Die Kinder der Baumwollbauern

Am Sonntag  habe ich zur Taufe meines Sohnes Vincent das Wort an unsere Familie und Freunde gerichtet, um über Freiheit zu sprechen. Über die Freiheit im Denken und Handeln, die ich ihm wünsche für sein Leben, gepaart mit der Erkenntnis, diese auch für andere einzusetzen.

Jetzt bin ich wieder voll im Job, dieser emotionale Moment war gestern. Auf dem Flug von Frankfurt nach Burkina Faso beschleicht mich  Respekt vor dem, was mich in einem der ärmsten Länder der Welt erwartet.

In Ouagadougou angekommen, geht es nach einer kurzen Nacht in Richtung Osten zu den Baumwollfeldern. Die Menschen hier sind abhängig vom „weißen Gold“. Ich hatte viele Begegnungen an diesem Tag: Mit den Bauern, mit den Leuten der Entwicklungshilfeorganisation Helvetas, mit meinen Kollegen und vor allem aber mit den Kindern der Bauern.

In der Schule des Dorfes angekommen, durfte in die Klassenräume gehen, um mit den Kindern zu sprechen. Mein Auge hat natürlich gleich nach Altergenossen meiner siebenjährigen Tochter Hannah gesucht. Unser  Dolmetscher übersetzt meine Fragen und die Antworten der Kinder und umgekehrt. Da stehe ich nun, 1,89 m groß, Geschäftsmann aus Deutschland, und fühle mich unwohl, schon ein bisschen deplatziert. Den Kindern geht es wohl ähnlich; sie haben schon Respekt vor dem Mann, der da steht.

Mein Gedanke war „Du musst jetzt da mitten rein“. Geholfen hat mir meine Digitalkamera. Ich habe Bilder von den Kindern geschossen, die wir uns zusammen angeschaut haben.

Dann war es da, dasselbe emotionale Gefühl wie bei der Taufe. 20 Kinder auf und neben mir, ohne Berührungsängste, neugierig und lebhaft. 20 Kinder, die ein Teil der Zukunft unser gemeinsamen Welt sind. 20 arme Kinder, aber dadurch, dass die Eltern Biobaumwollbauern sind, zufriedenere, gesündere Kinder als in anderen Teilen Afrikas.

Die Kinder strahlen wie ihre Eltern trotz oder vielleicht gerade wegen Ihrer Armut Würde aus. Die Würde von Menschen, die für ihren Unterhalt sorgen und die Würde von Kindern, die auf ihrem Weg ins Leben zur Schule gehen können und nicht hungern müssen.

Das sind die Momente, in denen ich selbst merke, wie unglaublich gerne ich meinen Job mache und dass ich für den „Karrierearbeitsmarkt“ nicht mehr brauchbar bin. Ein T-Shirt aus organic cotton schützt 7 qm Ackerboden. Jedes Jahr werden 2,4 Millarden T-Shirts-konfektioniert. Der Bio-Baumwollanteil liegt weltweit unter 1 %. Es gibt noch einiges zu bewegen.

Auf dem Heimflug beschließe ich, Hannah und Vincent irgendwann mal mitzunehmen.

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Kommentare
  • Antje ,

    Beim Lesen überkam mich grad ein ganz komisches Gefühl
    Kurzzeitig hatte ich doch tatsächlich eine Träne in den Augen stehen.
    Unser Sohn heißt auch Vincent und für ihn und alle anderen Kinder lohnt es sich vieles zu bewegen.

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  • Wolf Lüdge ,

    Hallo Antje, wenn Du die Kinder gesehen hättest, hätten Dir, wie mir, mindestens 2 Tränen in den Augen gestanden.

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  • Chris ,

    In dem Artikel kommt viel positive Energie rüber- beim Lesen hat man endlich mal nicht das beklemmende Gefühl, was einen überkommt, wenn man über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, die für die „normale“ Textilindustrie arbeiten, liest.
    Da gibt es so viele bedrückende Fakten und Zahlen…
    Mich würde interessieren, wie die Menschen dort uns sehen. Gerade die, die für die „Wohlstandsländer“ schuften müssen-haben sie eine Wut im Bauch?
    Schön, dass Ihr so viel bewegt habt und dass man hier oft gute Nachrichten hört!

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  • Rainer ,

    Mich würde vor allem genau interessieren, warum Sie nach Burkina Faso gereist sind. Gibt es ein neues Projekt von Hess Natur oder schauen Sie dort ab und zu nach dem rechten?
    Sie sagen, Sie seien für den „Karrierearbeitsmarkt“ nicht mehr geeignet. Meine Erfahrung zeigt, dass gerade der nachhaltige Markt doch die Karriemöglichkeiten bietet, die sich ein Mensch wünschen kann. Und Karriere kann man auch in „guten“ Betrieben machen.

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  • M. Schoenberg ,

    Bislang war ich Beobachter im Hessnatur-Blog. Da ich selbst mit Ökounternehmen zu tun habe, kann ich Ihnen sagen, dass mich die Inhalte ansprechen. Man merkt, dass Hess Natur wächst und sich etwas tut bei Ihnen wovon andere Unternehmen in der Branche noch etwas lernen werden. Eine Anmerkung: Ich hätte gerne eine Videodokumentation von Ihrem Besuch in Burkina Faso und den inspirierende Kindern dort gesehen. Das vermisse ich etwas bei so einer Reise.

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  • Wolf Lüdge ,

    Ich bin nach Burkina Faso gereist, um unser Baumwollprojekt, das wir mit Helvetas seit 2005 betreiben, zu besuchen. Das ist also kein neues Projekt, aber unser aktuelles Baumwollprojekt. Wir haben bei dem Besuch 4-5 Stunden Filmmaterial gedreht. Das werden wir nach Schnitt natürlich unseren Kunden zur Verfügung stellen.
    @ Rainer: Ich hatte bewusst „Karrierearbeitsmarkt“ in Anführungszeichen gesetzt. Für mich selbst und als Vorbild für meine Kinder gibt es nur die Möglichkeit in „guten“ Betrieben zu arbeiten. Arbeiten ist für mich Profession, unabhängig von Einkommmen und Status.

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  • Wolf Lüdge ,

    Danke Christoph … aus Deinem berufenem Munde freut mich das besonders.

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  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo Chris,
    bei unseren Gesprächen vor Ort mit den Bio-Bauern kam alles andere als eine „Wut im Bauch“ auf die Wohlstandsländer rüber. Im Gegenteil: Die Menschen in Burkina Faso – was übersetzt übrigens „Land der ehrlichen Menschen“ heißt – sind unglaublich stolz darauf, dass sie zum einen mit dem Bio-Anbau was Gutes für sich, ihre Familien und die Natur tun. Zum anderen sind sie auch stolz darauf, was wir bei hessnatur aus „ihrer“ Baumwolle machen.
    Wir haben Kataloge mitgehabt und konnten somit dank der Produktabbildungen super eine Brücke schlagen zwischen ihnen und uns bzw. unseren Kunden. Und das hat die Menschen vor Ort beeindruckt – zu wissen, dass somit ihre Arbeit gewertschätzt wird. Nicht nur von hessnatur, sondern auch und insbesondere durch alle Kundinnen und Kunden.
    Was den Film angeht, so sind wir fließig am Schneiden. Sobald die Doku fertig ist, wird sie ihre Premiere hier im Blog feiern und dann auch auf unserer Unternehmensseite http://www.hessnatur.info zu sehen sein.

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