Nachdem ich vergangenes Jahr ein längeres Praktikum im Bereich „Marketing und Vertrieb“ bei hessnatur machen durfte, freue ich mich für die Zeit meiner Semesterferien wieder zurück in Butzbach zu sein. Damals hatte ich unter anderem die Aufgabe, das Projekt „hessnatur Botschafter in Peru“ zu betreuen; heute darf ich den Bereich „PR und Social Media“ tatkräftig unterstützen.

Nach meinem Praktikum bei hessnatur habe ich mein Studium zur „Textilbetriebswirtin BTE“ an der LDT Nagold – Fachakademie für Textil und Schuhe – begonnen. Dort ergab sich für mich die Möglichkeit, an einem Studienaustausch mit der Modeakademie „Pearl Academy of Fashion“ (PAF) in Neu Delhi/ Indien teilzunehmen – im Frühjahr durfte ich für vier Wochen mit rund 60 Studenten durchs Indien reisen, voller Aufregung und Erwartungen an das unbekannte Land und die unbekannte Kultur. In meinem Blogbeitrag möchte ich Euch gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Die Kultur

Natürlich hatte ich durch einige Filme und Berichte Vorstellungen von Indien; wenn man jedoch einige Eindrücke selbst sieht und miterlebt, ist das wiederum etwas völlig anderes. Indien ist eine andere Welt, mit einer völlig anderen, aber sehr interessanten Kultur.

Religion spielt beispielsweise eine weitaus größere Rolle als hier in Deutschland, Frauen haben eine andere Stellung in der Gesellschaft. Auch das Kastensystem ist ein Phänomen, welches mich während meines Alltags in Indien begleitet hat- man wird ständig mit diesen kulturellen Unterschieden konfrontiert. An die indische Küche musste ich mich ebenfalls gewöhnen: nicht selten musste ich mich von verpackten Keksen und Cola ernähren, weil ich mich (zu Anfang jedenfalls) nicht an die indischen Straßenstände und die indischen Gewürze herangetraut habe. Doch nach einiger Zeit hatte selbst ich Gefallen an Spezialitäten wie dem indischen Brot „Naan“ oder der Gewürzmischung „Masala“, welche man an jeder Straßenecke in allen Variationen finden konnte.

Ein weiterer kultureller Unterschied ist die Masse der Menschen, welche einem Tag und Nacht auf den indischen Straßen begegnen. Ich habe noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen wie in den indischen U-Bahn- Stationen oder beispielsweise in Old Delhi. Abgesehen davon, dass man als weiße, blonde Frau ununterbrochen von mehreren Indern begleitet wird, lernt man aber mit diesen Gegebenheiten umzugehen.

So auch mit den indischen Verkehrsmitteln. Neben der U-Bahn in Neu Delhi, welche sehr sauber und modern ist, gehören die so genannten Rikschas zu den täglichen Transportmitteln, auf die wir zurückgreifen mussten. Hürde Nummer eins war es, dem indischen Fahrer des kleinen Transportmittels klarzumachen, wo man genau hinmöchte. Nicht selten wurden meine Kommilitonen und ich im Nirgendwo abgesetzt, ohne zu wissen, wo wir uns momentan befinden, geschweige denn wie wir an unser ursprüngliches Ziel gelangen sollen. Die indischen Verkehrsregeln, welche quasi nicht existieren, waren mir gleichermaßen neu. Um ein Beispiel zu nennen: Kollisionen zwischen Rickschas und voll besetzten Personenbussen gehören zum Alltag, ich spreche da aus Erfahrung.

Die Schule

Der Unterricht an der PAF fand auf Englisch (mit sympathischem indischen Akzent!) statt. Der Unterricht war interessant. Wenn er stattfand, und das tat er nicht immer, da die indischen Dozenten nicht sehr zuverlässig sind, wurden wir hauptsächlich über die indische Kultur und textile Produktionsprozesse unterrichtet. Diese waren uns nicht immer neu, gut war jedoch dass sich in dieser Zeit das englische Vokabular in der textilen Fachsprache um einiges erweitert hat.

Neben dem Unterricht gehörten Ausflüge zum Programm; besucht wurden unter anderem indische Einkaufszentren (welche sich nicht sonderlich von unseren westlichen unterscheiden), Straßenmärkte in Old Delhi, der Dilli Haat, aber auch Fabriken und Produktionsstätten im Umland Neu Delhis. Einausschließlich mit Luxusmarken ausgestattete Einkaufszentrum bot uns das totale Kontrastprogramm zu dem Bild, welches uns Indien bis zu diesem Zeitpunkt zeigte. Ein vergleichbares Objekt gibt es nicht einmal in Deutschland.

Das komplette Gegenteil zu den indischen Einkaufszentren war auf den Straßenmärkten und ganz besonders in Old Delhi zu finden: Händler versuchten uns (für indische Verhältnisse) überteuerte Ware anzudrehen, es wurde gehandelt und die Vielfalt an Stoffen und Farben waren atemberaubend. Ich fand es spannend zu sehen, wo Einkäufer des internationalen textilen Marktes ihre Accessoires, Zutaten und Stoffe für zukünftige Kollektionen einkaufen.

Morgen werde ich mehr zu den Textilproduktionsstätten berichten, die wir gesehen haben.