Im Oktober bin ich aus Ghana und Burkina Faso in Westafrika zurückgekehrt. „The real Africa“, wie ich dort einstimmig und stolz immer wieder betont bekomme. Eigentlich bin ich zum Urlaub machen dort gewesen. Von Accra in Ghana aus ging es mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Westen (an den Strand und ehemalige Sklavenburgen) und über Kumasi (hier ist Westafrikas größter Markt) nach Norden in Richung Burkina Faso.

Die Gelegenheit hat sich ergeben, dass ich die Bauern und Baumwollfelder kennenlernen kann, auf denen jedes Jahr für hessnatur die Fair Trade- und Bio-Baumwolle wächst. Ausschlafen im Urlaub? An diesem einen Tag mal nicht. Bereits um 7 Uhr morgens geht es los Richtung Baumwollfelder. Morgens ist die Luft noch angenehm frisch. Im Laufe des Tages scheint die Sonne gnadenlos und die 40°C-Marke ist schnell erreicht. Die Fahrt ist kurz, schließlich haben wir bereits in Fada N’Gourma im Osten von Burkina Faso übernachtet.

In Sekunden bin ich völlig verloren. Der Fahrer biegt an Stellen ab, die ich erst im zweiten Moment als Straße deute. Querbeet, links und rechts um die Felder herum. Dann sind wir in einem Dorf. Einem Dorf, das von der Baumwollernte lebt und komplett auf den Anbau von Bio-Baumwolle umgestellt hat. Gemeinsam mit dem Bauern Pierre und seiner Familie gehen wir auf die Felder. Neben der Baumwolle werden zum Beispiel auch Hirse und Bohnen angepflanzt. Und dann endlich bin ich auf einem der heiß ersehnten Baumwollfelder. Gemeinsam mit der afrikanischen Familie mache ich mich an die Ernte der Baumwolle.

Schnell wird klar – ich pflücke anders. Viele der Frauen haben noch kleine Kinder auf den Rücken gebunden. Ich schwitze bereits ohne. Die Familie steht aufrecht und beugt sich zum Pflücken nur mit dem Oberkörper nach vorne. Ich knie zwischen den Pflanzen und krabbele wie ein Käfer durch das Feld. Jede Baumwoll-Pflanze hat vier bis fünf Kapseln. Fein säuberlich mit den Fingern lese ich die Rohbaumwolle auf. In den einzelnen Kapseln befindet sich noch Samen. Dieser wird später entweder für die Ernte im nächsten Jahr ausgelesen oder zu Baumwollöl gepresst.

Das Baumwollfeld ist umrundet mit schönen gelb blühenden Blumen. Ästhetik im Anbau? „Jain“. Die Blüten haben neben ihrem schönen Aussehen einen ganz praktischen Nutzen. Sie sondern einen Duftstoff ab und locken für die Baumwolle unerwünschte Schädlinge an. Effiziente und umweltfreundliche Lösung und dann auch noch hübsch. Wir stärken uns mit einer Frucht des Karité-Baumes. Lecker. Und: Durch den Anbau von Bio-Baumwolle um den Baum herum brauche ich mir über mögliche Pestizide, Gifte oder Schadstoffe auch keine Sorgen machen.

Mein Tag geht zu Ende. Ich bin glücklich. Das nächste T-Shirt bei hessnatur aus dieser Baumwolle habe ich mitgepflückt. Bis dieses im Angebot ist, dauert es noch ca. ein Jahr – ich freue mich jetzt schon mal darauf. Gleichzeitig bin ich fix und fertig. Geschwitzt und alles tut weh. Solch eine körperliche Arbeit in brütender Hitze bin ich echt nicht gewöhnt. Mein Respekt und Dank geht an alle, die zu dieser Jahreszeit jeden Tag Baumwolle ernten. Jeden Tag in der Hitze für uns stehen und diese wunderbare Faser ernten. Nur gut zu wissen, dass diese Menschen neben der Bio-Prämie auch noch eine Fair Trade-Prämie bekommen. Die haben sie meiner Meinung nach eindeutig verdient.