„Es ist der Verbraucher, an dem man den Versuch macht“ – das ist die Kernbotschaft der Dokumentation „Ungeschminkt“. Denn viele der eingesetzten Rohstoffe in Kosmetik sind weniger unbedenklich als man sich das vorstellen mag. Die Reportage wurde am vergangenen Montag im WDR ausgestrahlt (im Blog hatten wir darüber berichtet) und kann auch noch online angeschaut werden.

So haben bereits 20% aller Menschen Probleme mit Kontaktallergien. Die Reaktion auf die unverträglichen Produkte stellt sich allerdings oft erst zwei Tage nach der Benutzung ein, was es umso schwerer macht herauszufinden, auf welches Produkt genau reagiert wird.

Ungefähr 30.000 neue Kosmetikprodukte werden jährlich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet, darüber hinaus ist die Lebensmittelüberwachung für die Überprüfung der Qualität zuständig.  Doch wirft man mal einen Blick in die geltende Kosmetikverordnung, wird deutlich, dass in Sachen Produktsicherheit vieles eher unklar geregelt ist.

Abgesehen davon, dass sehr häufig der Konjunktiv angewendet wird, stehen dort Sätze wie:

„Stoffe, die gemäß der Verordnung (EG)Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 16. Dez. 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen als karzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestuft sind, sollten aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften in kosmetischen Mitteln verboten werden.“

Das wäre doch eine klare Ansage, aber es geht leider so weiter:

„ Da aber eine gefährliche Eigenschaft eines Stoffes nicht unbedingt stets ein Risiko nach sich zieht, sollte die Möglichkeit bestehen, die Verwendung von als CMR-2-Stoffe eingestuften Stoffen  zu gestatten, wenn angesichts der Exposition und Konzentration vom SCCS festgestellt worden ist, das ihre Verwendung in kosmetischen Mitteln sicher ist und sie in den Anhängen dieser Verordnung geregelt ist.“

Das bedeutet also: An einer Stelle werden Stoffe zwar als gesundheitsschädlich eingestuft, doch an anderer Stelle wird geregelt, wie diese eigentlich gesundheitsgefährdenden Stoffe uns doch wieder zugemutet werden können. Dahinter steckt nämlich das eigentliche Problem. Denn wer weiß schon, mit wie vielen verschiedenen dieser Stoffe man im Laufe seines Lebens in Berührung kommt und welchen Schaden dann dieser Giftcocktail auf unsere Haut oder im Körper anrichtet.

Zurückkommend auf den Film,  gibt es noch dazu einen großen Spielraum, in dem sich die Kosmetikhersteller bewegen. Und der dementsprechend weitläufig ausgenutzt werden kann.

Meine Empfehlung ist: Je unkomplizierter die Rezepturen der Produkte sind, umso weniger haben unerwünschte Stoffe die Möglichkeit hinein zu geraten.