Die ersten Grünen

Der 13. Januar 1980 war ein folgenschwerer Tag in der Geschichte der deutschen Politik: Die Partei „Die Grünen“ wurden damals in Karlsruhe gegründet. Rechte Baumschützer und gescheiterte Bewegungslinke trafen sich in Karlsruhe zu diesem geschichtsträchtigen Termin. Petra Kelly fasste die Gründungsidee rückblickend so zusammen:

Wir, die Grünen, sind ein historischer Versuch, zugleich „Bewegung“ zu bleiben, aber auch Partei zu sein, die „Partei“ für diejenigen ergreift , die im herrschenden System vergessen oder unterdrückt werden. So verstehen wir uns unter anderem auch als Vertreter der Minderheiten, der Diskriminierten, der Kranken, der sozial schwachen, der Kinder, der kommenden Generationen, der Tiere und der Pflanzen.


Die Abstimmung in Karlsruhe nach tagelangem Gerangel: 414 der 548 Delegierten stimmten für eine Teilnahme der Grünen an den Bundestagswahlen 1980. Damals scheiterten die Grünen noch an der 5%-Hürde; im März 1983 gelang ihnen dann der Einzug ins Bonner Parlament. Und 1985 wurde Joschka Fischer mit seinen legendären Turnschuhen Umweltminister in Hessen. Bewegende Momente! Und umwälzende dazu. Was haben die Grünen alles in Gang gebracht: Die Frauenquote, das Rotationsprinzip, einfach Gleichberechtigung, schon in den Gremien. Die „grüne“ Politik haben heute alle Parteien auf dem Schirm. Dank der Grünen, die in den letzten dreißig Jahren immer unbequem blieben und den Finger auf viele Wunden legten.

Ich weiß noch, was das bei uns zuhause auslöste: meine politischen Wurzeln haben Joschka und Co. geprägt. Eindeutig. Ansonsten wäre mir, damals 15-jährig, das parlamentarische Leben glatt entgangen. Noch heute zehre ich von den heftigen Diskussionen, die ich von da an mit meinem Vater beim Abendbrot führte. Über die Grünen, ihre „neumodischen“ Ideen, ihre provokante Ablehnung der Kleiderordnung und über das Brechen verstaubter Regeln. Ein Hochgenuss für mich Pubertierende. Und meinungsbildend dazu – besser als jeder schulische Unterricht.

Heute wird die energie- und ökopolitische Aktivitätsbereitschaft durch Aktionisten wie Greenpeace, Campact, über Internetforen und Blogs wieder rebellischer. Das Genmais-Verbot in Deutschland beispielsweise war Dank der vielen Unterschriften ein sichtbar gewordener, von unten gesteuerter Erfolg. In Bewegung bleibt also weiterhin alles, was „grün“ ist und werden muss. Sie sind noch lange nicht überflüssig, die „Grünen“. Inzwischen längst etabliert, doch auch etwas träge geworden – muss ich leider attestieren. Die alternativen Bärte, die Turnschuhe, das Strickzeug. Mir persönlich fehlen die kleinen Provokationen. Ich zähle und warte auf die jungen Grünen, die mit dem Web 2.0 groß werden. Da geht noch was.