Bei hessnatur haben gestern alle Mitarbeiter mittags vegetarisch gegessen. Aus, Schluss, basta? Kein Fleisch, kein Fisch mehr? Nein, es geht nicht darum, irgendjemanden zur Abkehr vom Fleischessen zu bewegen. Dagegen würde sich Silvia Fischer-Mehwald, seit 21 Jahren Mitarbeiterin bei hessnatur und Mitglied in der Arbeitsgruppe Ernährung, strikt verwahren wollen. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Tiere essen will oder nicht“, sagt die überzeugte Vegetarierin. Bei der Einführung des so genannten Veggie-Tages bei hessnatur, der fortan jeden Donnerstag stattfindet, geht es vielmehr um Bewusstseinsbildung.

Es geht darum, wie wir uns in der heutigen Welt ernähren, und welche Konsequenzen die Wahl unserer Speisen für den Planeten hat. Das Fleischessen führt zu Problemen wie dem der Massentierhaltung, dem des Leides der nicht artgerecht gehaltenen Tiere, das Problem der Grundwasserbelastung durch ihren Kot und Urin sowie die Monokulturen in der Landwirtschaft, als Folge des steigenden Tierfuttermittel-Bedarfs, um nur einige zu nennen.

Eine vegane Azubine setzt sich für das Vorhaben ein

„Voriges Jahr hat mich jemand angesprochen, ob wir nicht den Veggie-Tag bei hessnatur einführen wollten. Ich habe ihm gesagt, unsere Küche würde doch täglich auch vegetarisches Essen anbieten“, erzählt Silvia Fischer-Mehwald. Doch die Person hätte nochmals betont, dass es bei diesem Tag mehr darum ginge ein Zeichen zu setzen. Als sich dann die Auszubildende, Magdalena Schneider, die sich auch in der AG Ernährung engagiert, als Vegetarierin herausstellte, die sich sogar entschloss, zukünftig vegan zu essen, nahm die Initiative innerhalb der Gruppe Fahrt an. Gemeinsam mit den Familienbeauftragten, die regelmäßig Vorträge für die Mitarbeiter organisieren, wurde Petra Kühne vom anthroposophischen Arbeitskreis für Ernährungsforschung in Bad Vilbel eingeladen, um einen Vortrag über Ernährung zu halten.

„Es ging um drei Ernährungstypen, die so genannten Kopf-, Herz- und Bauchmenschen und ihre unterschiedlichen Nahrungsbedürfnisse“, so Michael Krause aus dem Bereich PR & Social Media. Kopfmenschen hätten oft Bedarf nach Süßem, Herzmenschen nach Fettigem und die Bauchmenschen nach Proteinen. „Das war herrlich. Der Input hat einfach mal wieder dazu angeregt, scheinbar Selbstverständliches aus einer anderen Perspektive anzuschauen“, so Silvia Fischer-Mehwald. Dann sähe man, dass der ganzheitliche Ansatz, den hessnatur auch in seiner Firmenphilosophie vertritt, der Realität tatsächlich gerecht wird: „Der Vortrag hat mir gezeigt, dass eins wirklich mit dem anderen zusammenhängt und der Kreis sich immer wieder schließt.“ Dazu brauche man allerdings auch Räume: „Im Alltag sieht man das nicht, dazu muss man immer wieder heraustreten.“

Ein Hoch auf unser Küchenteam

Darum wird das Küchenteam unter der Leitung von Thomas Wolf jeden Donnerstag aus dem Küchenalltag heraustreten und der Belegschaft ein voll-vegetarisches Mittagessen servieren. Zum Auftakt standen auf der Speisekarte: Bärlauch-Sauce, Tomaten-Tajine, Aglio olio e peperoncino und eine leckere Gemüse-Pfanne mit Räucher-Tofu, dazu eine Auswahl verschiedener Nudeln wie Steinpilzbandnudeln und Kamut-Spaghetti. Außerdem gab es die übliche, große Auswahl an Salaten und zur Nachspeise einen leckeren Obstsalat mit Joghurt. Als Aperitif hatte hessnatur-Geschäftsführer Marc Sommer zur Feier des ersten Veggie-Tages für alle alkoholfreien Sekt und Ananas-Kokos-Saft ausgeschenkt, dazu gab es Gemüsechips aus Karotten, rote Beete und Pastinaken (eine echt tolle Alternative zu Kartoffelchips!) sowie frisches Bauernbrot mit vegetarischen Aufstrichen.

Diskutiert wurde auch: Ob er wirklich nötig sei, der Veggie-Tag, woher Thomas Wolf das Fleisch wirklich bezieht und wie viel Fleisch wir eigentlich essen sollten. Dazu hatte Petra Kühne in ihrem Vortrag etwas gesagt: Würden alle Fleisch in Demeterqualität kaufen, das fünfmal so teuer ist wie konventionell erzeugtes, dann würde die verzehrte Menge ganz alleine zurückgehen auf eine Größenordnung, die für Fleischesser gesünder, und für die Tiere und die Umwelt verträglicher wäre.  Das gibt zu denken – soll es auch. Schönen Veggie-Tag noch!