Ein Schlag ins Gesicht der Öko-Bewegung

Mein Kollege und seine Partnerin lassen sich regelmäßig eine Obst- und Gemüsekiste von einem nahegelegenen Biobauernhof liefern. Sie freuen sich über die knackigen Äpfel, die aromatischen Kohlrabis und schwören auf die heimischen Kartoffelsorten. Und wenn die Früchte ein wenig hutzeliger aussehen als die gleichförmige gewaschene und gewachste Supermarktware, dann nehmen sie das als Zeichen dafür, dass sie auch wirklich Bio-Qualität erstanden haben.

Doch was zeichnet Bio-Qualität bei Lebensmitteln eigentlich aus? Uns bei hessnatur, wo wir großen Wert auf naturreine, biologisch einwandfreie Textilien legen, interessiert die Frage brennend.  Kann man diesen Unterschied bei Lebensmittlen schmecken? Nicht jeder, wie ein Test jüngst in der Günther-Jauch-Show bewies: Jauch ließ das Publikum und seine Gäste jeweils ein Stück Bio-Apfel und ein Stück konventionellen Apfel kosten. Und welches war jetzt der Bio-Apfel? Ergebnis: 53 Prozent der Menschen haben ihn erschmeckt. Das ist nicht überzeugend, aber ganz zu verachten ist dieses Ergebnis auch nicht.

Eine aufsehenerregende Studie

Anlass für die Jauch-Show mit dem Titel „Der große Bioschwindel – Wie gut ist Öko wirklich?“ war eine Studie, die die US-amerikanische Stanford Universität  herausgebracht hat und die für mächtigen Wirbel in den Medien gesorgt hat. Landauf, landab titelten die Zeitungen: „Bio ist auch nicht besser“, „Wie gesund ist Biokost?“, „Skepsis im Bioladen“ und „Studie entlarvt Bio-Mythos“.

Was war passiert? Nun, Anfang September veröffentlichte die Universität Stanford das Ergebnis einer umfangreichen Analyse im Fachblatt „Annals of Internal Medicine“, welches besagte, dass biologisch erzeugte Lebensmittel kaum gesünder seien als konventionelle. Lediglich die Wahrscheinlichkeit sinke, mit Bio-Essen, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen. Natürlich handelt es sich bei der Studie um die Untersuchung von Lebensmittel-Rohstoffen, Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch. Bei verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Gebäck, Fertiggerichten, Brotaufstrichen und ähnlichem wäre der Vergleich sicherlich noch anders ausgefallen.

Zum Vergleich: Bei Bio-Bekleidung müsste ein solcher Vergleich zwangsläufig viel umfassender sein. Rohstoffe wie Baumwolle, Seide, Wolle und so weiter müssen für Öko-Kleidung auch kontrolliert werden, aber auch die Verarbeitung entlang der Textilen Kette spielt eine große Rolle: Wo in der konventionellen Textilindustrie chemische Schlichtemittel beim Garnspinnen, Appreturen zum Mottenschutz und bedenkliche Farbstoffe zum Einsatz kommen, muss für einen Betrieb wie hessnatur auch die Verarbeitung der Textilien  unbedenklich sein.

Doch zurück zur Bio-Essen-Studie. Ein Schlag ins Gesicht für hiesige Öko-Landwirte und Konsumenten, die sich beeilten nachzuschieben, dass der ökologische Landbau nachhaltiger, weil umweltfreundlicher und ressourcenschonender sei.

Doch dann meldete sich nicht nur eine Bio-Lebensmittel-Expertin zu Wort, sondern es wurde außerdem bekannt, dass die Universität Stanford eine großzügige Spende in Höhe von 5 Millionen US-Dollar von dem Agrar-Riesen Cargill erhalten hatte. Lesen Sie weiter im kommenden Beitrag!

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Kommentare
  • Esther Groh ,

    Zu dieser dummen Studie hier ein sehr kluger Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung:

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/studie-zu-bio-lebensmitteln-und-der-bio-apfel-ist-doch-der-bessere-1.1458549

    Bei der Evaluierung des Nutzens biologisch erzeugter Produkte nur nach der eigenen Gesundheit oder dem Geschmack zu schauen ist viel zu kurz gegriffen, schließlich geht es um die „Gesundheit“ und damit Erhaltung des Ökosystems Erde und um den schonenden Umgang mit Ressourcen (inklusive der Menschen im System). Und wer das einmal verstanden hat, kann auf diesem Weg schlechterdings nicht mehr kehrt machen, auch wenn es Irrtümer und Umwege zu verkraften gibt.

    Antworten
  • C.B. Schumacher ,

    Weitere Informationen über Gentechnik in der Landwirtschaft, Umweltverschmutzung bei der
    Produktion von Gütern etc. und Möglichkeiten dagegen zu protestieren : nachzulesen auf der folgenden Webseite :

    http://www.umweltinstitut.org/

    Antworten
  • Monika Dauer ,

    Es ist doch ganz einfach, wir müssen uns nur bewußt machen, wer gerade den Gewinn von solchen Aktionen hat … und dass die Agragindustrie „Muffesausen“ kriegt, muß uns nicht wundern sondern eher freuen. Ich habe nicht wirklich geglaubt, was da behauptet wurde… Wir sollten uns wieder besinnen auf die Selbstversorgung im Kleingarten (ich meine nicht Schrebergarten) nach dem Muster von Anastasia, Wladimir Megre, denn der Supermarkt ist nicht alles…

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  • Sarah Winter ,

    The Bigger Picture

    Es ist bedenklich, dass diese Artikel von den Medien genutzt wird um einen Schatten über ökologisch hergestellte Produkte zu werfen. Für den nicht-informierten Verbraucher (die Mehrheit) ist es schwer einzuschäten ob Bioprodukte vertraut werden sollen und es verdienen mehr zu kosten als andere. Im Moment liegt der „Bio-Siegel“ im Trend. Ob das in fünf oder zehn Jahren der Fall sein wird bleibt offen.

    Es geht nicht nur darum, ob ein Bio-Äpfel mehr Vitaminen enthält sondern auch um dessen umwelt-freundliche, nachhaltige und sozial-verantwortliche Produktion. Diese Teilaspekten der Bio-Landwirtschaft müssen mehr in den Vordergrund rücken, denn nur ein überzeugter Bio-Verbraucher wird auch nachhaltig ein Bio-Verbraucher sein.

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  • bellaitalia ,

    Ich kann es manchmal garnicht fassen wie die Lebensmittelindustrie oder der konventionelle Agrarbau auf die Biobranche losgeht,klar gibt es auch auf dem Biosektor schwarze Schafe, aber Bio heißt nicht nur besser schmecken, sondern auch nachhaltig und umweltfreundlicher.
    Wer dies noch nicht verstanden hat sollte sich mal Gedanken machen , wie es in Zukunft weiter geht.Im Übrigen die meisten Menschen können die natürlichen Aromen, die Bioware hat(Fleisch von glücklichen Tieren , Obst oder Gemüse) nicht großartig rausschmecken, da die Geschmacksnerven leider nur noch auf verarbeitete Lebensmittel aus ist.schade Biokartoffeln schmecken so wie eine Kartoffel schmecken soll und nicht nach nichts

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  • Himbeerbluete ,

    Studien zum Vergleich des Geschmacks von Biolebensmitteln und konventionellen Lebensmitteln gab es schon vorher und auch da wurde gezeigt, dass der Geschmack von den gesamten Wuchsbedingungen abhängt, nicht nur davon, ob es Bio ist oder nicht.

    Ich selbst kaufe aber Bio nicht, weil es allgemein besser schmecken soll (das kann ich nicht sagen), sondern weil ich der Natur nicht allzuviel zumuten möchte und weil ich auch nicht so viel Chemie zu mir nehmen möchte. Für mich ist die Studie also kein Schock. Allgemein geht man davon aus, dass lediglich bei Milchprodukten (vielleicht noch bei Fleisch?) Bio gesünder ist, abgesehen davon ist Gemüse und Obst gesund – egal ob konventionell oder Bio. Lieber konventionell jedenfalls – als gar nicht!

    Schade finde ich aber, wie bereits gesagt wurde, dass Leute verunsichert werden dadurch. Aber darum geht es in diesen Sendungen: kleine Skandale präsentieren, damit die ganzen BILD-Leser und Unterschichtenfernsehen-Liebhaber Unterhaltung haben und in ihren Vorteilen unterstützt werden. Ekelhaft.

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