Im ersten Teil haben wir euch erzählt, wie Model Eirinn und Kite-Profi Renzo bei einem hessnatur Shooting auf Sardinien zusammenfanden. Heute leben sie mit ihren beiden Kindern auf der Insel und haben dort ein ganz besonderes Unternehmen gegründet. Wir haben sie besucht und uns alles erzählen lassen.

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Nach einer herzlichen Begrüßung im Haus der beiden fahren sie mit uns an einen ihrer Lieblingsstrände. Hier packt Renzo, der nebenher noch eine Kite-Schule betreibt, einen Übungsschirm aus und fängt an zu erzählen: „Ich bin hier aufgewachsen und mein Spielplatz waren von klein auf der Strand und das Meer.“ Eine seiner großen Leidenschaften war seit jeher das Kite-Surfen. Renzo war so talentiert, dass er sogar an den italienischen Meisterschaften teilnahm. Als Profi arbeitete er später für eine internationale Kite-Marke mit Test-Center auf Sardinien, um Neuentwicklungen zu prüfen und weiterzuentwickeln. “Kiten war damals rauer und gefährlicher als heute“, sagt er. „Ich testete Unmengen an Kites, um den Komfort und die Sicherheit für alle Sportler zu erhöhen.“ Wenn ein Kite seine Tests nicht bestand, wurde er ausrangiert und so wurde Renzo Zeuge einer Menge Abfall. „Das hat sich falsch angefühlt“, sagt er.

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So kamen erste Gedanken, den retired kites, also Kites im Ruhestand wie er sie nennt, eine neue Bedeutung zu geben. Eirinn brachte ihre Leidenschaft für Formen und Farben und ihr Styling-Knowhow mit ein. So entstand 2006 der erste Prototyp einer Jacke, deren Schnitt sich bis heute nicht verändert
hat. „Die Idee ist einfach“, sagt Renzo. „Wir schenken gebrauchten Kites ein neues Leben. Jeder Drachen hat seine eigene Geschichte und wir möchten den Menschen dieses Lebensgefühl mit jedem Einzelstück näherbringen. Dabei entsteht nicht nur ein schönes Produkt, dessen Material den Träger vor dem Wind schützt, zu dem es einst tanzte, wir helfen damit auch der Natur. Denn ohne sie wäre dieser wundervolle Sport gar nicht möglich.“

Begeistert von der Idee nahm ein Freund der beiden die ersten Jacken in seinen Store auf. Punktlandung! Im ersten Monat verkauften sich 60 Stück – und das mitten im sardischen Hochsommer. Seitdem mussten Eirinn und Renzo viele Hürden überwinden. Sie bauten sich ein Netzwerk auf, um Kites zu sammeln. Ein Reinigungssystem musste entwickelt werden. „Die größte Herausforderung liegt jedoch im Upcycling-Prozess als solchen“, erklärt Eirinn. „Ein Kite besteht nicht aus flachem Stoff, sondern ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die bogenförmig vernäht sind. Die Verwandlung in ein Kleidungsstück gelingt nur durch individuelles Prüfen, Auseinandernehmen, Zuschneiden und Vernähen. Selbstverständlich alles in Handarbeit.“ Nach langem Suchen fanden sie schließlich eine Produktionsstätte in der Nähe von Verona, die sich mit dem Upcycling-Gedanken identifiziert und alles nach ihren Wünschen umsetzt.

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Die zweite große Herausforderung ist der Vertrieb. Heute kann man Exkite international kaufen. Zwar gelingt es den beiden schnell, große Shops wie Nordstrom als Kunden zu gewinnen, jedoch muss immer wieder klargestellt werden, dass das Produkt am Ende einer Überraschungstüte gleicht. „Man kann eine Story nicht vorbestellen“, sagt Eirinn. So wurde der Wunsch immer stärker, einen eigenen Store zu eröffnen, der das Lebensgefühl der Marke widerspiegelt. Im Mai dieses Jahres war es dann soweit: Exkite eröffnete seinen ersten Store in Porto Cervo. Und natürlich nehmen Eirinn und Renzo uns nach dem Strandbesuch mit dorthin.

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Beim Betreten fällt uns sofort das Zitat an der Wand ins Auge, das den Lebenszyklus eines Kites wunderschön in Worte fasst und den Upcycling-Gedanken noch mal betont. Eirinn erklärt uns, dass man in jedem Produkt einen Hinweis findet, wo und mit wem es einst als Kite segelte. In Zukunft kann man im Store an der Wall of Kites seinen individuellen Kite-Drachen nach Farbe oder Herkunft auswählen und zusehen wie er von einer Näherin in die gewünschte Jacke transformiert wird. Neben den klassischen Windjacken, modernen Interpretationen und Shirts bieten Eirinn und Renzo auch Kite-Ausrüstungen und eine Auswahl an skandinavischen Accessoires an – eine sympathische Anspielung auf Eirinns Herkunft. Außerdem dient der Laden als Basis für Renzos Kite-Schule.

Nach der Zukunft gefragt antworten beide übereinstimmend: „Selbstverständlich ist es ein Ziel, in den großen Stores der Welt unseren Lebensstil durch Mode auszudrücken. Viel wichtiger ist uns jedoch, den Menschen die Seele unserer Produkte näherzubringen. Es geht um die Begegnung mit den Elementen, die Verbindung zur Natur und das Gefühl von Freiheit.“ Wir sind sehr begeistert von Exkite und freuen uns, durch das Shooting, bei dem sich Eirinn und Renzo kennenlernten, Teil dieser Geschichte zu sein.