Der WDR zeigt heute Abend im Rahmen der ARD-Themenwoche „Essen ist Leben“ um 23.15 Uhr den DokumentarfilmFood, Inc.“ – eine Doku über die Ernährungsindustrie, der einen besseren Sendeplatz als zu dieser späten Stunde verdient hätte. Der Film ist im vergangenen Jahr in den US-amerikanischen Kinos gelaufen und reiht sich bei Filmen wie „Fast Food Nation“, „Supersize me“ und „We feed the world“ ein. In Deutschland hat er es bis auf die Berlinale im vergangenen Jahr nicht ins Kino geschafft.

Angesiedelt ist der Film im Kontext der radikalen Industrialisierung der amerikanischen Nahrungsmittelproduktion. Unter der Leitfrage „Was wissen wir eigentlich über das Essen, was wir einkaufen und täglich zubereiten?“ führt uns der Film massive Umweltschäden vor Augen, deckt unfaire Arbeitsbedingungen in Schlachtfabriken und Machenschaften von Großkonzernen auf, zeigt ausgebeutete Bauern und mit Wachstumshormonen vollgepumpte Tiere.

Eine Episode des Films widmet sich dem Thema Saatgut und dem Großkonzern Monsanto – das Unternehmen vertreibt neben gentechnisch-veränderten Sojabohnen auch gentechnisch-modifizierte Baumwollsamen, die im konventionellen Anbau dann als so genannte GMO-Baumwolle auf den Feldern wächst. Das Problem kennen wir vom Baumwollanbau in Burkina Faso. Erschreckend: 90 Prozent aller Sojabohnen in den USA enthalten Gene, auf die Monsanto ein Patent hat. Und wie im Film auch erzählt wird: 70 Prozent aller verarbeiteten Produkte in einem amerikanischen Supermarkt enthalten gentechnisch veränderte Zutaten.

Ein Kritiker der New York Times sprach von einem „der skruseligsten Filme des Jahres“ – nachvollziehbar, wenn man die vielen gentechnisch-veränderten Produkte oder auch Hühner in Massentierhaltung sieht, die so stark gemästet werden, dass sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen, bevor sie als „Nugget“ ihre Wiederauferstehung vor dem Kunden feiern. Die amerikanische Fleischindustrie ist seit Kinostart äußerst sensibel und hat kurz nach dem Filmstart eigens eine Anti-Food-Inc-Website online gestellt – hier wird auf heile und moderne Welt gemacht –, um die hässlichen Bilder aus dem Film zu entkräften.

Für mich ist ähnlich wie bei Kleidung: Die Konsumenten wissen vielfach gar nicht, was alles in einem Produkt drin steckt und wie es hergestellt wurde. Transparenz ist gefordert und Nachfragen und darüber Diskutieren Pflicht – ein angenehmer Filmgenuss wird „Food, Inc.“ in dieser Hinsicht nicht werden, dafür aber hoffentlich dazu beitragen, die Wichtigkeit einer naturgemäßen und natürlichen Ernährung weiter zu diskutieren und sich dafür stark zu machen.