Ich muss Ihnen ja nicht von jeder meiner Reisen erzählen, aber vielleicht von dieser: Vergangene Woche Montag war in Berlin die Mitgliederversammlung des IVN, des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft. Nach den üblichen, langweiligen Szenarien solcher Jahresversammlungen wurde dann der alte Vorstand verabschiedet, um turnusgemäß einen neuen zu wählen.

Ich hatte mich nach acht Jahren im Vorstand wieder zur Wahl gestellt, mich aber bei meiner „Wahlrede“ über den Balkon gelegt und eine schnellere Weiterentwicklung unserer Alleinstellungsmerkmale gefordert. Die Reaktion kam prompt. Ich bekam nur eine knappe Mehrheit der Stimmen. Also habe ich die Wahl abgelehnt. Hmmm……. den Rest des Tages war ich verdutzt. Jetzt finde ich´s inzwischen prima. Mal andere machen lassen, die können das genauso und bei mir kommt deshalb noch keine Langeweile auf.

Wovon ich eigentlich berichten wollte, ist die Tagung „Far beyond organic„, die sich dann bis Mittwoch Nachmittag anschloss. Klasse! Rund 150 Menschen unterschiedlichster Interessen und Ansichten waren anwesend, von NGO´s, Textilern der unterschiedlichsten Stufen, Designern bis hin zu anderen Verbandsvertretern. Eine Vielzahl von Aspekten, Ansichten, Meinungen und Kenntnisse wurden zu den Beiträgen und Vorträgen eingebracht. Am Dienstag gab es Vorträge und Podiumsdiskussionen. Ich durfte in einem Grundsatzreferat mein „holistisches Prinzip“ erläutern. Die Zukunft der Sustainable Fashion wird nach meiner Auffassung auf vier Säulen stehen: Ökologie, Sozialstandards, Fair Trade und nachhaltige Produktion. Können Sie später im Internet unter www.green-forum.de nachlesen. Die anderen Referate dann auch.

Am Mittwoch gab es hochinteressante Workshops zu Herausforderungen im Bereich Sozialstandards, Fair Trade, Ökologie (pro und contra Viskose und Synthetikfasern), LOHAS und  nachhaltige Produktion. Die Ergebnisse, Thesen und Fragen können Sie dann später auch wieder im Netz nachlesen. Ich meine, da sind eine große Menge Erkenntnisse und Ansätze und Lösungsansätze aufgezeigt worden. Ich habe viele zufriedene Menschen gesprochen, die inspiriert und mit neuer Energie wieder zurück in den Alltag sind. Ich fand es schön, mit so vielen Menschen zusammen gewesen zu sein, die alle auf ihre Art mit den Problemen und Herausforderungen für nachhaltige  Bekleidung umgehen.

Dann hab ich mein kleines Köfferchen genommen und bin weiter Richtung Zürich, nach Luzern. In Luzern gab es eine Tagung zum Thema nachhaltiges Design der Hochschule Luzern. Auch hier habe ich wieder interessante Präsentationen – z.B. zu Bambus, Sustainable Relationship etc. – gehört. Spannend fand ich allerdings auch einen Vortrag zum Thema „Future Textiles“. Dabei ging es um die Möglichkeit der Einbringung von Sensoren etc. in die textile Fläche. Aber das ist natürlich ein anderes Thema. Am Rande der Tagung hatte ich Gespräche mit einem Vertreter des Schweizer Textilverbandes. Das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit ist auch dort angekommen.

Apropos angekommen. Am Montag dieser Woche dann war ich zu einem Workshop der „thekey.to Academy“ eingeladen. Darüber haben wir hier im Blog auch schon berichtet. Hier hatten wir mehr Zeit, um die Herausforderungen in der textilen Kette zur Umsetzung von „ethical fashion“ zu besprechen.  Die Veranstaltung war in einem sehr alternativen Ambiente: hinter dem alten Postbahnhof auf einer Wiese in einem futuristisch anmutendem Zelt. Inhaltlich ging es auch hier wieder um die gleichen Begrifflichkeiten, Probleme und Lösungsansätze. Sustainable Fashion ist in der nächsten Generation angekommen. Den Machern der „thekey.to“ wünsche ich noch interessante Workshops und eine gute, erfolgreiche Messe.

Schöne Grüße aus dem Zug, Ihr ICE-Nomade