Eine Vision ist ein Bild, das wir uns von unserer Zukunft machen, für die wir uns begeistern und andere begeistern können. Es bringt Klarheit und Richtung in das Handeln und Denken. Von einer Vision begeistert zu sein ist wohl eines der ältesten, natürlichsten und grundsätzlichsten Prinzipien, mit denen Menschen sich selbst und andere begeistern und Veränderungen herbeiführen.“ So gelesen unter blueprint.de.

Kürzlich las ich im Journal für Frankfurt die Vision von Matthias Horx vom Zukunftsinstitut, die er sich über die Entwicklung Frankfurts macht. Genial, dachte ich: Schrankenfrei, konventions-, gesetzes- und reglementierungsfrei hat er eine Großregion mit ihrem kreativen, pulsierenden Potential zu einer neuen Einheit formiert. Ebenso abstrakt und schrankenfrei müsste man dieses Bild von einer über die regionale Begrenztheit jetztiger Denk- und Handlungsmuster hinausgehenden Zukunftsidee auch für die Textilbranche anlegen können.

Die Vision, die einst Heinz Hess antrieb, hessnatur zu gründen, ließ ja damals noch gar nicht ahnen, wohin ihn sein eigenes Sehnen und Drängen einmal führen würde. Was, wenn hessnatur-Richtlinien, so streng sie sind, so fundiert, dass sie Grundlage für IVN und Co. werden und geworden sind – ja, was, wenn hessnatur Maßstab für die Fertigung von Textilien generell werden würde? Weltweit, branchenweit? Die Vordenkerrolle wird zur Massenbewegung, weil sie das Zeug dazu hat und der Druck der Konsumenten, Kunden und KäuferInnen immer stärker und prägnanter wird. Genial. Diese Denke würde die ganze Produktionskette verändern, würde unsere Projektarbeit in Burkina Faso, Nepal oder Bangladesch zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Dann behielte Saint-Exupèry recht mit seinem Zitat: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen – sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.“

Es ist die Sehnsucht nach Giftfreiheit, nach dem Erhalt unserer Umwelt, nach einer intakten Natur, in der Kinder gesund aufwachsen können, in der Artenvielfalt und nicht Artensterben auf der Tageordnung stehen. In der Genmanipulation nicht mal ein Fremdwort ist. Das ist das Meer, nach dem wir streben.

Bis dahin halte ich mich an den Satz von Viktor Hugo, der mir tatsächlich greifbar nahe scheint: „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“