„Wir müssen uns klar machen, dass der so genannte freie Markt, die freie Marktwirtschaft, die wir propagieren, den Tod vieler Menschen in Kauf nimmt!” Diesen Satz sagte ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Medico International neulich im Frankfurter Nordend bei einer Podiumsdiskussion zum Brandschutzabkommen mit der Textilindustrie in Bangladesh, an der auch hessnatur sich beteiligt hat. Doch darunter fallen nicht nur die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie weltweit, darunter fällt auch die bittere Realität der voranschreitenden Privatisierung der Ressourcen, die für das Überleben der Menschen essentiell sind: Energie, Land und Wasser.

Wie ich bereits in einem früheren Blogpost erwähnt hatte, führt die Privatisierung von Wasser in Südafrika dazu, dass viele Menschen mit geringeren Einkommen von der Trinkwasservorsorgung einfach abgeschnitten werden. Und in Südindien zapfen Pepsi und Coca Cola das Grundwasser an, um abzupacken und zu verkaufen. In der Folge verdorren ganze Landstriche, weil ihnen das Grundwasser entzogen wird.

Doch es gibt noch einen „Global Player“, der bereits vor vierzig Jahren in die Schlagzeilen geriet, als seine Firmenpolitik zu einem Massensterben von Säuglingen in der so genannten Dritten Welt führte, der Schweizer Konzern Nestlé. Der vermarktete damals künstliche Babynahrung in Gebieten, in denen die Wasserqualität den hygienischen Anforderungen für die Ernährung von Säuglingen nicht gerecht wurde.

1974 entstand die Kampagne „Nestlé tötet Babys„. Es folgte der weltweite Nestlé-Boykott von 1977, der den Konzern Umsatzeinbußen von geschätzt zwei Milliarden US-Dollar einbrachte. Bestätigt hat der Konzern die Zahl natürlich nie, aber in der Folge arbeitete er, wenn auch halbherzig, mit der Weltgesundheitsorganistion zusammen um Richtlinien für die Unterlassung irreführender Werbung und Marketing-Methoden zu erarbeiten.

Heute jedoch hat Nestlé sein Unternehmensportfolio längst erweitert: um Trinkwasser. Der Journalist Res Gehriger hat gemeinsam mit dem Regisseur Urs Schnell einen Film gemacht über das Geschäft des Nestlé-Konzerns mit dem Wasser, der seit dem 12. September in den Kinos läuft. In der Ankündigung heißt es: „Nestlé besitzt weltweit über 70 verschiedene Wassermarken. Trotzdem ist Wasser eine Sparte, über die man bei Nestlé nicht gerne spricht. Das muss der Schweizer Journalist Res Gehriger erfahren. Die Nestlé-Manager verweigern Interviews. Aber Gehriger lässt nicht locker. Auf einer Recherche-Reise erfährt er, wie konfliktgeladen das Geschäft mit dem Trinkwasser ist. „Bottled Life“ wirft ein Schlaglicht auf Nestlés Expansionsstrategie im globalen Wassermarkt. Während der Konzern in den USA und in Europa vor allem Quellwasser mit Herkunftsbezeichnung verkauft, hat er für die Schwellen- und Entwicklungsländer ein anderes Konzept: Dort gibt es „Nestlé Pure Life“, gereinigtes Grundwasser, angereichert mit einem Mineralienmix nach Nestlé-Rezept. Heute ist Pure Life das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt.“

Unbedingt anschauen! Wir legen Euch diesen Film ans Herz!