Philipp Grözinger ist Steuermann und Kapitän auf Expeditions-Yachten in der Arktis, aktuell auf der  SV Goxsheim, die ihren Heimathafen im norwegischen Tromsø hat. Auf seiner aktuellen Expedition hat er die Bio-Funktionswäsche von hessnatur aus 100 % Bio-Merinowolle getestet – und für unseren Blog einen Erfahrungsbericht geschrieben. Apropos Schurwolle: Für unser Woll-Experiment, bei dem wir mit 15 Kundinnen und Kunden und der Funktionswäsche von hessnatur im Oktober auf Wanderschaft gehen, könnt Ihr Euch aktuell auf unserer Produkttester-Plattform bewerben. Hier nun der Bericht von Philipp Grözinger:

Sechs bis acht Monate im Jahr bin ich in Nordnorwegen, Spitzbergen, Island und Grönland unterwegs. Ich stehe bis zu acht Stunden am Stück am Ruder, sitze oft stundenlang im RIP und transportiere die Crew an Land, gehe auf vier bis sieben Stunden lange Ski-Touren oder sitze im Mast und halte Eisbärenwacht. Das ganze bei Temperaturen von -16 Grad bis 9 Grad. Da braucht man gute Kleidung.

Für die Segelsaison 2013 habe ich mir bei hessnatur im Laden Hamburg lange Unterwäsche aus 100% Schurwolle gekauft. Bis zu Temperaturen von -8 Grad reicht es sogar aus, nur die lange Unterwäsche unter meinem (auch gut isolierten) Arbeitsoverall zu tragen. Das ist sehr angenehm, da man wenig Lagen trägt und „beweglich“ bleibt, um sportlich zu agieren. Erst bei Temperaturen ab -8 Grad habe ich eine zweite Lage anziehen müssen (oben Wollpulli, unten Baumwollhose).

Die Schurwolle wärmt nicht nur extrem gut, sie ist auch sehr angenehm zu tragen und gibt eine sehr natürliche Wärme. Ich trage die Unterwäsche eine Woche ohne sie zu waschen, bis sie in die Waschmaschine wandert, die ich meist an Bord habe. Ich bin der Meinung, man könne sie noch länger tragen. Wolle stinkt nicht – ein großer Vorteil!

Ein weiterer Vorteil ist, dass sie auch den Körper wärmt, wenn sie nass geworden ist. Das Trocknen dauert länger im Gegensatz zu Synthetik-Produkten. Aber meistens ist genug Wärme und Zeit vorhanden, dass ich den nächsten Tag mit trockenen Kleidern beginnen kann.

Ich habe mich für das Oberhemd mit Reißverschluss entschieden. Das Hemd hat für mich Vor- und Nachteile. Es ist manchmal sehr angenehm, seinen Oberkörper zu „belüften“. Ein Nachteil ist, dass bei offenem Zustand die beiden „losen“ Seiten des Kragens hin und her schlagen, was in Aktion etwas unangenehm sein kann.

Insgesamt geben ich diesem Produkt nur „Einsen“. Nur der Schnitt ist meiner Meinung nach noch nicht perfekt. Andere „ausgefeilteren“ Produkte sitzen unbemerkter, besser am Körper.

P.S: Neulich habe ich bei 15 Grad über Null nur die Unterwäsche getragen, als ich an Deck den Schiffslack bearbeitet habe. Warm genug! Generell setze ich auf Wolle, so lange es nicht auf die paar Gramm Gewichtsunterschied ankommt – aber das ist ja selbst in den Polargebieten nur bei tagelangen Wanderungen durchs Eis der Fall.