Unser Wagen fährt ruhig auf der wenig befahrenen Strasse von Bobo Diulasso zurück in die Hauptstadt Ouagadougou. Die Regenzeit hat gerade angefangen, der erste Regen hat  die Landschaft mit einem zartgrünen Flaum überzogen. Ich mag dieses Land. Eben, gleichförmiger Rhythmus, eigentlich unspektakulär (für Afrika). Und so sind auch die  Menschen hier mit ihrer Art: ruhig, entspannt, aber nicht gleichgültig.

Hinter mir liegen zwei Tage mit zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen mit der UNPCB, das ist der Bauernverband in Burkina Faso. In deren Verantwortung  und mehr und mehr in deren Umsetzung liegt das Bio- Baumwollprojekt. Begleitet hat mich Georg Felber, der Schweizer Projektleiter der Helvetas vor Ort: Bis in die Nacht hat er mit großer Geduld zu meinen unendlichen Fragen nach Details und vor allem nach Hintergründen bereitwillig und geduldig Auskunft gegeben.

Was war mein Ziel des Besuches? hessnatur hat den Anteil an Fairtrade-Biobaumwolle aus Burkina Faso in den vergangenen drei Jahren schrittweise gesteigert. Angefangen mit einem Container von 24 Tonnen Fasern sind wir Ende 2010 wahrscheinlich bei ca. 300 Tonnen Abnahme. Das heißt, wir haben eine Abnahmegröße erreicht, wo die Strukturen, Qualität und Verfügbarkeiten geklärt sein müssen. Das ist wichtig für hessnatur.

Für die Bauern ist wichtig, für ihre Anbauplanung eine verbindliche Abnahmegarantie zu bekommen. Gleichzeitig ist aber auch eine Kontinuität wichtig. Für den Baumwoll-Anbau müssen natürlich entsprechend Saaten zur Verfügung stehen. Das ist logischerweise auch von der Vorjahresernte abhängig. Dann brauchen Sie entsprechende Anbauberater. Das sind in den vergangenen Jahren bis zu 60 Experten gewesen, die die 4000 bis 5000 Bauern betreuen, kontrollieren, beraten.

Gleichzeitig halte ich es auch für wichtig, sich auf „Durchschnittspreise“ zu einigen. Baumwolle ist wie andere Fasern ein spekulatives Geschäft. Mein Verständnis vom Fairen Handel ist, unter Partnern verlässlich, wertig und jenseits der Kurse zu handeln. Das ist in der Praxis nicht ganz einfach. Erstaunlicherweise auch nicht einfach mit Bauernvertretern zu besprechen, wenn man sich, wie zur Zeit, in einer Hochpreisphase befindet.

Warum ist der Rohstoffpreis für Baumwolle gerade so hoch? In den letzten Monaten der Finanzkrise wurden in den Unternehmen die Lagerbestände radikal runter gefahren, bis unter den Meldebestand. Tja, und wenn Sie aber weiter Unterhosen produzieren wollen, brauchen Sie irgendwann dann doch mal wieder neue Baumwolle. „Is so“, sagt der Bergmann. Dann kommt dazu, dass Indien ein Ausfuhrverbot für Baumwollfasern erlassen hat, um den wachsenden Inlandsbedarf befriedigen zu können. Und da die Bauern ihre Ernte nicht so gut  los geworden sind, haben sie im letzten Jahr halt weniger Baumwolle angebaut. Also wurde die Baumwolle knapp und der Preis steigt. Und da wollte ich doch mal ins Lager schauen und sehen, wie viel Ballen noch für uns „rausspringen“.

Sprechen wollte ich mit unseren Partnern aber auch über Qualitätssicherung und die Problematik der gentechnisch veränderten Baumwolle. Darüber dann mehr in meiner nächsten „Gute Nacht“-Geschichte.