Die Welt dreht sich nur noch um Geschenke und Essen, Essen und Geschenke. Wer möchte was? Wer darf auf keinen Fall zu kurz kommen? Wem habe ich letztes Jahr was Falsches geschenkt? Wer hat sich letztes Jahr nicht richtig gefreut? Und was möchte ich denn überhaupt? Niemand profitiert so sehr an Weihnachten wie die Händler. Und die Kinder.

Jonas ist neun Monate alt an seinem ersten Weihnachten. Und mich rufen alle an und fragen, was er sich denn zu Weihnachten wünscht. „Äh“, sage ich dann, „naja … nichts!“ Daraufhin höre ich meist „Ja, er ist ja noch viel zu klein, aber was könntet Ihr ihm denn kaufen? Was braucht er denn?“ Da sie mir widersprachen, als ich sagte, dass er alles habe, meinte ich „einen Fahrradanhänger braucht er. Dafür könnt ihr alle zusammenlegen!“ Damit waren alle zufrieden. Dachte ich … Aber: „Wenn Ihr Jonas nichts schenkt, dann muss er ja den anderen zusehen, wie sie etwas auspacken und dann merkt er, dass er nichts bekommt und dann ist er bestimmt ganz traurig.“ Naja gut, dachte ich mir und sagte: „Dann schenkt ihm einen verpackten Karton, gefüllt mit Zeitungspapier. Darüber wird er sich freuen! Und ihr seid glücklich.“ Und wirklich, der Vorschlag stellte den Rest der Familie zufrieden.

Mir macht es Angst, an das nächste Weihnachten zu denken, wenn Jonas wirklich mitkriegt, dass seine jüngsten Verwandten Unmengen an Geschenken auspacken, sich nicht wirklich darüber freuen und sie dann bald wieder vergessen. Wenn ich diesem Schauspiel zusehe, frage ich mich immer, ob ich auch so viele Geschenke bekommen habe? Meine Mutter meint ja, ich denke nein. Ich hoffe nur, dass ich mich damals wenigstens anständiger dafür bedankt habe.

Während ich Geschenke nähe, Listen schreibe und mich dabei über dieses Konsumfest ärgere, krabbelt Jonas um mich herum, zieht sich an mir hoch und brabbelt „Ähh. Ällaäh. Bajagai. Mmamamjam. Bffffffffffffffffff. Bffffffffffffffffffff.“. Es ist so faszinierend,wie sehr ihn alles interessiert, was er alles in unserer Wohnung findet. Und sich überhaupt nicht für seine Spielsachen interessiert. Wenn man den Medien und Büchern Glauben schenken würde, bräuchte Jonas lauter Spiel- und Lernsachen, um sich richtig zu entwickeln. Und dazu redet Pekip mir ein schlechtes Gewissen ein, weil ich ihn nicht regelmäßig massiere und unsere Wohnung nicht auf 30 Grad hoch heize, damit er nackt herumkrabbeln kann. Ach ja, und schwimmen gehe ich mit ihm auch nicht … und Yoga habe ich auch ganz vergessen.

Und trotzdem: Jonas ist an allem interessiert, erkundet die Wohnung, macht alles unsicher, strahlt die Leute an und entdeckt die Welt. Und macht damit seine Eltern überglücklich. Und hoffentlich wird er sich über die Ausflüge mit seinem neuen Fahrradanhänger freuen :-)

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und bis nächstes Jahr!