Hatte ich Ihnen erzählt, dass ich schon Ende der achtziger Jahre in meinem damaligen Bioladen den „Ökotest“ verkauft hatte? Nicht? Egal, ist auch nicht so wichtig. Wichtig fand ich das Magazin allerdings schon. Ein Fachblatt, das Produkte auf seine ökologische Wertigkeit testet.

Im Laufe der Jahre habe ich dann leider die echten Schwachpunkte feststellen müssen. Inzwischen wurde in dem Bioladen das Magazin auch nicht mehr vertrieben. Jüngst ist ein Artikel im SPIEGEL erschienen, der Ökotest kritisch unter die Lupe nimmt und auf seine Schwachstellen aufmerksam macht.

Ich finde, dass diese Punkte in dem Artikel sehr gut wieder gegeben worden sind. Das Beispiel mit „Nutella“ hätte von mir sein können: Einen reinen Schadstofftest bei einem Lebensmittel, ohne ökotrophologische und ökologische Aspekte zu berücksichtigen, ist schlichtweg ein Unding: Denn beim Ökotest spielt es keine Rolle, wie viel Industriezucker da in jedem Glas steckt und ob die Zutaten aus biologischem Anbau stammen.

Ich hatte Herrn Stellpflug, den Chefredakteur von Ökotest, in meiner Funktion als Vorstandsmitglied des IVN (Internationaler Verband der Naturtextiler) schon das Angebot eines Fachbeirats gemacht. Wir – Dr. Bächi, Dr. Kuebart und ich – waren extra nach Frankfurt zur Vorstellung unseres Konzepts gefahren. Das Interesse an der Fachkompetenz der Experten dieses Fachverbandes waren in meinen Augen ignorant gering.

Anyways, zu den oftmals bei den Tests vorgenommenen Einschätzungen der Mengen und Qualifizierungen der Schadstoffe sage ich jetzt nichts mehr. Auf meine Frage, warum der Aspekt von Einhaltung von Sozialstandards bei den Testmethoden keine Berücksichtigung findet, bekam ich zur Antwort, dass das „keine Socke interessiere.“ In Wirklichkeit ist das aber einfach nur extrem aufwändig und teuer zu verifizieren. Dann lässt man´s eben. Ich finde ein Öko-Testmagazin heute wichtiger denn je. Aber gerade wenn das Ansehen von Ökotest so hoch ist, sollte man die Verantwortung auch entsprechend wahrnehmen. Denn Sonst ist es für die Verbraucher und natürlich für die Ökobewegung nicht sonderlich zuträglich.