Am vergangenen Freitag waren zum zweiten Mal langjährige Kundinnen und Kunden zu hessnatur an den „runden Tisch“ eingeladen, die sich im vergangenen Jahr kritisch zum Verkauf von hessnatur an Capvis und den Veränderungen in der Geschäftsführung geäußert hatten: Esther Groh, Yvonne Zernick und Darko Jacobi-Vozelj waren nach Butzbach gekommen, um sich mit Marc Sommer, Vorsitzender der Geschäftsführung, Ricarda Demarmels von Capvis, Rolf Heimann, Leiter Corporate Responsibility bei hessnatur, und der Betriebsratsvorsitzenden Tanja Koch auszutauschen. Neben den Fragen zum Verkaufsprozess waren die drei Kunden auch an der weiteren Entwicklung von hessnatur interessiert – u.a. ging es um das Thema, dass so manches Produkt aus der aktuellen Kollektion noch nicht lieferbar ist.

Yvonne Zernick und Esther Groh schilderten ihre Wahrnehmung aus Kundensicht zum Verkaufsprozess im vergangenen Jahr; dieser sei für viele „aus heiterem Himmel gekommen“, als Capvis als neuer Eigentümer vorgestellt wurde und es seitens hessnatur, Capvis oder der Mitarbeiter keine Kommunikation gegeben habe.

Marc Sommer erklärte, dass der Verkauf unter bestimmten Auflagen des Alteigentümers KQMT stattgefunden habe, um nach dem ausgesetzten Verkauf im Sommer 2011 Ruhe in den Prozess zu bringen und das Unternehmen nicht zu schädigen. Die Bekanntgabe des Verkaufs sei von hoher Emotionalität geprägt gewesen, da die genossenschaftliche Alternative nicht zum Zuge gekommen sei und sich in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild eines Finanzinvestors gebildet habe. Nachdem zunächst erst das Unternehmen und die Mitarbeiter zu Ruhe kommen und Capvis kennenlernen sollten, habe man sich von der Kommunikation nach „innen“ nach „außen“ gewandt. „Rückblickend betrachtet haben wir damals in der Kommunikation zweifelsfrei Fehler gemacht und hätten anders kommunizieren sollen“, sagte Marc Sommer auf die Frage der Kundinnen. Dass man sich im Spätsommer in der Kommunikation geöffnet habe, sich im Blog, bei Facebook und am runden Tisch mit kritischen Kunden konstruktiv austausche, würde von vielen Kunden gewertschätzt, so der hessnatur-Geschäftsführer weiter.

Darko Jacobi-Vozelj, seit rund 20 Jahren hessnatur-Kunde, wollte mehr zur Eigentümerstruktur bei Capvis erfahren. Ricarda Demarmels, die Investment Director bei Capvis ist, erläuterte, dass Capvis ein Schweizer Investor mit 20 Jahren Erfahrung sei. Das Ziel sei immer das Fortschreiben der Erfolgsgeschichten von Firmen durch Mehrheitsbeteiligungen oder Nachfolgelösungen. „Wichtig dabei: Die Unternehmen sind im deutschsprachigen Raum ansässig und Marktführer bzw. echter Spezialist in ihrem Geschäftsumfeld“, so Ricarda Demarmels. Investiert werde nicht in Geschäftsfelder wie Tabak, Alkohol, Rüstung oder Glücksspiel. Rund 40 nationale und internationale Investoren habe Capvis, die meisten von ihnen seien Universitäten, Pensionskassen und Versicherungen. Ein Investor von Capvis ist HarbourVest Partners aus den USA. Dieser sei bei der US-amerikanischen Wertpapieraufsichtsbehörde registriert und unterliege deren strenger Kontrolle. HarbourVest lege in erster Linie Pensionsgelder an, um Renten an Ruheständler auszuzahlen. Dazu gehören u.a. auch ehemalige Angestellte des australischen Staates und auch des australischen Militärs.

Was die weitere Entwicklung von hessnatur angeht, erläuterte Marc Sommer die Funktion des Beirats, der wichtiger Austauschpartner der Geschäftsführung ist. Der Modeexperte Vivek Batra bringe seine Erfahrungen zur Weiterentwicklung des hessnatur-Stils mit ein, und Prof. Götz Werner als Vorsitzender des Gremiums gebe wertvolle Impulse zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung.

Das Thema Lieferfähigkeit wurde ebenfalls von Kundenseite thematisiert, da es aufgefallen war, dass das ein oder andere Produkt der aktuellen Kollektion nicht verfügbar ist. Tanja Koch, Betriebsratsvorsitzende und Mitarbeiterin im Bereich Einkauf, erklärte, dass hessnatur einen längeren Beschaffungsprozess habe, da es bei der ökologischen Textilproduktion mehr Besonderheiten als bei konventioneller Produktion gibt. Aktuell habe man u.a. mit dem Ausfall eines Produktionsbetriebs Sorgen und müsse Aufträge an andere Lieferanten verteilen. Rolf Heimann ergänzte, dass weiteres Wachstum von hessnatur  Beschaffungsprozesse erleichtern werde, da aufgrund höherer Mengen Materialien bzw. Zutaten gebündelt werden könnten.

Marc Sommer skizzierte zum Wachstum von hessnatur, dass man das Unternehmen weiter raus aus der „Ökonische“ bringen und einem breiteren Kreis zugänglich machen wolle. Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten sei gegeben, da viele Menschen im Hinblick auf diese Themen sensibler geworden seien. Capvis trage als Eigentümer das Konzept mit und stelle Investitionsmittel dafür zur Verfügung. Unter dem Alteigentümer KQMT wäre eine solche Entwicklung von hessnatur nicht möglich gewesen.

Zum Schluss der Runde wurde die Kunden dazu eingeladen, im konstruktiven Austausch mit hessnatur zu bleiben. Marc Sommer lud die Gäste ein, sich am hessnatur-Kundenrat zu beteiligen, der im nächsten Monat starten wird. Auch der „runde Tisch“ wird in Kürze wieder ins Leben gerufen, im Blog werden wir dazu einladen.