Genial: Ein Schal aus Bananenfasern

Es klingt doch wirklich verrückt: Fasern aus der Bananenpflanze werden zu einem textilen Faden, ja zu so genannter „Bananenseide“ sogar! Die Banane – als Frucht lieben wir sie seit dem 17. Jahrhundert. Dass sie auch Fasern bildet, die für die Textilproduktion einsetzbar sind, war lange Zeit unbekannt. Rolf Heimann, unser Leiter für Innovation und Ökologie, überraschte uns jetzt mit einem „Mitbringsel“ aus Nepal, einem gewebten Schal aus dieser Bananenseide vom Lepra-Verein New SADLE, den wir schon seit Jahren mit Ihrer Hilfe unterstützen.

Von dort kommen die edlen Pashmina-Schals, die aufgrund ihrer hohen Qualität und der Möglichkeit, sich sozial zu engagieren, so beliebt sind. Rolf Heimann ist Gründungsmitglied des deutschen Trägervereins und reist regelmäßig nach Kathmandu. Lepra-Kranke, Geheilte, Versehrte und gesunde Menschen arbeiten in den New SADLE-Werkstätten zusammen. Die Lepra-Kranken fühlen sich dadurch nicht mehr außerhalb der Gesellschaft, pflegen eine tragende Gemeinschaft und zeigen auch mit ihren Produkten, wie wertvoll ihr Dasein für die Gesellschaft ist.

Die Bananenfaser erinnert an Wildseide. Nach der Ernte der Bananen werden aus dem Stamm der Pflanze die langen Faserhaare herausgewaschen, aus denen dann das feine Garn gesponnen wird. Im Grunde ist es eine Verwertung von Überflüssigem, ja Müll, denn die Bananenpflanzen werden nach der Bananenernte zurückgeschnitten. Diese zusätzliche Verwertung von Pflanzenteilen tut unserer Umwelt besonders gut, es belastet sie nicht weiter. Das Potenzial dieser Pflanzenfaser ist praktisch noch unentdeckt – es ist also eine echte Premiere, diese Faser zu tragen und ihre Eigenschaften kennen zu lernen. Die Idee des Vereins für Leprakranke, regionale Materialien zu verarbeiten und dabei Menschen am Rande der Gesellschaft eine wertschätzende Aufgabe zu geben, ist ganz im Sinne von hessnatur. Eine steigende Nachfrage an der Bananenseide würde für die Menschen in den Dörfern und dem Verein New SADLE eine echte Existenzsicherung bedeuten. Das haben wir selbst nun in der Hand. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie der Schal ankommt und freue mich schon, Eure Kommentare darüber zu lesen.

Übrigens: Ihr findet den Bananenschal zum Bestellen gleich hier!

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Kommentare
  • Klaus-Martin Meyer ,

    Interessanter Beitrag. Gibt es Hinweise, dass das Prinzip auch irgendwo in größerem Maßstab umgesetzt wird?

    Antworten
  • Sandra Enderwitz ,

    Klasse! Bin erstaunt zu lesen, dass es noch kaum genutzte Ressourcen gibt. Wird Hess Natur die Bananenschals anbieten?

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  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Hallo Sandra,

    ja, die Schals gibt es jetzt im Frühjahr-Sommerkatalog. Ich setze gleich noch einen Link in den Text. Hab ich vergessen, unglaublich! =) Danke für Deinen Hinweis.

    @Klaus-Martin: ich habe Deine Frage an Herrn heimann weitergegeben. Er ist eifnach tiefer im Thema. Natürlich hoffe ich, Dir schnellst möglich eine Antwort liefern zu können.

    Farbenfrohe Grüße
    Dagmar

    Antworten
  • Julia Hochbach ,

    Guter und interessanter Artikel, aber die Idee, Bananenfasern zur Textilherstellung zu nutzen ist keines falls neu. In Japan wurden Bananen mindestens seit dem 13. Jh zu diesem Zweck kultiviert (http://en.wikipedia.org/wiki/Banana#Textiles), es handelt sich also eher um ein „Wiederentdecken“ als um eine Neuerfindung. Im Zuge des generellen Trends zu natuerlichen und umweltfreundlichen Anternativen zum konventionellen Baumwollanbau kann man auf diesem Gebiet sicher noch viele Entwicklungen in nicht allzu ferner Zukunft erwarten.

    Mich wuerde interessieren, ob/wie sich Textilien aus Bananenfasern oder mit einem Anteil Bananenfasern waschen lassen. Es scheint, dass die bei Hess Natur angebotenen Schals aus Bananenfasern und Bio-BW nicht waschbar sind. Das schraenkt die Nutzbarkeit und Alltagstauglichkeit solcher Textilien natuerlich erheblich ein. Ich wuerde in jedem Fall keine Alltagskleidung kaufen, die nicht gewaschen werden kann.

    Antworten
  • Kerstin ,

    Ich finde es schön, wenn Menschen trotz schon vorhandener Vielfalt in der Welt innovative Ideen haben und umsetzen. Wenn ich als Ergebnis dieser Idee ein solches Produkt wie eben den Schal kaufen und damit diesen Menschen auch noch helfen kann, ist das besser als jede Spendenaktion. Zumal ich selbst bestimmt auch jeden Tag Freude am Schal habe. Gut, dass hessnatur solche Projekte vorstellt und unterstützt.

    Antworten
  • Claudia Schröder ,

    Bananenseide? ist das nicht Abaca oder auch Manila Hemp? Ein Material, aus dem schon seit langem Seile, Fischernetze, vor allem aber Filterpapiere, Teebeutel etc hergestellt wird? Wenn ja, nennen sie das Kind doch beim Namen. Ihrem Projekt tut das sicherlich keinen Abbruch.

    Antworten
  • Sabine Schleidt ,

    Klingt interessant. Gibt es jemanden, der sich den ganzen Produktzyklus angeschaut hat und Fragen wie z.B. beantworten kann:
    Woher kommt die Energie, um die Salzlösung zu erhitzen? Was passiert mit der Salzlösung nach der Verwendung? usw.
    Ich halte es für sehr wichtig auch die Umgebungsparameter zu bestimmen, bevor man ein Projekt befürwortet – und ich würde es gerne befürworten :-)!

    Antworten
  • Anne ,

    Spannend! Ist es denkbar, diese Fasern auch in der Bekleidung und anderen Textilien (Bettwäsche, Tischwäsche, Handtücher, Gardinen, Geschirrtücher…) einzusetzen oder ist die Faserstruktur dafür eher ungeeignet?

    Antworten
  • Rolf Heimann ,

    Guten Tag,
    Sorry, es hat ein paar Tage gebraucht, bis ich Ihre Fragen und Kommentare beantworten konnte. Bin mal wieder viel unterwegs:
    Die sogenatte Bananenseide habe ich bei meinem letzten Besuch bei unseren Projektpartnern bei New Sadlle in Kathmandu “ entdeckt“ Nach Testfärbungen beim unserem Färber Ramesh hatte ich dann entschieden, diese für uns neue Faser für eine erste Produktion für die Schals freizugeben. Jetzt können wir Erfahrungen sammeln, Rückmeldungen einholen.
    Zu Ihrer Frage, ob auch andere Kleidung aus Bananasilk produziert werden kann: Wir haben zZ keine Möglichkeit in Kathmandu aufwendig zu konfektionieren. Auch die Möglichkeit für Flachstrick steht uns im Rahmen unseres Projektes noch nicht zur Verfügung. Ausserdem habe ich noch keine Erfahrung mit der Verfügbarkeit.
    Sie haben Recht, auch was den Produktzyklus angeht, sehe ich noch Optimierungsbedarf. Ökologische Prozessoptimierung ( z. B. Abwassserthematik etc. ) sind in Nepal immer ein Thema.
    Mal schauen, wir bleiben- zumal noch diesem grossen Interesse- an dem Thema dran.
    Ich werde Ihnen dann berichten.

    Antworten
  • Susanne Schalke ,

    Guter und interessanter Blogbeitrag. Mich würde interessieren ob die Schals aus Bananenfasern auch waschbar sind?

    Antworten
  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo Susanne,

    da es ein Handwebschal ist, sollte er mit der Hand oder im Handwaschgang in der Waschmaschine gewaschen werden. Ich habe meinen Schal (in Farbton Schiefer auch für Herren geeignet 🙂 ) in einen Netz gepackt und in der Maschine im Handwaschgang mit etwas Feinwaschmittel gewaschen. Mit niedriger Umdrehungszahl und ohne Schleudern. Das ging ohne Probleme.

    Viel Spaß mit Deinem Schal!

    Liebe Grüße, Michael

    Antworten
  • Silvia ,

    Hallo! Bananenseide, das klingt wirklich schön! Ist das denn noch aktuell? Im Online-Shop habe ich leider nichts gefunden. Mich würde der genaue Herstellungsprozess interessieren. Um Abaca oder Manila („Faserbanane“) dürfte es sich nicht handeln, ich glaube, so ein Stoff ist alles andere als seidig. Es sind ja auch die Fasern aus dem Stamm. Kann man die denn verspinnen? Eher werden sie als zellulosischer Grundstoff benutzt, aus dem dann Fasern gewonnen werden können. Das wären dann aber Kunstfasern wie Viskose…

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