Rhoenmantel_aus_reiner_Schurwolle-38336_02_1

Wenn Sie in unseren Kapuzenmantel aus ungebleichter und ungefärbter Rhönschafwolle hineinschlüpfen, dann ziehen Sie sich auch ein Stück europäische Kulturgeschichte an. Ja, man kann sogar sagen, Sie tragen durch die Wahl dieses Kleidungsstücks aus naturreinem Wollwalk mit dazu bei, dass diese Geschichte weiterlebt. In ihr lässt sich der Zusammenhang nachzeichnen zwischen Landschaftspflege, Tierzucht, Stoffverarbeitung und der Herstellung natürlicher Kleidung in einer Zeit, als es den Menschen noch lange nicht möglich war, gegen die Natur zu arbeiten. Sie waren darauf angewiesen mit ihr in Einklang zu leben.

Fangen wir bei Landschaftspflege und Tierzucht an: Früher waren die Rhönschafe mit ihren charakteristischen schwarzen Köpfen und dem weißen Wollkleid im gleichnamigen deutschen Mittelgebirge, der Rhön, ein selbstverständlicher Anblick. Die robusten Tiere waren ideal an das raue Klima angepasst. Sie beweideten die kargen Magerrasen mit den Orchideen, ernährten sich vom Fallobst und trugen so zur Pflege der Landschaft bei. Die Wolle dieser Tiere ist außerordentlich kraus, weshalb sie auch sehr geeignet ist für ein sehr altes Verfahren, dem Walken von Wolle.

Atmungsaktiv und biologisch abbaubar

Als Walken bezeichnet man den Prozess, bei dem ein Wollgewebe mechanischer Belastung wie Drücken, Schieben, Kneten und Ziehen ausgesetzt wird. Durch diese Bearbeitung verfilzen sich die feinen Härchen der Wolle und bilden ein festes winddichtes Gewebe, das alle natürlichen Eigenschaften der Wollfasern vereint: Wollwalkstoffe sind atmungsaktiv, sie sind wasserabweisend, können jedoch auch bis zu 30 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne ihre wärmenden Eigenschaften zu verlieren. Hinzukommt, dass sie schmutzabweisend sind. Für uns ist es heute wichtig zu wissen, dass die Wolle eine Eiweißfaser ist, die rückstandslos biologisch abbaubar ist und die Umwelt nicht belastet.

Das Walken von Stoffen lässt sich zurückverfolgen bis in die vorchristliche Zeit. Und bereits im 8. Jahrhundert gibt es schriftliche Zeugnisse davon, dass die Karolinger mit dem damals berühmten Friesischen Manteltuch Handel trieben. In Schweden und Norwegen war das schwere Vadmal, ein Wollwalktuch, das wichtigste Material zur Herstellung von Kleidung. Lange war es sogar als Zahlungsmittel, das so genannte Tuchgeld in Gebrauch.

Wolle vom anderen Ende der Welt

Auch der bayerische Loden ist ein Walkstoff. Mittlerweile jedoch kommt der Großteil der dafür benötigten Wolle aus Australien und Neuseeland. Dort werden im großen Maßstab Merinoschafe gezüchtet. Anfang der siebziger Jahre war im Gegenzug das Rhönschaf akut vom Aussterben bedroht. Es ist einigen wenigen engagierten Schäfern, wie Hans-Joachim und Johannelore Weih aus Dermbach, zu verdanken, dass dies abgewendet werden konnte. Und bereits seit 1997 nimmt hessnatur den Schäfern die Wolle ab und lässt sie in einem Traditionsbetrieb zu Walk verarbeiten.

An der Waldnaab in Tirschenreuth gibt es die Tuchfabrik Mehler, das älteste Textilunternehmen Deutschlands. Hier entsteht in traditioneller Manier Tuch in den Walkmühlen, unter Verwendung des Wassers aus der Waldnaab, gänzlich ohne Einsatz chemischer Zusatzstoffe. Nach dem Walkvorgang wird das Wasser gereinigt und wieder in den Fluss geleitet. Für uns stellt Tirschenreuth das schöne Double-Face her, aus dem wir den Kapuzenmantel fertigen lassen, die lässige Rhönjacke mit den praktischen Strickbündchen und die robuste und doch kuschelige Herrenjacke. Durch die Verwendung von Rhönwolle tragen wir zum Erhalt der alten Kulturrasse der Rhönschafe bei, senken ganz nebenbei den CO2-Ausstoß durch Reduzierung der Transportwege und halten die uralte Kunst des Wollwalkens am Leben. Umwelt- und kulturbewusst, nachhaltig und rein!