Am vergangenen Sonntag wurde der internationale Frauentag begangen. – Aber was bedeutet das überhaupt?

1909, also vor genau 100 Jahren, fand der erste Frauentag in den USA statt. Die Einrichtung dieses Gedenktages geht laut der Vereinten Nationen (UNO) auf einen Streik von Textilarbeiterinnen 1908 in den USA zurück, bei dem Frauen in New York gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestierten.

Als Mitarbeiterin eines Textilunternehmens in 2009 ist es mir wirklich ein Bedürfnis, über dieses Ereignis, das vor 100 Jahren Menschen auf die Straße trieb, zu berichten. Eigentlich unglaublich, dass Ungerechtigkeiten auf dem Gebiet auch heute noch ein Thema sind.

Mit den hessnatur-Richtlinien, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne und einen Verzicht auf Kinderarbeit beinhalten, fordern und überprüfen wir hier jeden Lieferanten, egal wo auf dieser Erde. Hand in Hand mit der Fair Wear Foundation werden unzureichende Zustände aufgedeckt und verbessert. Das ist, was ein einzelnes Unternehmen tun kann. Man könnte meinen, das sollte Allgemeingültigkeit haben und unter ethisch wirtschaftlichen Aspekten Grundvoraussetzung sein. Weit gefehlt!

Die Diskriminierung von Frauen ist ein internationales Thema und hat in verschiedenen Ländern unterschiedliche Gesichter. Vor nicht all zu langer Zeit erkämpften sich Frauen selbst in Deutschland noch das Wahlrecht. Heute geht es hier um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Chancen im Erwerbsleben, ein Leben ohne Gewalt und eine gleichberechtigte Verteilung der Familienarbeit. In Afghanistan werden Alphabetisierungskurse, vor allem von der Unicef, angeboten, damit Frauen eine Chance bekommen. Um im Rahmen der kulturellen Möglichkeiten besser mit ihrer Umwelt in Kontakt zu kommen. Vage ausgedrückt!
Target (um nur stellvertretend eine Organisation zu nennen) kämpft um den Stop der Beschneidung kleiner Mädchen, was in so vielen Ländern leider immer noch Gang und Gebe ist.

Um noch einmal auf die Wirtschaft zurückzukommen, in vielen Ländern ist Kinderarbeit immer noch üblich. Ich muss immer wieder an das 14jährige Mädchen denken, das in einer unserer Nähereien gefunden wurde. Obwohl wir ihr – Hand in Hand mit unserem Lieferanten – die Möglichkeit boten, die Schule zu besuchen und in kleinem Rahmen zu arbeiten, verweigerten die Eltern dem Mädchen den Schulbesuch. Wo aber Menschenrechte bedroht werden, sind Grenzen erreicht. Es ist also vielmals ein kulturelles Problem, das Gleichberechtigung verhindert.

Der „Frauentag“ kann gar nicht oft genug ausgerufen werden! Allein, um uns jedes Jahr wieder daran zu erinnern, dass das, was wir Frauen hier leben und tun können, weltweit nicht selbstverständlich ist.

Nachtrag: Achtung: Autorenverwechslung. Dieser Artikel ist von Dagmar Reichardt geschrieben worden.