Bekannte von mir sind so genannte Rohköstler, das heißt, sie ernähren sich nur von rohen, vegetarischen oder sogar veganen Speisen. Mal abgesehen davon, dass ich sehr gerne warm esse und selber sehr gerne koche, war ich einigermaßen erstaunt, dass eben diese Rohköstler sich im Café Schokotorten und Kaffee bestellten und später sogar Tiefkühlpizza aßen.

Was mich jedoch maßgeblich fasziniert hat, war, wie diese Rohköstler morgens aufstehen, in die Küche gehen und Äpfel, Orangen, Bananen, Zitronen und ganze Ladungen Feldsalat sowie Kräuter von der Wiese in einen Mixer werfen und daraus eine grüne, naja, Pampe hört sich abschätzig an, also ein grünes dickflüssiges Getränk mixen und dann als Frühstück zu sich nehmen. Ich habe auch mal gekostet und war angetan.

Die Bekannten drückten mir noch ein Buch von der Rohkostfamilie Boutenko in die Hand, die nach einigen Jahren der Rohkost, an der sie zunächst gesundet waren, begannen, gesundheitlich wieder abzubauen. Die Mutter, Victoria Boutenko, recherchierte und kam darauf, dass Schimpansen, die mit den Menschen zu 99 Prozent genetisch übereinstimmen und als unsere nächsten Artverwandten gelten, sich zu 50 Prozent von Früchten und zu 40 Prozent von grünen Grünzeug ernähren. Daraufhin studierte sie die Nährwertzusammensetzung  grüner Blätter, die in der menschlichen Ernährung vorkommen.

Das Ergebnis war verblüffend: Kohlblätter, Salate, Spinat und Wildkräuter wie Brennesseln, Giersch und Löwenzahn enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Proteine und bieten besonders durch den Chlorophyllgehalt gesundheitliche Vorteile wie kaum andere Lebensmittel. – Nach ein paar Überlegungen, wie Victoria Boutenko ihre Familie dazu bringen könnte, Grünzeug zu essen, stopfte sie Grünkohlblätter und Bananen mit Wasser in den Mixer und hatte die Lösung gefunden. Der Green Smoothie war geboren.

Nach dem langen und vor allem lichtlosen Winter, den wir alle durchgemacht haben, war ich im März dreimal hintereinander krank. Außerdem war meine morgendliche Yoga-Routine so anstrengend, dass ich schon über Sportlernahrung nachdachte. Da fielen mir wieder die Rohköstler mit ihrem Mixer ein. Jetzt habe ich auch einen –  es komme weniger auf die Wattstärker als auf die Umdrehungszahl des Messers an, habe ich mir sagen lassen.

Seit vier Wochen mixe ich mir nun täglich grüne, dickflüssige Getränke und bin total begeistert: Ich nehme in der Regel Apfel, Banane, eine halbe Zitrone (geschält) und Stangensellerie als Grundlage, aber Kiwis, Avocados und Mangos verwende ich auch gerne. Und da der Frühling jetzt doch kommt, habe ich im Wald schon Berge junger Brennnesseln, Giersch und Löwenzahn gesammelt. Manchmal nehme ich auch Petersilie, Rucola oder Spinat. Meine Grünen Smoothies sind leicht verdaulich und wenn ich morgens auf der Yoga-Matte die ersten Atemzüge tue, ist mein Geist schön klar und ruhig. Und krank war ich seither auch nicht mehr.

Ich rümpfe schon gerne mal die Nase, wenn mal wieder irgendein Hype für den Sommer prognostiziert wird. Aber einen Green-Smoothie-Hype, den kann ich nur befürworten! Vor allem, wenn dadurch weniger billig produzierte denaturierte Nahrung aus reiner Stärke und Industriezucker und Fleisch, das von Tieren stammt, die unter fragwürdigen Bedingungen aufgezogen und gehalten werden, konsumiert werden. Geht in den Wald, sammelt (Un-)Kräuter und ernährt Euch wie Schimpansen!