In den vergangenen Wochen war ich einige Male auf einem Acker in der Nähe von Alsfeld, rund 60 Kilometer vom hessnatur-Firmensitz in Butzbach entfernt. Hier, am Rande des Dorfes Angenrod, wächst auf dem 3,25 Hektar großen Feld Flachs im Rahmen unseres Hessen-Leinen-Projekts.

Am Montag war ein Reporterteam der ZDF-Umweltredaktion vor Ort, um mit Bio-Bauer Alfred Haberlach, hessnatur-Experte Rolf Heimann und Kirsten Brodde Aufnahmen für die Sendung zu produzieren, in der es um nachhaltige Textilien geht und die am Sonntag, 16. September im Zweiten ausgestrahlt wird. Zusammen mit dem ZDF-Team habe ich Alfred Haberlach auch einige Tage zuvor während der Flachs-Ernte besucht.

 

Ernten, das heißt beim Flachs eigentlich „raufen“. Da die Pflanzenstengel sehr robust ist, können Mähmaschinen sie im Gegensatz zu Getreide nicht einfach schneiden – die widerspenstigen Fasern können sogar das Mähwerk beschädigen. Deshalb zieht eine Spezialmaschine den Flachs mitsamt Wurzeln aus dem Boden und schichtet ihn fein säuberlich auf dem Feld auf. Was heute maschinell gemacht wird, war früher harte Arbeit: Die Bauern mussten den Flachs per Hand aus dem Acker ziehen und ihn auslegen.

Der geraufte Flachs bleibt zwei Wochen auf dem Feld. Dann wird er gewendet und bleibt noch mal zwei Wochen liegen. In diesem Zeitraum ist es wichtig, dass es auf den Flachs regnet, damit sich die Außenhaut der Pflanzenstengel auflöst und in der anschließenden Schwinge das Leinen gewonnen werden kann. Diese so genannte „Taurotte“ auf dem Acker ist eine traditionelle Form der Weiterverarbeitung. Sie kommt gänzlich ohne chemische Mittel aus, die die Zersetzung des Flachs ansonsten beschleunigen könnten.

Was in den vergangenen Wochen auf mittelhessischen Feldern bei Alsfeld und Gießen gewachsen ist – neben der Familie Haberlach beteiligen sich sieben andere Bauern an dem Hessen-Leinen-Projekt – findet in den nächsten Monaten seinen Weg in die neue hessnatur-Kollektion Frühjahr/Sommer 2013!