Ob Eurokrise, Regierungswechsel, aufreibende Debatten oder heftige Demonstrationen: Costas Blanas, der für uns in den Bergen Griechenlands Stuhlkissen-Stoffe webt und filzt, bleibt ruhig: „Vor mir haben meine Eltern diese Arbeit gemacht und vorher meine Großeltern. Wir bewahren ein altes, traditionelles Handwerk. Hier in den Bergen erscheint das Treiben in den Metropolen fast unwirklich“, erzählt er mir am Telefon und bestätigt, dass alles so weiterlaufen würde wie gewohnt. Nachdem, was wir hier in den Medien über die wirtschaftliche Misere des Euro-Landes hören, wollte ich einfach mal wissen, wie es unserem Lieferanten dort damit geht. Das Telefonat hat mich beruhigt. Irgendwie dachte ich schon, wir müssten in Kürze die Stuhlkissen mit Drachmen bezahlen.

In einem anderen Gespräch, das ich kürzlich mit Dr. Lau führte, der vor vielen Jahren mit Heinz Hess diese Zusammenarbeit angestoßen hatte, erfuhr ich mehr über die Hintergründe der Produktion in Griechenland. Die Menschen dort leben einfach, aber in einem stabilen Umfeld; mit gewachsenen, verlässlichen Beziehungen, mit einem wertschöpfenden Handwerk. Einfach, aber krisensicher: Die Schafherden weiden Tag ein, Tag aus auf den Berghängen des Olympgebirges. Die Wolle mit den sehr guten Filzeigenschaften wird im Frühjahr geschoren. Übers Jahr wird sie von den übrigen Familienmitgliedern verarbeitet. Sie wird gewaschen, kardiert, gesponnen und locker verwebt. Und dann werden die langen Stoffbahnen stundenlang in den riesigen Bottichen eingeweicht und durch das hereindonnernde Bergwasser bewegt. Völlig ohne Zusatz von Chemikalien, Seife oder ähnlichem, nur mit Hilfe reinen Bergwassers verfilzt die griechische Bergschafwolle zu diesen einzigartigen Stoffen. Sie werden von dort aus nach Thüringen geschickt, wo sie für uns in einem kleinen Familienunternehmen zu unseren bekannten Stuhlkissen weiterverarbeitet werden. Auch hier, in einer strukturarmen Region, sichert diese Arbeit die Existenz vieler Familien.

 Griechenland ist also für uns ganz nah. Und wird es auch bleiben, solange die Europapolitik weiß, was sie tut.