Seit einigen Wochen ist Regenzeit in Burkina Faso: Es wird deutlich schwüler, die Luftfeuchtigkeit steigt, Gewitter entwickeln sich und bringen nach den trockenen Monaten das ersehnte Wasser.

Die Regenzeit in Westafrika ist unglaublich wichtig für den Anbau der Bio-Baumwolle, die dort auf den Felder derzeit heranwächst. Der so genannte „Regenfeldbau“ macht hier den Unterschied, bei dem das Wasser nur „von oben“ kommt, ohne zusätzliche Bewässerung. Das macht auch den Unterschied zu anderen Anbauprojekten, bei denen zusätzlich gewässert werden muss. Denn Baumwolle zählt zu den Pflanzenkulturen, die am meisten Wasser verbrauchen.

Über den Bauern Ouba Montadi aus dem Dorf Fuanliedi im Osten des Landes habe ich hier schon mal berichtet. Und auch in unserem Film über das Anbauprojekt in Burkina Faso ist er im Interview zu sehen.

Ouba erklärt, dass es für den Bio-Anbau wichtig sei, dass keine Chemikalien aufs Feld kommen. Keine Pestizide, keine Herbizide. Natürlicher Dung ist erlaubt, alles andere würde zu Lasten der Bodenqualität gehen. Deswegen ist auch ein weiteres wichtiges Merkmal des Bio-Anbaus, dass nur 60 % der Anbaufläche für Bio-Baumwolle genutzt werden dürfen. Auf den weiteren Parzellen, die zu den Baumwoll-Dörfern gehören, werden zum Beispiel Sorghum-Hirse, Sesam oder Erdnüsse angebaut. Alles auch in Bio-Qualität und im Fruchtwechsel. Denn der Anbau in Monokultur, sprich jedes Jahr aufs Neue Baumwolle, würde die Bodenqualität verschlechtern.

Im Mai haben die Bauern in Fuanliedi begonnen, die Samen für die diesjährige Bio-Baumwolle-Ernte zu pflanzen. Als ich bei meinem letzten Besuch in Burkina Faso mit Ouba gesprochen habe, betonte er, dass es sehr wichtig sei die Samen vor dem ersten Regen auszubringen. Die Regenzeit beginnt in der Regel im Juni, wird dann zum Sommer hin heftiger und flaut bis zum Oktober hin ab. Genau dieses Zeitfenster mit dem bereits erwähnten „Wasser von oben“ braucht die Bio-Baumwolle zum Wachsen.

Zur Vorbereitung der Felder sind im Frühjahr die Parzellen für den diesjährigen Anbau mit natürlichem Dung und Kompost versorgt worden. Dann kommen die Baumwollsamen aufs Feld und die Regenzeit kann beginnen – die Bauern in Burkina Faso haben ein gutes Gespür dafür, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Genau konnte mir das keiner erklären – aber sie spüren es einfach. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Baumwollpflanzen nun stetig wachsen – zum Ende der Regenzeit, wenn sich die westafrikanische Sonne wieder mehr und mehr durchsetzt und die Felder trocknet, fängt die Blüte an. „Und dann können wir auch mit dem ersten Ernte-Durchgang starten“, weiß Ouaba.

Im Herbst werden die Bauern und die viele Bäuerinnen dann mehrfach durch die Baumwollfelder gehen, die Baumwolle pflücken, sortieren und zwischen ihren Häusern trocken – der erste Schritt in der textilen Kette hin zu nachhaltiger, ökologischer und fairer Kleidung aus Bio-Baumwolle.