Das Thema Bio-Baumwolle ist bei hessnatur nach wie vor ein Thema mit absoluter Priorität. So haben wir vor kurzem bei einem Mailing an unsere Kunden dieses Thema mal wieder aufgegriffen und unser Bio-Baumwoll-Projekt in Burkina Faso – unter dem Motto ökologisch angebaut und fair gehandelt – beschrieben.

In diesem Mailing haben wir geschrieben, dass Heinz Hess 1991 in Ägypten das erste Bio-Baumwollprojekt weltweit iniitiert hat. Von unseren aufmerksam lesenden KundInnen wurden wir sofort darauf angesprochen, dass doch Herr Dr. Ibrahim Abouleish Sekem gegründet habe. Das ist natürlich richtig und Herr Abouleish Senior hat Sekem bereits 1977 gegründet und dort nach Demeter-Richtlinien Heilkräuter und Gemüse angebaut.

Aber Heinz Hess war es, der den Anbau der Bio-Baumwolle initiiert hat. Wir wollten aber noch einmal richtig recherchieren, wie das damals gelaufen ist. Denn so richtig wusste das im Haus hier niemand mehr und wir kannten ja auch immer nur die Aussage von Heinz Hess. Das muss aber doch noch herauszufinden sein, oder? Wir haben daher direkt Kontakt zu dem Architekten, der unsere Versandgebäude geplant hat, aufgenommen und mit ihm gesprochen.

Herr Reindl, der mit seinem Unternehmen Portus Bau mehrere Gebäude in Sekem, z.B. die Wohnhäuser, gebaut hat, kannte bzw. kennt sowohl Heinz Hess als auch Herrn Dr. Ablouleish gut und er hat uns jetzt noch einmal die Geschichte mit dem Baumwollanbau in Sekem erzählt – und dies möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

Herr Reindl war im Zuge der Bauplanung im Jahr 1991 öfter bei hessnatur. In einem der Büros saß zu der Zeit ein ägyptischer Mitarbeiter und Herr Reindl wollte von Herrn Hess wissen, welche Aufgabe dieser Mitarbeiter hätte. Heinz Hess hat dann berichtet, dass hessnatur versucht, ägyptische Baumwolle zu importieren und dass dies die Aufgabe dieses Mitarbeiters sei. Ägypten exportierte damals aber nur fertig konfektionierte Ware und keine Rohbaumwolle und daher sei der Mitarbeiter nicht sehr erfolgreich. Heinz Hess war darüber natürlich nicht besonders glücklich und Herr Reindl hat ihm vorgeschlagen, Kontakt mit Sekem aufzunehmen.

In Sekem plante Herr Reindl zu der Zeit gerade die Wohnhäuser und er kannte die Familie Abouleish. Also stellte er den Kontakt zu Herrn Abouleish her. Heinz Hess brauchte 120 Tonnen Baumwolle für einen unserer damaligen Lieferanten in Dänemark. Herr Abouleish war einverstanden, es mit dem Anbau von Baumwolle zu versuchen, unter der Voraussetzung, dass nach Demeter-Richtlinien angebaut wird. Der Vertrag wurde abgeschlossen. Heinz Hess finanzierte den Anbau der Baumwolle mit ca. 60.000 Mark vor. Da die Erträge „trotz des kontrolliert biologischen Anbaus“ höher waren und die Baumwollblüten größer waren als beim konventionellen Anbau, waren die Bauern leicht zu überzeugen, bei diesem Projekt mitzumachen. Da die Demeter-Richtlinien auch den Anbau der Fruchtfolge vorschreiben, konnte auch das Problem mit dem hohen Wasserverbrauch beim Baumwollanbau gemindert werden. Das war der Startschuss für den Baumwollanbau in Sekem, der sich erfolgreich bis heute weiterentwickelt hat und von dem viele Textilanbieter nach wie vor profitieren.

Also ganz klar. Den Anstoß hat Heinz Hess gegeben. Seine Vision hat sich erfüllt. Dies wird ganz deutlich, wenn man die Entwicklung des Anbaus von Bio-Baumwolle und die Aktualität des Themas, u.a auch im Zusammenhang mit den Lohas, betrachtet. Aktueller denn je. Um noch mal auf das damalige Projekt zurückzukommen, Heinz Hess ist schon kurze Zeit später ausgestiegen und hat in der Türkei sein eigenes Baumwollanbau-Projekt aufgezogen. Er wollte wohl etwas „Eigenes“ entwickeln und mehr direkte Kontakte zu den Landwirten aufbauen.

Für dieses Engagement um den Bio-Anbau der Baumwolle wurde Heinz Hess 1996 mit dem Organic Textile Recognition Award bei der 2. internationalen IFOAM-Konferenz ausgezeichnet.

Wir folgen noch immer seinen Spuren!