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Das wuschelige Etwas auf dem oben gezeigten Foto ist ein Alpaka, das auf den schönen Namen „Bell“ hört. Jedes Mal, wenn ich dieses Bild sehe, werde ich unwillkürlich an die Muppets-Show aus meinen Kindheitstagen erinnert. Durch die vielen Jahre bei hessnatur konnte ich einen tiefen Einblick über die Vorteile und die Schönheit von Naturfasern gewinnen, natürlich auch über Alpakahaar.

Nur in natura ist mir, außer im Zoo, noch kein Alpaka begegnet. Als wir im Frühjahr dieses Jahres hier an die Pazifikküste zogen, hatte ich nicht damit gerechnet Alpakas vorzufinden. Ich bin ja schließlich nach Nord – und nicht nach Südamerika ausgewandert. Aber Tatsache ist, dass es hier eine recht große Population dieser Tiere gibt. Mit großem Grundstück hinterm Haus hält sich so mancher zwei bis drei Alpakas als „Haustiere“. In der Regel werden sie aber für die Haargewinnung gezüchtet und leben in kleinen Herden auf freiem Feld. Ich wollte die Möglichkeit nutzen und mir eine Alpakafarm mal aus der Nähe anschauen. Also habe ich mich mit Mann und Kind auf den Weg gemacht und die Happy Valley Alpaca Ranch besucht. Linda und Mike Gooch haben uns sehr freundlich empfangen und uns auch gleich ihre Herde vorgestellt. Ein lustiger und wie ich fand auch sehr neugieriger Haufen, der uns da entgegen kam.

kg_wide-shot_low3Schon nach kurzer Zeit konnte ich die Tiere nicht nur durch die offensichtlichen Farbvariationen und ihre Körpersprache unterscheiden, am charakteristischsten fand ich die „Gesichtsausdrücke“ der einzelnen Tiere. Alpakas haben, im Gegensatz z.B. zu Schafen, wirklich völlig eigene Gesichter, durch die sie sofort wiederzuerkennen sind. Sie haben katzenartige Persönlichkeiten und scheinen es zu genießen, in den Abendstunden „Autoskooter“ zu spielen, indem sie nur zum Vergnügen ineinander rennen, sich verkeilen und durch die Gegend hüpfen und springen. Zumindest ist das bei der Happy Valley-Herde Tradition. Dass die Tragezeit bei dieser kleinen Kamelart fast ein Jahr beträgt, um nur ein Cria (Alpakakalb) zur Welt zu bringen, fand ich überraschend. So robust und genügsam wie diese Tiere sind, können sie fast überall leben und gehen auch noch sehr schonend mit ihrer Umwelt um. Z.B. durch die Art, wie sie grasen. Übrigens, Alpaka-Mist ist ein exzellenter Dünger.

Von Linda erfuhr ich, dass sie im Schnitt 1,5 bis 3 kg Wolle pro Vlies gewinnt. Geschoren werden die Tiere einmal im Jahr von einem Fachmann. Die Schur bei Lindas Alpakas erfolgt aufrecht stehend, was weniger Stress für die Tiere bedeutet. Alpakahaar ist nicht nur kuschelig und seidenweich, es ist innen hohl, was ihm ein super Wärmevermögen verleiht. Obwohl die weißen Alpakas das feinste Haar und dichteste Vlies produzieren, sind die Brauntöne meine persönlichen Favoriten. Die Natur hat hier ca. 22 Farbtöne auf Lager. Das feine Haar, das ich in den Händen halten durfte, und die versponnene Wolle, die Linda in ihrem Laden anbietet, haben mich dazu inspiriert, mal wieder was zu häkeln. Vielleicht einen Schal fürs Kind. Aber dieses Mal ganz sicher aus Alpakawolle!