Was als Projekt für ihr Modedesign-Studium in Bielefeld begonnen hat, ist mit dem Gewinn des Humanity in Fashion Award zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. „Ich kann’s noch gar nicht richtig fassen“, freut sich Sandra Goldmann, Preisträgerin 2012, nach der Siegerehrung in der Berliner Bauakademie.

Ihr Konzept, das die Jury überzeugt hat, heißt „Hinschauen“. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Gebannt blicke ich auf die Installation hinter dem Glas, mit der Sandra textile Färbetechniken visualisiert. Darauf hat sie den Fokus ihres Konzepts gelegt, darüber hat sie schon während ihres Studiums viel recherchiert, Literatur gesichtet, mit Stoffen und Farben experimentiert.

Die Installation macht die Zusammenhänge zwischen Farbe, Stoff und dem Mensch als Träger von Kleidung auf faszinierende Weise deutlich. Ein gebrauchtes Kleid ist auf eine Leinwand genäht und wird mit tiefblauer Farbe besprüht. Die Farbe tropft in eine Wanne, wird dort gesammelt und mit Hilfe einer Pumpe wieder aufgesprüht. Sukzessive wird das naturfarbene Kleid blauer und blauer – ein Prozess, der dauert und der textilen Fläche nach und nach seinen Charakter gibt. „Ich bin gespannt, wie das am Freitag Abend aussehen wird“, sagt die Gewinnerin des HIFA 2012. In Videoclips, die auf kleine Holzleinwände projiziert werden, werden Hosen, Pullover und Kleider mittels Farbe und einem Model, das sie plötzlich trägt, zum Leben erweckt. Gesunde, moderne Kleidung für die menschliche Haut, für den menschlichen Körper – das ist eine essentielle Aufgabe von Kleidung, von Mode.

Sandras Musterkollektion war zur Hälfte fertig, als ihr in der Bielefelder Fachhochschule das Plakat des Humanity in Fashion Award auffiel. Die Entscheidung, sich für den HIFA zu bewerben, kam schnell: „Meine Recherchen und meine Studienarbeit passten einfach zum Thema“, erinnert sich Sandra. Die spannende Aufgabe sei es jetzt, ihr gestalterisches Konzept zusammen mit hessnatur in eine Capsule Collection zu übersetzen. „Wichtig ist mir dabei, dass die essentielle Idee meiner Arbeit, nämlich ökologisches Färben und transparente, nachhaltige Produktion, nicht verloren geht“, betont die HIFA-Preisträgerin. „Aber dabei muss ich mir ja bei hessnatur keine Gedanken machen.“

Fotos: Marcus Schneider, Silke Weinsheimer