design for life

Ausnahmezustand bei hessnatur. In den letzten drei Wochen fanden hier im Hause Konzeptpräsentationen für den nächsten Frühjahr/Sommerkatalog statt. Da in dieser Veranstaltung über die zukünftige Kollektion entschieden wird, ist dies eine der wichtigsten Veranstaltungen im Rahmen unseres Kollektionserstellungsprozesses. Einen kleinen – wenn auch nur groben – Einblick in diese Abläufe wollte ich heute gerne geben.

Wir arbeiten hier im Haus in den verschiedenen Bereichen immer mindestens an drei verschiedenen Saisons gleichzeitig. Zum Beispiel wickelt die Logistik gerade die aktuelle Frühjahr/Sommer-Saison ab, die Einkäufer kümmern sich um die Anlieferung der Ware für den Herbst/Winter und unsere Designer sind schon ein ganzes Jahr voraus und erstellen die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2010.

Zweimal im Jahr, immer für den Hauptkatalog, durchlaufen wir den Prozess für die Kollektionserstellung. Vom Design des Kleidungsstückes bis zum fertigen Muster.
Startschuss zur neuen Saison ist die intensive Analyse der vorherigen Saison. Anschließend werden die Designer auf die nächste Saison eingestimmt oder gebrieft – wie man so schön auf neudeutsch sagt – und sind auf Messen und in Städten unterwegs, um die Trends, z.B. Farben oder Materialien, aufzuspüren. Dies alles in die hessnatur-Kollektion umzusetzen, ist die große Herausforderung an unsere Designer, denn natürlich sind wir aufgrund unserer strengen Qualitätskriterien und auch aufgrund unserer Naturmaterialien in der Umsetzung eingeschränkt. Andererseits wollen wir natürlich nicht nur modische Artikel im Sortiment haben und müssen auch nicht jeden Modetrend mitmachen. Die schönen Naturmaterialien und ihre exotischen Mischungen bieten sich doch auch besonders für zeitlose, langlebige Mode und Basics an.

In der Konzeptpräsentation, die ca. sechs Wochen nach den Analysen stattfindet, stellen die Designer dann bereits die Zeichnungen der Produkte vor und haben Stoffmuster und Farblaschen dabei. In diesem Gremium wird entschieden, ob und in welcher Form das Produkt in die Kollektion aufgenommen wird. Vertreten sind in dieser Sitzung natürlich die Designer, die Geschäftsleitung sowie die Bereiche Innovation und Ökologie, Einkauf und Technik. Auch Mitarbeiter aus unserem Laden nehmen an der Besprechung teil, denn sie haben den direkten Kontakt zu unseren Kunden und steuern wertvolle Hinweise bei. Diskutiert und entschieden werden hier Fragen wie zum Beispiel, ob die Rohstoffe aus unseren Projekten wie zum Beispiel kbA-Baumwolle aus Burkina Faso oder Hessen Leinen in der Produktion eingesetzt werden. Mögliche Lieferanten werden diskutiert, Schnittführung und Passform betrachtet, Farben und Anlässe besprochen.

Dass es hier hoch hergeht, wird schon deutlich durch die Zusammensetzung dieses Gremiums. Die unterschiedlichen Anforderungen aus den einzelnen Bereichen treffen aufeinander und müssen in Einklang gebracht werden. Da wird ausgiebig und sehr differenziert diskutiert. Eine super anstrengende, interessante Veranstaltung, in der aber auch der Spaß an der Arbeit nicht zu kurz kommt.

Schon acht bis zehn Wochen später sind zur Artikelauswahl die Muster im Haus (wenn alles gut geht) und werden jetzt von dem gleichen Team noch einmal begutachtet und gegebenenfalls überarbeitet. Nach dieser finalen Runde wird die Kollektion an das Werbeteam zur Fotografie übergeben. Das sind dann die anderen Rädchen, die unser großes Rad antreiben.

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Kommentare
  • Elisabeth ,

    Super iinteressanter Bericht über die ersten „Schritte“ der hessnatur Kollektion. Danke Silvia und bitte mehr davon! :o)

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  • Ingrid ,

    Ist es möglich Naturfarben für die Kleider zu verwenden. Ich kenne diese Farben von einem dänischen Blumenstickgarn. Der Vorteil alle Farben harmonieren untereinander – eben wie in der Natur – und das sind sehr, sehr viele. Grüne Erde hat jetzt damit auch begonnen für farbige Soffas. Der Vorteil: Die Hess Natur Kleidungsstücke könnten vielfältiger gemischt getragen werden ohne, daß sich die Farben „beißen“. Das ist so eine Vorstellung von mir, ob technisch machbar und praktikabel weiß ich nicht.

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  • Silvia Fischer-Mehwald ,

    Hallo Ingrid,
    vielen Dank für die Anregung. Ein Thema, das uns hier auch immer wieder beschäftigt. Wir hatten ja früher immer einige Artikel aus Pflanzenfarben und es ist auch richtig, dass sie sich Pflanzenfarben schöner miteinander kopieren lassen. Es gibt aber – soweit ich weiß – Probleme mit der Farb-Echtheit und die Produktion ist auch nicht unbedingt ökologisch verträglicher. Unser Spezialist Rolf Heimann, Leiter Innovation und Ökologie, wird dazu noch sein fachliches Statement dazu abgeben.

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  • Rolf Heimann (hessnatur) ,

    Hallo,
    mein Name ist Rolf Heimann. Ich leite den Bereich Innovation & Ökologie. Wir sind verantwortlich für die Qualität der Materialien, legen die hessnatur-Textilrichtlinien fest und betreuen z.B. unser Hessen-Bio-Leinen Projekt.

    Ich bin seit bald 20 Jahren in der Textil-Ökologie tätig und habe mich lange mit Pflanzenfarben beschäftigt. Tatsächlich haben wir fast keine pflanzlich gefärbten Artikel im Katalog. Woran liegt das? Unsere KundInnen erwarten von uns logischerweise Bekleidung mit hohem Gebrauchswert. D.h. gute Waschbarkeit, Reibechtheit, Lichtechtheit. Außerdem brauchen wir eine gute Reproduzierbarkeit der Farben. Wenn also nachproduziert wird, muss der Farbton identisch sein.

    Ich habe mich schon viele Jahre mit diesen hohen Ansprüchen beschäftigt. Umsetzbar sind die nur, wenn man industriell färbt. Und das ist die Herausforderung. Sie müssen die Pflanzenfarbstoffe „industriell verfügbar“ machen, also zu Konzentraten extrahieren etc. Ich kann da noch viel zu erzählen, aber dann wird´s lang. Vielleicht sollte ich das per Video erzählen, dann könnte ich Muster zeigen?

    Pflanzengefärbte Textilien sind wunderschön, sehr harmonisch in den Farbtönen zueinander und besonders auf Wollstoffen gut zu färben. Wir machen das auch schon, aber es entwickelt sich nur langsam. Solange werden wir mit synthetischen Farbstoffen arbeiten Und dabei natürlich unsere allerhöchsten Ansprüche unserer Textilrichtlinie erfüllen: also keine Verwendung von Schwermetallen, kein AOX, kein Formaldehyd etc.

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