Gestern saß ich das erste Mal in einem Lieferantentermin dabei. Als Texterin brauche ich mich normalerweise nicht so tief in die Herstellungsabläufe einklinken. Gestern aber wurde ich gebeten, mich aus erster Hand über eine neue Produktentwicklung zu informieren. Und ich war so begeistert, dass ich jetzt nicht anders kann, als mal schnell einen Blogeintrag darüber loszuwerden. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, wenn es zu werblich wirkt, aber ich denke, es ist es einfach wert (und ich freue mich schon auf Eure Kommentare!).

Also, es kam ein ostdeutscher Lieferant zu Besuch, der für uns die neue Bio-Baumwollspitzen-Dessous herstellt, die wir jetzt neu in unsere Kollektion Frühjahr/Sommer 2009 aufgenommen haben.

Es war sehr spannend zu erfahren, mit welchen Hindernissen und Aufgaben so ein kleines Unternehmen mit heute noch 15 Mitarbeitern konfrontiert wird, wenn eine Anfrage von hessnatur auf es zukommt. Die scheinbar verrückte Idee unserer Wäsche-Designerin Conny Matani: Spitze aus reiner Bio-Baumwolle, verarbeitet zu „Miederwaren“, wurde von Ihrem Geschäftsführer wider Erwarten sehr interessiert aufgenommen.

(Für alle jüngeren Semester: „Miederwaren“ ist der klassische Begriff für das, was wir uns heute mit dem Wort „Dessous“ zartschmelzend auf der Zunge zergehen lassen.)

2006 wurde der ostdeutsche Betrieb aus einer Konkursmasse herausgekauft und mit dem gesamten Know How und Netzwerk erhalten. Ziel war es, zukünftig ausschließlich mit natürlichen Fasern zu arbeiten. Das war Grund genug für uns, Kontakt aufzunehmen. „Spitze zu verarbeiten ist gar nicht unser Kerngeschäft,“ erklärte der Geschäftsführer. Der kleine Betrieb stellt vornehmlich Wäsche des täglichen Bedarfs her. Hochwertige Baumwollunterwäsche für Kinder, Herren und Damen.

Es war also eine echte Herausforderung, der sich das kleine Unternehmen da stellte. Auch den beiden Mitarbeiterinnen, die sich von Anfang an in die Entwicklung mit ihrem Chef hinein gekniet hatten, war klar, das würde richtig Zeit in Anspruch nehmen. Sie forschten im textilen Umfeld und fanden tatkräftige Unterstützung in Sachen Finanzierung und Know How beim Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V. Der aktive Betrieb erhielt einen Verbundprojektauftrag mit Fördermitteln für den Zeitraum von zwei Jahren. Entwickelt wurden acht Modelle, die im Juni 2008 hier in Butzbach präsentiert wurden. „Der Erfolg war größer als erwartet. Wir haben damit gerechnet, ein bis zwei Modelle zu verkaufen und dann sind es auf einmal alle acht Modelle gewesen“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Alle Zutaten der neuen Serie kommen von zertifizierten und hessnatur-geprüften Betrieben: die Bio-Baumwolle aus der Türkei, Core-Garn aus Deutschland, die Bio-Baumwoll-Spitze aus Österreich. Die Konfektionierung und Leitung der Produktion liegt in den Händen unseres Lieferanten: „Die Wertschöpfung findet in Deutschland statt.“ – Deswegen verdient die Serie auch ein „Made in Germany“. Das ist ein echter Meilenstein in der Geschichte von hessnatur! Mehr als 10 Jahre ist es jetzt her, als der erste hessnatur-BH entwickelt wurde. Mit nickelfreien Verschlüssen und Zutaten, die alle unter ökologischen Auflagen gefertigt wurden. Es war ein weiter Weg bis zu diesem Tag! Und heute können wir hauchzarte, richtig sinnliche und romantische Spitzen-Wäsche aus reinster Bio-Baumwolle in kbA-Qualität anbieten.

Erst in der Diskussion über eine zusätzliche Farbe, die wir für den kommenden Herbst/Winter in die Planung genommen haben, wurde uns wieder deutlich, dass es Grenzen und Hürden gibt, denen wir uns stellen müssen. Aber Dank des Forschungsprojektes kann auch diese zeitintensive Entwicklung bewerkstelligt werden. Es muss ja vom Verschluss über die Gummilitze, die baumwollummantelt ist, bis zum Bio-Baumwolljersey und der Spitze alles die gleiche Farbe bekommen. Das wird eine echte Herausforderung, zumal nicht alle Farbzutaten bei uns erlaubt sind.

Es war ein spannender Austausch für alle Beteiligten, der mir auch mal wieder gezeigt hat, wie viel Liebe ins Detail verwendet wird.