Sassen, das ist eine Ansammlung von Häusern rund um ein altes Gehöft im Norden von Hessen inmitten von Wald, Wiesen und Feldern. Wer hier ankommt, wird sofort freundlich und offen begrüßt. Etwa von Beate, die nach der Mittagspause auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in der Weberei ist, in der schon so manches hessnatur-Stöffchen entstanden ist. In Sassen leben seit der Gründung der Lebensgemeinschaft e.V. im Jahr 1968 behinderte und nichtbehinderte Menschen auf der Grundlage anthroposophischer Weltanschauung zusammen und betreiben unter anderem ein Café, eine Töpferei, eine Schreinerei und eine Weberei.

Die Sassener leben in 16 Familienverbänden zusammen, etwa 150 „Dörfler“. Beate hat gerade in dem gemütlichen Landhaus, dass sich an einen Hügel anschmiegt panierte Sellerieschnitzel mit Käsesoße und Kartoffeln zu Mittag gegessen. Nach dem Küchendienst und einer kurzen Pause, geht jetzt der Alltag in Sassen weiter. Auf dem Weg zu den Werkstätten grüßt Beate nach allen Seiten. Sie kennt hier alle. Die Betreuer berichten, dass die Dorfstruktur und die Lage in einem übersichtlichen Tal dazu führt, dass so gut wie nie jemand verloren geht. Auch wer die Orientierung verliert, ist nie weit weg von einem wachen Blick oder einer helfenden Hand, die demjenigen wieder auf den richtigen Weg weist. Auf solche Unterstützung ist Beate derweilen nicht angewiesen. Während andere in Grüppchen herumstehen und plaudern geht sie stracks in die Weberei.

Beate setzt sich jetzt an den Handwebstuhl in der hellen Werkstatt: „Weben habe ich schon in der Schule gelernt“, sagt sie. Gerade verarbeitet sie türkisfarbenes Schurwollgarn zu einem dicken Stoff, der später gefilzt werden wird. Daraus entsteht dann eine Tasche in der limitierten Auflage von 25 Stück für hessnatur. Die 45 behinderten Mitarbeiter und 13 Festangestellten in der Weberei stellen hier schon seit vielen Jahren Filzpantoffel, Weihnachtsschmuck und Decken für den Weihnachtskatalog von hessnatur. Es ist eines der sozialen Projekte des Ökomode-Labels, das dem Unternehmen am Herzen liegt, weil es zeigt, dass „Business“ sozial, umweltfreundlich, wirtschaftlich und vor allem bewusst Menschen mit ganz unterschiedlichen Schicksalen verbinden kann.

Willi Wachter, Leiter der Weberei, macht eine Führung in den Keller, wo Behinderte gemeinsam mit Nichtbehinderten die angelieferte Bio-Wolle sortieren, kämmen und reinigen. Oben in der Werkstatt stehen neben den Webstühlen auch Spinnräder. Im Nebenraum wird emsig gestrickt, und eine kleine Näherei gibt es auch. „Es gibt bei uns so viele unterschiedliche Tätigkeiten, da ist für jeden etwas dabei“, sagt er und nach einer bedächtigen Pause: „Das ist der ideale Job hier.“ Beate, die fröhlich ihren Webstuhl bedient, findet das wahrscheinlich auch.