Baumwolle weltweit

Der Bildband „Baumwolle weltweit“ von Christina Kleineidam und Hans Peter Jost ist gerade im Verlag Lars Müller Publishers erschienen – was ich damit sagen will: er ist es absolut wert, dass ich ihn hier genauer vorstelle. Es präsentiert sich „ein kritisches Portrait einer Kulturpflanze, deren Anbau nicht immer zu Wohlstand führt, sondern oft auch zur sozialen und ökologischen Katastrophe“ – so auf dem Rücktitel zu lesen. Und genau das begegnet mir beim Lesen und Blättern durch den großzügig gestalteten Schwarz-weiß-Bildband. Intensive Bilder, die ihre eigene Sprache sprechen. Eine Sprache, die wir hier kennen. Von Leid und Hunger, von Ausbeutung, Gier und gleichzeitig vom Siegeszug der Baumwolle. Die Begeisterung, in die schon Pietra Rivoli im Vorwort einstimmt, bleibt dem Leser bis tief in den weltweiten Massenanbau und die -Verarbeitung des „weißen Goldes“.

„Nur, wenn Ihr keine Umweltschützer seid,“ so werden die Autoren an mancher Tür empfangen oder abgewiesen. Der Blick, den Hans Peter Jost überall auf dieser Welt durch seine Kamera festhält, ist eindringlich, fesselnd und mahnend. Die Texte von Christina Kleineidam sind wahre Zeitzeugen. Sie berichtet sachlich. Der Leser selbst soll sich eine Meinung bilden. Sie schreibt von Erlebnissen ihrer Reisen zwischen 2006 und 2008 in den wichtigsten Baumwolle produzierenden Ländern. In Indien, China, den USA, Brasilien, Mali und Tansania dokumentieren die beiden Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die in allen Bereichen der profitablen, globalen Wertschöpfungskette der Baumwolle mitmischen. Ob mit genmanipulierter BT-Baumwolle, im konventionellen Anbau mit hohen Pestizideinsätzen oder über den Glück verheißenden Bio-Baumwollanbau.

Denjenigen unter Ihnen, die nicht nur durch unsere Augen auf das Thema Baumwolle schauen wollen, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Es macht die Geschichte leider nicht besser. Aber sehr glaubwürdig. Wie Pietra Rivoli, die selbst sehr tief in diesem Thema steckt, in ihrem Vorwort so schön sagt: „Ich habe 40 Jahre lang T-Shirts, Strümpfe und Blue Jeans getragen, bevor ich eine Baumwollplantage sah.“
Auch wenn wir selbst keine Baumwollplantage besuchen, dem Thema Baumwolle können wir uns allemal stellen. Als Jeans- und T-Shirtträger sollten wir das auch tun! Genau hinschauen und dann nicht mehr einfach konsumieren. Sondern nachhaltig entscheiden in der Wertschöpfungskette der wichtigsten textilen Faser, der Baumwolle.

Übrigens, auf der letzten Seite des Buches weisen die Autoren auf zwei Ausstellungen hin:

Vom 21. Februar bis 06. Juni 2010: Heidelberg, Textilsammlung Max Berk im Kurpfälzischen Museum
Vom 30. Juli bis 26. September 2010: Gmünd in Kärnten, Alte Burg