Es ist nicht das erste Mal, dass wir von so vielen Selbstmorden indischer Bauern hören und lesen. Entweder ist es der ausbleibende Regen, der das vertrocknete Land in Armut und Hunger versinken lässt. Oder Meldungen, die von dramatischer Überschuldung aufgrund teurer Preise für genmanipuliertes Saatgut sprachen. Selbstmorde der indischen Bauern, die Folge der totalen Ausweglosigkeit.

Wie wir im Stern-onlineticker vom Montag lesen konnten, haben sich durch eine extreme Trockenheit in 2009 bis heute mehr als 17.000 Menschen das Leben genommen. Vor allem in den drei Bundesstaaten Maharashtra, Karnataka und Andhra Pradesh im Süden und Westen des Landes, war dort zu lesen. Grund: Der fast ausgebliebene Monsunregen 2009 und die darauffolgende magere Ernte. Der Umweltminister hat jetzt die Bauern aufgerufen, auf Bio-Anbau umzustellen. Grund zur Hoffnung? Für uns schon, denn die Anbauflächen für Bio-Baumwollanbau sind durch den Anbau genmanipulierter Sorten extrem gefährdet. Und, aber das ist meine persönliche Einschätzung: Wenn ein Land wie Indien, das früh und besonders expansiv auf genmanipulierten Anbau umgestellt hat, jetzt wieder davon abschwört, setzt das möglicherweise weltweit Zeichen.

In einem Artikel in The Telegraph, India, im Januar 2010, ist die Rede von der schwierigen Situation neuer Schädlinge, die über die neuen, genetisch veränderten Sorten herfallen würden.  Betroffen etwa 90% der Baumwoll-Anbaufläche übrigens. Die Baumwoll-Produktivität ginge, laut diesem Artikel in den letzten drei Jahren deshalb auch deutlich zurück: von 560kg/ha in 2007, über 520 Kg/ha in 2008 zu 512 Kg/ha in 2009. Nach einem verheerend trockenen Jahr folgte nun eine noch schlechtere Ernte. Laut einer Freundin, die sich in Indien für den Erhalt der natürlichen Kamelhaltung und das Zusammenleben der Menschen mit ihren Tieren einsetzt, sind besonders die Bauern von dieser absoluten Ausweglosigkeit betroffen, die keine Viehbestände mehr hätten. Ein Zusammenhang, der noch kaum bewertet und beschrieben wurde.

Indien, auch ein Land, das sich einem vermeintlichen Bio-Baumwoll-Skandal stellen musste. Ein Land, das jetzt möglicherweise wieder auf Bio-Anbau setzen wird. Das würde bedeuten: Bio-Baumwollanbau in Fruchtfolge, Nutzung natürlicher Regenmengen, kein Einsatz umweltschädigender Pestizide und Herbizide und eine Ernte von Hand ohne Einsatz von Entlaubungsmitteln. Wir können nur die Daumen drücken!