Sassen liegt zwischen Rhön und Vogelsberg in einer vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Gegend. Idyllisch muss man das Fleckchen Erde unweigerlich nennen, wenn man nach der letzten Straßenbiegung direkt auf das kleine Dorf der Lebensgemeinschaft Sassen eV. zufährt. Hier leben und arbeiten seit der Gründung 1968 geistig behinderte mit nichtbehinderten Menschen zusammen. Auf der Grundlage der Anthroposophie Rudolf Steiners ist hier eine zukunftsfähige und sozial tragende, dörfliche Gemeinschaft entstanden.

In den Räumen der Textilwerkstatt klappern die großen Webstühle, zwei Frauen summen beim Spinnen ihrer pflanzengefärbten Wolle. Im Nebenraum werden Schnüre gedreht, die Fäden wurden quer durch das ganze Zimmer gespannt.  Dahinter ein weiterer Raum, in dem ebenfalls an verschiedenen Maschinen und Vorrichtungen mit immer dem gleichen Material Neues geschaffen wird – nämlich mit reiner Schurwolle. Es ist ein besonderer, warmer Geruch, den Wolle an sich hat. Ob vom Waschen in der Seifenlauge oder durch die natürliche Lanolinschicht hervorgerufen, der Geruch vermischt sich mit dem honigwarmen Licht, das durch das Holz der Webstühle und der natürlichen Raumverkleidung entsteht. Die harmonische Betriebsamkeit der 40 behinderten und 10 nichtbehinderten Mitarbeiter der Textilwerkstatt sei ein Stück harte Arbeit, erklärt Textilwerkstattleiter Weinand, während er uns herumführt. Sehr einfühlsam schafft er für Menschen mit starken Einschränkungen Möglichkeiten und Hilfsmittel, um sie aktiv am gemeinschaftlichen Arbeitsprozess zu beteiligen.
Jeder einzelne profitiert hier von dieser persönlichen Zuwendung. Für jeden wird eine Arbeit gefunden, wenn nicht, dann wird sie er-funden! Hier wird ein Gestell zum einfachen Filzen entwickelt, dort  wird ein besonderer Webstuhl eingesetzt, mit dem gleichmäßige Fransenkissen entstehen. Das vernetzte Miteinander freut den Werkstattleiter: „Ich finde für jeden eine Arbeit, die er leisten kann.“

Es ist erstaunlich, was hier alles entsteht. Mit der Liebe zum Material, der reinen Schurwolle, wird traditionsreiches Handwerk bewahrt und gleichzeitig bekommen Menschen eine wertschätzende Aufgabe, die in unserer hektischen Arbeitswelt keinen Platz fänden. Dieses alte Textilhandwerk gibt Menschen eine Aufgabe, gestaltet ihren Lebensinhalt innerhalb ihrer Lebensbedingungen und lässt sie vor allem eines erleben: dass sie wichtig sind für die Gemeinschaft.

Schönes für Weihnachten haben wir wieder mit „nach“ hessnatur gebracht. Direkt aus Sassen – mit viel Liebe gemacht!