Der richtige Weg aus der Krise?

Wege aus der Wirtschaftskrise

In welche Richtung geht die Fahrt, bergauf oder bergab? Mal ganz ehrlich, wenn man die Zeitungen liest und Nachrichten hört, wird uns der nächste Aufschwung bereits angekündigt. Aber so richtig glauben kann man das eigentlich nicht.

Klar ist: Banken und hochbezahlte Manager gehen nicht als „Verlierer“ aus der Wirtschafts- und Finanzkrise hervor. Für die Fehler, die gemacht wurden, wird der Steuerzahler zur Rechenschaft herangezogen. Und viele Menschen haben bereits oder werden noch ihren Arbeitsplatz verlieren. „Sei’s drum“, werden viele sagen, wenn unsere Wirtschaft wieder bessere Geschäfte macht. Wenn Auftragseingänge anziehen und Arbeitsplätze wieder sicherer werden, ist das natürlich positiv zu bewerten. Was interessiert mich also die Krise von gestern?!

Stimmt natürlich, aber was haben wir eigentlich aus den Fehlern gelernt, die gemacht wurden? Was ist eigentlich mit den vielen Beiträgen während und unmittelbar nach der Krise, die sich mit einer grundlegenden Veränderung unseres Wirtschaftssystems beschäftigt haben?

Hier nur ein kleiner Auszug von Wortmeldungen, die mir aufgefallen sind:

  • In seiner letzten Grundsatzrede vor der Bundespräsidentenwahl spricht Bundespräsident Horst Köhler von einer „ökologischen Revolution“, die erforderlich sei. Wie diese genau aussehen soll, bleibt offen.
  • Cem Özdemir und seine Partei Bündnis 90/Die Grünen setzen gegen die Krise auf einen Aufbruch in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik. Wie das genau funktionieren soll, bleibt ebenfalls offen.
  • Papst Benedikt XVI. erklärt, dass zur Bewältigung der Wirtschaftskrise gemeinsame Maßnahmen erforderlich seien, die vom Geist der Solidarität getragen werden sollen. Er fordert angesichts der aktuellen Krise Änderungen der Wirtschafts- und Finanzordnung.

Zahlreiche weitere Persönlichkeiten haben sich zu Wort gemeldet und über die Lehren aus der Krise gesprochen. Aber konkrete Punkte und Details werden in den wenigsten Fällen genannt.

Alle Handlungen und Maßnahmen der Politik und der Wirtschaft sind zur Zeit darauf ausgerichtet, die Auswirkungen der aktuelle Krise zu bekämpfen, die Ursachen jedoch nicht. Beispiele hierfür sind die Rettungsaktionen für angeschlagene Banken, Bad Bank-Modelle, Abwrackprämien, Verlängerung des Kurzarbeitgeldes, Investitionen in öffentliche Einrichtungen, Finanzierungskonzepte für namhafte angeschlagene Unternehmen etc.

All das ist gut gemeint, beantwortet aber nicht die Frage, wie künftig Kunden, Unternehmen und Banken miteinander umgehen sollten. Sollte nicht der Anfang damit gemacht werden, miteinander offen, ehrlich und konstruktiv umzugehen?

Ein möglicher Schritt könnte sein, dass sich Unternehmen auf ihre alten Werte und ihre Tradition besinnen. Nicht Wachstum um jeden Preis und weiter weg von der alten Marke, sondern Konzentration auf das, was ein Unternehmen erfolgreich gemacht hat.

Ein gutes Beispiel ist für mich die Firma Kneipp. 2005 ging es dem Unternehmen schlecht. Die Sympathiewerte waren im Keller, der wirtschaftliche Erfolg blieb aus. Ursache hierfür war eine vom Management verordnete Verjüngungskur und das Ziel, auf dem boomenden Wellnessmarkt kräftig mitzumischen. Die Kunden sahen das aber anders. Aufgepeppte Badezusätze und Wohlfühl-Duschgels fanden nicht den erwarteten Absatz und wurden zu Ladenhütern. Die treuen Kneipp-Kunden erkannten ihre Marke nicht wieder.

Doch man besann sich auf Bewährtes. Von Wellness wurde nicht mehr gesprochen. Die Marke wurde neu auf die ursprüngliche Kernzielgruppe 50+ ausgerichtet. Und es wirkt, seit 2006 schreibt Kneipp wieder schwarze Zahlen. Für mich ist dies ein gutes Beispiel dafür, dass Kunden einem Unternehmen auch Fehler verzeihen – wenn das Unternehmen rechtzeitig, ehrlich und konstruktiv auf die Kundenentscheidungen reagiert.

In Politik und in den meisten Unternehmen ist aber diese Erkenntnis noch nicht angekommen. Hier wird weiter auf unabdingbares Wachstum und auf neue Trends gesetzt. Egal, ob es Kunden oder Wähler verprellt.

Eine Änderung ist hier kurzfristig auch nicht zu erwarten. Da bleibt uns nur übrig, dass jeder selber permanent überprüft, ob er mit seinen Kunden, Lieferanten, Banken, Kollegen und Mitarbeitern offen, ehrlich und konstruktiv umgeht. Nur wer diese Eigenschaften vorlebt, kann sie auch bei anderen einklagen und den Weg aus der Krise finden.

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Kommentare
  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Vielen Dank, Herr Niemann, für Ihre offenen Worte. Nicht, dass noch niemand aufbegehrt, nicht, dass sich Unzufriedenheit und Resignation ob der sich erhaltenden Missstände breitmacht, nicht, dass ich manchmal einfach nicht mehr weiß, wie ich es meinen kids zuhause erklären soll. Es tut gut, es ausgesprochen zu hören, ja ich kann förmlich hören, wie Sie mit der Faust auf den Tisch hauen. ich könnte dasselbe tun. Fast täglich beim Lesen der Zeitungen! Und doch: es ändert sich nichts.

    Die Wahl im September wird ein Barometer sein, wie groß die Politikverdrossenheit gehen wird. Wie wenige sich noch zum Kreuzchen-machen hinreißen lassen werden. Denn was entscheiden wir denn? Das Verbleiben und Verharren in den alten Bahnen, das Sich-selbst-am-Leben-erhalten (siehe Abwrackprämie und Co.) Es ist wie eine Sucht nach Bestätigung durch die Wählerschaft.

    Eine Partei, die uns Vollbeschäftigung versprechen will, führt sich selbst ad absurdum. Wenn es dann auch noch darum geht, ob der wieder jugendlich gewordene, sicher von PR-Managern zum „Streichen-Sie-sich-immer-mal-wieder-lässig-durch-die weißen-haare-das kommt-an“ beratene Vorgeschickte sich gut in Szene setzt, frage ich mich wirklich, wann das Ende dieses überholten Systems gekommen ist.

    Die LOHAS leben es uns allen vor. Mit dem Geldbeutel verantworten wir und lenken wir. Das durfte dann auch Fa. Kneipp erleben. Gut so!
    Nachfrage steuert immer noch das Angebot. Aber solange zB. eine Abwrackprämie die Gier nährt, wird sich wohl nicht viel ändern. Oder?!

    Antworten
  • Jörg Niemann ,

    Hallo Frau Reichardt,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja das mit unseren politischen Vorbildern ist schon schlimm. Habe gestern Abend die Nachrichten gesehen.
    1)Frau Merkel und Herr Ackermann
    2) Frau Schmidt und Ihr Fahrzeug
    3) Herr Gutenberg und die Berater

    Ziemlich traurig finde ich, dass das Thema Gorleben und Lagerung von Giftmüll bei den oben genannten Nachrichten untergeht. Hier spielt sich aus meiner Sicht der eigentliche Skandal in diesen Sommerwochen ab!
    Also halten wir weiter Ausschau nach den Vorbildern in politik und Wirtschaft, die für eine ehrliche Veränderung stehen.

    Antworten
  • Christian (hessnatur) ,

    Hallo Herr Niemann,
    gute Erfahrungen mache ich immer wieder mit dem TV Sender „Euronews“. Dieser Nachrichtenkanal schaut Europaweit was passiert und hält sich nicht an den Boulevard Themen fest. Aber genug der Schleichwerbung …

    Antworten
  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Sagen Sie bitte unbedingt bescheid, wenn sie eines finden!

    Antworten

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