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Wie heißt es so schön: „Man lernt nie aus.“ Nach Aussagen der Einheimischen hier lebe ich in der Lavendelhauptstadt der Vereinigten Staaten. Das Lavendel-Festival zieht jährlich bis zu 30.000 Besucher an und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zu erst mal war ich überrascht von den zahlreichen internationalen Besuchern.

Das hat mich auf angenehme Art an Frankfurt erinnert, wo täglich mehrere Sprachen zu hören sind. Drei Tage im Juli öffnen die ortsansässigen Farmer ihre Felder für die Öffentlichkeit. Begleitet wird das Ganze von jeder Menge Livemusik, Ständen mit Kunsthandwerk, Essen und Trinken und mit Demonstrationen rund um die Lavendelverarbeitung.

KG_P1000653_lowEinige der Farmen bauen zertifiziert biologisch an, die anderen legen Wert darauf zu erwähnen, dass auch sie biologisch wirtschaften. Ohne Zertifikat. Die Meinungen, ob es wert sei, sich eine staatliche Zertifizierung zu kaufen oder nicht, gehen hier, wie ich feststellen musste, stark auseinander.
Auf dem Festival habe ich einiges über die Destillation des Lavendels und den Lavendelanbau im allgemeinen gelernt. Es gibt ca. 250 Arten und nur wenige sind für die Gewinnung von Lavendelöl geeignet. Neue Setzlinge müssen nur die ersten zwei bis drei Jahre bewässert werden. Ein Bauer erzählte mir, dass er seine Pflanzen seit sieben Jahren nicht mehr bewässert habe.

Die Sommer hier sind sehr trocken und normalerweise muss ich immer wieder erleben, wie hier mit Wasser um sich geworfen wird. Großflächige Rasenflächen werden in der prallen Mittagssonne „geflutet“. Da scheint mir Lavendelanbau die vernünftige Alternative.
Außerdem scheint Lavendel eine gute Futterplanze für Insekten zu sein. Beim Durchstreifen der Felder konnte ich geschäftiges Treiben beobachten. Jede Menge Hummeln und Wildbienen. Auch Honigbienen waren darunter, die hier in den USA leider zu Raritäten werden.

KG_P1000654_low Ich für meinen Teil fand den Destillationsprozess am spannendsten. Der ganze Stängel wird geschnitten, nicht nur die Blüte. Man benötigt für eine Dampfdestillation die Ernte von ca. 80 bis 100 Pflanzen. In 1 ½ Stunden werden dann aus dreißig bis vierzig Kilo Pflanzenmaterial ca. 1 Liter Lavendelöl. Ein so genanntes „Beiprodukt“, das dabei entsteht, ist das Hydrolat. Diese wässrige Lösung wird unter Aromatherapeuten favorisiert und dem Lavendelöl sogar vorgezogen. Besonders für Frauen von Interesse, da es eine stringente, sprich glättende, Wirkung haben soll.

Was mich am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass frisch destilliertes Lavendelöl entsetzlich stinkt. Es muss ein Jahr lang gelagert werden, bevor es den Geruch bildet, den man sonst mit Lavendel in Verbindung bringt. Das Hydrolat dagegen riecht angenehm nach Honig.

Meine Lavendelbüsche sehe ich jetzt aus einer ganz neuen Perspektive. Trotzdem sind es zu viele (sie waren beim Hauskauf inklusive). Ich werde die Pflanzen ausgraben und verteilen, denn im Moment stehen sie wie Zinnsoldaten in Reih und Glied. Ich betreibe ja schließlich keine Lavendelfarm. :)