Nachdem wir hier in Hessen einige Tage goldenen Herbstes mit Temperaturen von bis zu 22 Grad genießen durften, waren es heute Morgen gerade einmal fünf Grad Celsius. Und ich, die ich in aller Herrgottsfrühe aufstehe, hatte richtig kalte Füße – und konnte meine Wollpuschen nicht finden. Entnervt habe ich in unserem Katalog geblättert und bin über drei Modelle gestolpert, die mich meine kalten Füße kurzerhand vergessen machten. Warum?

Weil sie aus sortenreiner Schurwolle gefertigt sind von Schafrassen, deren Namen ich so noch nie gehört hatte. Da gibt es den Hausschuh „Tiroler Steinschaf“ aus grauer, ungebleichter und ungefärbter Wolle, das Modell „Tiroler Bergschaf“ aus brauner Naturwolle und schließlich den Hausschuh „Moorschnucke“ aus fast makellos weißer Wolle. Alle drei Schafrassen sind vom Aussterben bedroht. Ich will sie an dieser Stelle kurz vorstellen:

Temperamentvoll und mit ausgeprägtem Mutterinstinkt

Das Tiroler Steinschaf ist ein mittelgroßes bis großes Schaf und ist die älteste unter den Tiroler Schafrassen. Die Widder haben schön geschwungene Hörner, mit denen sie nicht nur in den regional beliebten Widderkämpfen aufeinander losgehen, und die Schafe haben einen ausgeprägten Mutterinstinkt.  Die Lämmer werden schwarz geboren und erhalten bis zum zweiten Lebensjahr ihre graue Wolle, wobei Kopf und Beine schwarz bleiben. Aus der silbergrauen Wolle des Steinschafs wird der Lodenstoff für den Tuxer Janker hergestellt, der sich dadurch auszeichnet, dass die Farbe nicht ausbleicht. Das Steinschaf stammt vom heute ausgestorbenen Zaupelschaf ab. Noch bis ins 19. Jahrhundert hielten fast alle Bauern in den Bergtälern Tirols kleine Steinschafherden zur Selbstversorgung. Durch die Zuchtpolitik während der NS-Zeit wurden Bergamaskerschafe aus Norditalien mit den Steinschafen gekreuzt, aus denen das heutige Bergschaf hervor ging. Das führte dazu, dass die Rasse nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend verdrängt worden war. Seit Mitte der 1960er Jahre setzt sich der Tiroler Schafzuchtverband für die Erhaltung dieser alten Rasse ein.

Eine junge Rasse mit uralter Tradition

An dieser Stelle kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Was man heute gemeinhin unter einem „Tiroler Bergschaf“ versteht, ist eine Rasse, die seit den 1930er Jahren durch Einkreuzen von Bergamaskerschafen (siehe oben) entstand. Gemäß den Zuchtrichtlinien sollen diese weiß sein. Doch Bergschafe gibt es in Tirol schon immer und unter ihnen nicht nur weiße, sondern auch braune und schwarze. Die „fehlfarbenen“ Schafe waren für braune und schwarze Naturwolle gefragt. Doch mit der Einengung durch moderne Zuchtrichtlinien waren Tiroler Braune Bergschafe in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vom Aussterben bedroht und gelten bis heute als hochgefährdet. Seit 1977 wurden sie unter der Bezeichnung „Braunes Bergschaf“ als eigene Rasse anerkannt und systematisch zur Erhaltung gezüchtet. Diese Schafrasse ist mittelgroß und hat keine Hörner. Sie ist sehr trittsicher und gut an raues Hochgebirgsklima angepasst.

Dieses Schaf geht nicht unter

Die Moorschnucke, die hochoffiziell „Weiße hornlose Heidschnucke“ heißt, ist eine kleine Schafrasse, die sich im Laufe der Jahrhunderte optimal an die Moore Niedersachsens angepasst hat. Sie kommt mit kargem Futter aus und kann noch dort weiden, wo Menschen im Moor bereits versinken! Außerdem sind die Tiere überaus behände und können sich so selbst aus Moorlöchern befreien. Tagsüber wurden sie früher im Moor gehalten und nachts in Stallungen, wo man ihren Kot aufsammelte, der den Bauern als ergiebiger Dünger diente. Nach 1960 starb die Rasse um ein Haar aus. Erst als die Heidelandschaften unter Naturschutz gestellt wurden, gab es auch wieder einen Bedarf an diesen leichten Tieren. Andere Schafe sind für die Moorbeweidung einfach nicht geeignet. Eine Besonderheit noch: Das Fell der Moorschnucken ist ganz weiß und ihren Lebensumständen entsprechend ziemlich grob. Das gibt prima Hausschuhe in naturweiß!

Ist doch ganz schön, dass man durch den Kauf von ein Paar Filzschlappen etwas zum Artenschutz beitragen kann. – Doch ich habe jetzt die Qual der Wahl…