„Bio ist auch nicht besser“, diese Meldung aufgrund der Stanford-Studie zu Bio-Essen war der Ausgangspunkt dieser Artikelserie. Man kann an ihr die Methode und den Ansatz kritisieren, wie ich in Teil 2 dargelegt habe. Doch daneben gibt es vor allem Kritik von ökologischen Anbauverbänden, dass die Vorteile von Bio-Lebensmitteln schließlich nicht nur in ihrem Nährwert begründet lägen, sondern vor allem in ihrer ressourcen- und umweltschonenden Erzeugung. Der Verzicht auf chemische Gifte schone die Böden und erhalte die Artenvielfalt.

Hinzu kommt: Wer heute konventioneller Anbau sagt, gleich Gentechnik in der Landwirtschaft hinzudenken muss. Seit 16 Jahren sind genveränderte Organismen (GVO) in der industriellen Landwirtschaft zugelassen. Der Einsatz der GVO bestätigt nicht nur die schlimmsten Befürchtungen ihrer Kritiker, sondern verhält sich als absoluter Antagonist zur Bio-Bewegung verhält. Warum?

Die vier gentechnisch veränderten Pflanzenarten, die sich am meisten in der Landwirtschaft verbreitetet haben, sind Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Hier schließt sich auch der Kreis, laufen die Fäden Bio-Anbau zur Nahrungserzeugung und zur Gewinnung von Textilfasern zusammen.

Wo Bio-Essen und Bio-Textilfasern zusammenhängen

Die Philosophie von hessnatur ist es, den Kunden naturreine Kleidung anzubieten. Die Gewinnung der Rohstoffe dazu soll so ressourcenschonend und umweltfreundlich wie möglich erfolgen. Bei der Produktion der Textilien wird auf bedenkliche Hilfsstoffe verzichtet, die Arbeiter bekommen faire Löhne. Bei hessnatur nennen wir diesen Ansatz ganzheitlich. Schaut man sich die Richtlinien von Bio-Lebensmittel-Produzenten und Anbauverbänden an, dann findet man Parallelen zu diesem Ansatz. Bleibt die Frage, was der Ansatz der zehn Agrarriesen ist, die weltweit 74 Prozent der Landwirtschaft mit ihrem Saatgut dominieren.

Die Industrie hat Gensoja und Genmais lange angepriesen, weil sie nicht nur zu hören Ernteerträgen führen würden, sondern durch den Verzicht auf Pflügen, die Bodenbeschaffenheit verbessern würde und zu einem geringeren Pestizideinsatz führte. Wie beim Umweltinstitut München nachzulesen ist, sind die Pflanzen so manipuliert, dass sie sowohl gegen ihre Schädlinge resistent sind als auch gegen die sogenannten Totalherbizide, die die Agrarkonzerne den Bauern ebenfalls verkaufen. Das sind Unkrautvernichtungsmittel wie „Round Up“, die chemische Substanzen erhalten, die außer resistenten Arten sämtliche Pflanzen vernichten.

Was Gentechnik wirklich bewirkt

Tatsächlich hat aber eine Studie der Royal Society in Großbritannien von 2003 ergeben, dass sich erstens ein Rückgang der Artenvielfalt im Umfeld von Feldern mit Genpflanzen verzeichnen lässt. Die einseitige Benachteiligung von Schädlingen und Unkräutern führt rasch zu einem ökologischen Ungleichgewicht auf Kosten anderer Arten wie etwa Vögeln, die sich von bestimmten Schädlingen ernähren. Zweitesn stellten die Forscher fest, dass ein Ernterückgang zu verzeichnen war. Die genveränderten Pflanzen erwiesen sich als in ihrem Stoffwechsel geschwächt und neigten zu neuen Krankheiten und Anfälligkeit für den Befall durch neue Schädlinge. Das wiederum führt zu einem steigenden Einsatz von Pestiziden.

Dazu kommt, dass gentechnisch verändertes Saatgut unfruchtbar ist. Die Bauern, die es auspflanzen, bleiben von den Agrarkonzernen abhängig. Das schafft in ärmeren Ländern verheerende Abhängigkeiten. In Indien etwa, wo bereits 95 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert ist, wo der wichtigste Schädling bereits unempfindlich geworden ist gegen die eingebauten Gene, haben sich Kleinbauern aufgrund ihrer Ohnmacht und Abhängigkeit von den Agrarkonzernen das Leben genommen.

Gefahr für die Artenvielfalt

Darüber hinaus warnen Bauernverbände und Umweltschützer vor den Folgen der Auskreuzung: Die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mischen sich mit den natürlich vorkommenden Arten und übertragen ihre Gene. Der Verlust von Arten und eine immer stärker um sich greifende Schieflage in den Ökosystemen ist die Folge. Man kann auch sagen, der natürliche Genpool des Planeten verarmt, wovor das Öko-Institut Darmstadt in der Studie „Risiken der Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft“ von 2004 warnt.

Es sind wenige Großkonzerne, die weltweit von gentechnisch verändertem Saatgut und Totalherbiziden profitieren. Doch Gentechnik in der Landwirtschaft erweist sich als genau das Gegenteil von nachhaltig. Das hört sich nach einem Pluspunkt für Lebensmittel aus Bio-Anbau an. Und für Bio-Baumwolle genauso.