Ich bin überzeugt davon, dass wir im 21. Jahrhundert die Lieblingsdenkschema des 20. Jahrhunderts, nämlich das Denken in ideologischen Lagern mit akkuraten Gräben, die die Lager voneinander abgrenzen, schleunigst überwinden müssen. Warum? Weil sie uns daran hindern, so denken zu können, dass wir für komplexe globale Probleme Lösungen finden können. Ideologisches Denken lässt häufig nur eine einseitige Betrachtung wichtiger Begriffe und Sachverhalte zu, die unbedingt auch von einer anderen Perspektive aus betrachtet werden müssen, um in ihrer Gänze erfasst werden zu können.

Zum Beispiel Fast Food. In Teil 1 unserer kleinen Blogserie zu Ernährung habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass der Starkoch Jamie Oliver zur Seite der Slow Food Bewegung gezählt werden muss, auch wenn er in einem unerhörtem Tempo kocht – und seine Rezepte oft so einfach sind, dass man nicht mehr als eine Viertelstunde braucht, um sie nach zu kochen. Dagegen ist ein Hamburger, der US-amerikanische Inbegriff des Fast Food, weil der Konsument nur mit seinem Auto vorzufahren braucht und innerhalb weniger Minuten im Geschäft einen bekommt. Er braucht nicht mehr einzukaufen, Zutaten vorzubereiten und zu kochen, einfach nur Geld hinlegen und essen, einem langwierigen Entstehungprozess unterworfen, den wir mal kurz genauer anschauen wollen:
Zunächst wird im Amazonas hektarweise Regenwald abgeholzt, um Rinderherden weiden zu lassen. Diese werden mindestens 21 Monate lang gefüttert, wahrscheinlich mit Gensoja, vollversorgt mit Antibiotika und ähnlichem, um dann geschlachtet zu werden. Dann wird das Fleisch gekühlt gelagert, zu Hamburger-Buletten verarbeitet, tiefgekühlt und dann in das Hamburger-Geschäft geliefert, wo sie gegrillt und im Brötchen serviert werden. Und das ist jetzt nur einmal über den Daumen gepeilt so – und gilt nur für das Fleisch. Dabei müssen die Brötchen, der Ketchup und der Käse, der häufig so eine Mahlzeit krönt, auch erzeugt werden.

Ein Hamburger = 4,35 Kilogramm CO2

Der amerikanische Zukunftsforscher Jamais Cascio hat in seinem Blog „Open The Future“ den Kohlendioxid-Fußabdruck eines ordinären Cheeseburgers in den USA errechnet. Das niederschmetternde Fazit: Um einen Cheesburger zu erzeugen, nimmt man die Emission von 4,35 Kilogramm Kohlendioxid in Kauf! Da große Hamburger-Schnellrestaurants überall in der Welt die gleichen Hamburger anbieten, lässt sich diese Zahl oder zumindest eine ganz ähnliche Zahl auch für einen Cheeseburger in Europa veranschlagen.

Cascio berechnet, dass wenn man davon ausgeht, dass etwa 300 Millionen US-Bürger im Jahr je 150 Cheeseburger essen (drei pro Woche), dann bedeutet das eine Kohlendioxiderzeugung von 195 750 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Selbst wenn man die optimistischere Zahl von einem Cheeseburger in der Woche zugrunde legt, kommt man noch auf 65,250,000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Das entspricht in etwa dem jährlichen Kohlendioxidausstoß von 6,5 bis 19,5 Millionen SUVs, das sind die allseits beliebten, aber grauenhaft umweltunfreundlichen Geländelimousinen.

Diese Zahlen sind alarmierend. Sie zeigen, dass Fast Food sich in Wahrheit als langsameres Essen herausstellt als Slow Food. Auf jeden Fall ist Slow Food nachhaltiger, für die Umwelt, für die Gesundheit des Einzelnen und für die Menschheit als Ganzes. Ob Slow Food oder Fast Food, die Nahrungsmittelindustrie erzeugt weltweit nicht nur Hunger, sondern beutet Ackerböden aus, was zum Sinken ihrer Ertragfähigkeit führt. Sie zieht die Umwelt und die Menschen in Mitleidenschaft und vermochte nicht zur Einhaltung des Millenniumziels zur Halbierung des Hungers auf der Welt bis zum Jahr 2015 wirkungsvoll beizutragen. Hans Rudolf Herren vom UN-Agrarrat IAASTD sagt entsprechend: „Ob Bio die Welt ernähren kann, ist nicht die Frage.“