Langsam geht mein Aufenthalt in Peru zu Ende. Heute Morgen waren wir in Lima, der Hauptstadt Perus, in einer Strickerei, bei der ich den hessnatur-Screen gemacht habe, um die Umsetzung unserer Sozialstandards zu erfassen. Der Geschäftsführer hat sich sehr für die Hintergründe zu meinen Fragen und Verbesserungsvorschlägen interessiert. Und er hat mir ganz viel erklärt, so dass ich das peruanische Arbeitsgesetz nun noch besser verstehe. Was ich interessant finde: Jede Firma muss regelmäßig Dokumente vorlegen, um die Mehrwertsteuer der von ihnen bezahlten Rechnungen zurückzubekommen. Im Grunde ist das bei uns nicht anders. Wenn die Dokumente unvollständig sind, gibt’s auch keine Rückzahlung.

Gesetzlich ist es außerdem geregelt, dass großen Firmen auf kleinere Unternehmen sozusagen „aufpassen“. Sprich: wenn die kleine Firma keine Steuern oder unregelmäßig Steuern bezahlt, bekommt die große Firma keine Mehrwertsteuerrückerstattung. Die Dokumente werden solange einbehalten, bis alle Steuerprobleme geklärt sind. Im Fall des Lieferanten von heute morgen: Eine Tankstelle hat ihre letzte Abrechnung nicht gemacht. Eine Quittung in einem Stapel an Dokumenten. Und nun wartet er, bis die Tankstelle ihre Hausaufgaben gemacht hat. Ein System zur gegenseitigen Kontrolle und zum Einfordern von Staatsabgaben. Die Exportunternehmen werden natürlich noch mal genauer unter die Lupe genommen. Und das in einem Entwicklungsland. Dazu gehört Peru nämlich trotz allem definitiv dazu.

Der nächste Betrieb wird gerade von einem Zertifizierer nach einem deutschen Standard (BSCI) auf Sozialstandards überprüft. Da ich nach diesem Standard geschult bin, haben wir uns auf das Audit konzentriert und ich konnte viele Fragen dazu beantworten.

Am Nachmittag treffe ich mich wieder mit Matthias Hess, wir machen uns auf den Weg zum deutschen Club, um hier das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Südafrika anzuschauen. Im Garten steht ein großes Zelt mit zwei großen Leinwänden. Überall sitzen Menschen mit schwarz-rot-goldenen Zipfelmützen, es gibt Bier, Weißwürstchen, Kartoffelsalat und Spätzle. Witzig. „Deutschland vor, noch ein Tor“ – als wäre ich gar nicht mehr in Peru …

Am letzten Tag stehen noch weitere Lieferantenbesuche an, bevor es zum Flughafen geht. Nach 17 Stunden Flug komme ich etwas übermüdet, aber zufrieden und mit vielen tollen Eindrücken wieder in Frankfurt an. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen meiner Beiträge. Den hessnatur-Botschaftern, die im kommenden Monat feststehen werden, wünsche ich schon heute eine spannende und eindrucksvolle Reise entlang der textilen Kette in Peru. Vamanos!