die Entstehung eines Rucksacks:

„Ziel des Workshops war es, eine Sport- oder Freizeittasche zu entwerfen und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu  realisieren. Der Begriff „Inclusive Design“ bezieht sich auf eine ganzheitliche Betrachtung des Nutzens, den das Produkt hat. Dieser Ansatz ermöglicht es, eine breite Zielgruppe anzusprechen, wobei darauf geachtet wird, dass niemand aufgrund gesundheitlich-bedingter Nachteile ausgeschlossen wird.

Um die Lebenssituation und die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder Rollstuhlfahrern nachvollziehen zu können, haben wir an verschiedenen Workshops teigenommen, u.a. Blinden-Fußball und Rollstuhl-Basketball. Außerdem haben wir Studierende zwei Stunden in völliger Dunkelheit in einem Trainingszentrum verbracht und dabei geübt, mit einem Blindenstock zurecht zu kommen. Es gab einen Parcours bestehend aus drei Räumen: Wald, Stadt und Bar-Atmosphäre. Besonders die Erkenntnis über die Wichtigkeit der richtigen und bedachten Kommunikation und des genauen Zuhörens nehme ich aus diesem Workshop mit. Zudem war es sehr interessant zu „beobachten“, wie die anderen Sinne – wie Hören, Fühlen, Riechen – sensibilisiert und gestärkt wurden.

Nach fundierter Recherche und verschiedenen Interviews habe ich mich entschieden, einen Rucksack zu entwerfen und herzustellen. Die Vorzüge gegenüber einer Tasche, der gute Sitz auf dem Rücken und die freien Hände sind für meine gewählte Zielgruppe wichtig. Um das Finden von mitgenommenen Gegenständen zu erleichtern, besitzt mein Rucksack den Clou, dass er durch einen vertikalen und zwei horizontale Reißverschlüsse komplett zu öffnen ist.

Innen befindet sich u.a. eine große Eingriffstasche mit Gummizug, zum Beispiel für Sportschuhe. In dem Mittelteil ist hinten eine gepolsterte Laptoptasche, davor sind Fächer für Handy, Stifte und den Braille-Schreib-Computer. Auch Blindenstock und Regenschirm finden Platz. Zusätzlich bietet der Boden Stauraum für Handtücher oder nasse Sachen, da der Boden wie auch die Oberklappe wasserfest ist.

Die Materialien sind zum größten Teil recycelt. Die Klappe und der Boden bestehen aus 100% Auto-/Traktor-Reifenschlauch, das Innenfutter ist aus 100% Bio-Baumwolle und das übrige Material ist Segel vom Müggelsee in Berlin. Neben dem nachhaltigen Ansatz durch das Recyceln hat Segeltuch übrigens die Eigenschaft geräuschvoll zu rascheln, wenn es berührt wird. Das sollte den Rucksack vor Diebstahl schützen – ein Problem, dass viele meine Interviewpartner genannt haben.“