"choose life" oder was ist der letzte SCHREI?

Wenn man einen fremdsprachigen Markt erobern möchte, sollte man auch die Sprache sprechen sowie die Gepflogenheiten kennen. Aus diesem Grund ist der Englisch-Unterricht in unserem Unternehmen zum freitäglichen Ritual geworden 🙂 Damit wir auch inhaltlich nah dran sind, hat sich Thomas – unser Englisch-Lehrer – überlegt, einen Artikel über Katharine Hamnett zu bearbeiten.

Katherine Hamnett steht, wie fast kein weitere/r DesignerIn, für das Thema „ethical fashion“ und wurde in den 80ern bekannt, wo Sie u.a. in Bezug auf die US nuklear Missiles, mit einem T-Shirt und dem Slogan „58 percent don´t want pershing“ 1984 zu einem Treffen mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher erschien. Aktuell wird Sie weiter mit T-Shirts in Übergröße und den Slogans „Choos Life“ oder auch „Use a Condom“ in Verbindung gebracht.

Wo sich bei mir hier wieder die Frage stellt „Wie provokant (oder auch laut) sollte man sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen?“. Manchmal habe ich nämlich schon das Gefühl, dass wir hier bei hessnatur viel zu zurückhaltend sind und wie man so schön sagt, das Licht unter den Scheffel stellen. Oder  liegt es einfach daran, dass wir uns eher der Aufklärung verschrieben haben und uns mit der Provokation für die gute Sache schwer tun?  Letztes Jahr hatten wir einen ersten Versuch gewagt und ein T-Shirt entwickelt, welches „provokant“ die Aussage trägt – 7qm natürliche Erde (bezogen auf die Ackerfläche, welche ein T-Shirt von hessnatur rettet), was aus meiner Sicht nicht gerade den Riesen-Hype ausgelöst hat 🙂

Weiter lobt Hamnet aber auch die schneller wachsende „consumer power“ und dessen Einfluss, welche sich im Bereich der nachhaltigen Mode immer stärker entwickelt. Aus ihrer Sicht wird ein schlafender Riese geweckt. OK, aktuell gibt es jede Menge Unternehmen, welche auf den Zug aufspringen, doch nur das Angebot von Bio-Baumwolle ohne die Berücksichtigung von sozialen Aspekten ist doch eher suboptimal. Daher befindet sich der Riese für mich doch eher noch im Halbschlaf und sollte schleunigst wach gerüttelt werden! Müssen wir provokanter (lauter) sein?

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Kommentare
  • Tanja Calce ,

    Auf dem Flohmarkt hab ich mir mal eine alte Ledertasche für einen Euro gekauft.Einmal traf ich beim einkaufen auf eine Frau,die einen geradezu obszönen Pelzmantel trug..und dazu noch ihren kleinen Hund auf dem Arm hielt.Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen,eine wütende Bemerkung über ihr Kleidungstück zu machen..Die Bemerkung bezog auch ihren Hund mit ein…und sie hätte eigentlich genau dort treffen können,wo es weh tut..1000 mal renne ich also mit meinem alten Stoffbeutel durch die Stadt..aber an diesem Tag war es die Flohmarkt-Ledertasche,in der ich meinen Kram mit mir herumtrug…und die bot natürlich sofort Angriffsfläche für ihren Konter.Ich finde es toll,meine Meinung auf T-Shirts durch die Welt zu tragen…dabei brauche ich aber nicht zu provozieren.Euer neues „The world in your Hand“-Shirt ist genau richtig…Man kann darüber diskutieren,was es bedeutet…und sich für seine eigene Meinung gerade machen. „Mein Shirt ist -ökologisch korrekt-…und Deines nicht“…das kratzt natürlich am Ego…und aktiviert den Verteidigungsmechanismus.Wut passt da nicht hin…Hätte mir das heute jemand unter die Nase gehalten,hätte ich gesagt:“Ja-…mein Shirt ist H&M..aber meine Schuhe,meine Hose und meine Jacke sind „Hessnatur“…pffft!…Mit tollen Ideen angeben ja!Mein Gegenüber be-/verurteilen…NÖ!

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  • Irma ,

    In Deutschland gibt es ja einen etablierten Markt für Bio-Mode. Einige Versandhäuser, z. B. auch maas natur oder Waschbär, bieten gute, vorhersehbare Mode an.
    Hessnatur begann in letzter Zeit, eben „das Licht nicht mehr unter den Scheffel zu stellen“ und Neues zu wagen.
    Wieviel hat Kleidung für „normale KäuferInnen“ mit Politik oder Provokation zu tun?
    Der Werdegang von Katharine Hamnett ist sehr interessant; vom Einkleiden der Stars über Projekte wie STOP THE WAR zu in Großstädten im Laden zu findenden „protest T-shirts“.
    Ich finde, hessnatur muss einen großen Spagat schaffen. Ob sich das Angebot von hessnatur irgendwann in zwei verschiedene Teile aufteilen wird?
    Einmal in das „bewährte“ Angebot für Familien oder Frauen, die regelmäßig Vieles kaufen (können), wie Bettwäsche, Blusen, Anzüge, Handtücher etc., also aus einem umfassenden Textil-Programm.
    Und einmal in Produkte für Käufer der jungen Generation, die eigentlich auch im Laden sich mal eine Jeans oder ein T-Shirt der Marken kuyichi, misericordia, armedangels oder auch katharine E hamnett kaufen und die man darauf aufmerksam machen kann, dass sie sich ähnlich tolle Textilien auch bei hessnatur bestellen können.
    Außer dem unterschiedlichen Bedarf der verschiedenen Altersgruppen geht es um die Frage, ob die Kleidung aus z.B. Bio-Baumwolle hergestellt ist oder ob es mir als Käuferin wirklich wichtig ist, dass sie auch ethisch hergestellt wurde und ob ich auch dafür bereit bin, etwas mehr zu bezahlen.
    Mir gefällt Ihr Stil sehr gut:
    in Ihrem Katalog und in Ihrem Internet-Shop überwiegt immer der Eindruck, dass man sich durch das Tragen der Kleidung selbst einen Gefallen tut und quasi noch die Zugabe bekommt, dass die Mode ethisch und ökologisch korrekt ist!

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  • Gernot Mickel (hessnatur) ,

    Hi! Vielen Dank für das ausführliche Feedback!!

    @Tanja: Ich gebe Dir vollkommen Recht, dass man mit Kreativität, Frische und Wortwitz seine Meinung wahrscheinlich besser an den Mann bringen kann, wie mit aggressiver Provokation. Was allerdings erstaunlich war ist, dass wir mit dem Shirt auch zur Diskussion angeregt haben… einige Mitarbeiter von uns trugen das Shirt beim Chase Corporate Challenge in Frankfurt und es war enorm, welche Resonanz wir darauf erhielten 🙂 Doch ein guter Hinweis! Demnächst werden wir das Ego stärken und nicht krazen!

    @Irma: Schön zu hören, dass unser Stil positiv angenommen wird. Ja, und genau dieser Spagat, ob unsere ehtisch sowie ökologisch korrekte Mode sich in 2 Lager spaltet beschäftigt uns tatsächlich jeden Tag. Aktuell kann ich die Entwicklung noch nicht genau voraussagen, doch wir arbeiten daran und ich bin mir sicher, dass wir uns auch in Zukunft bemühen werden, unterschiedliche Bedürfnisse anzunehmen und uns weiterzuentwickeln.

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  • Yvonne ,

    Wahrnehmung
    Mein erster Gedanke beim Lesen des Beitrags war: lauter ja, provokant nein.
    Das sich hessnatur der Aufklärung verschrieben hat, nehme ich sehr positiv wahr. Es passt zur Philosophie des Unternehmens. Aus einem anderen Beitrag von mir: „Das Leitbild und die Informationen über das Unternehmen sind treffend auf den Punkt gebracht, bleiben nicht an der Oberfläche sondern berühren. Das Blog gewährt einen Einblick hinter die Kulissen, bietet Hintergrundinformationen und unterstreicht perfekt „design for life“!“ Fakten, die ebenso verständlich wie vertrauenswürdig erscheinen. Provokationen würde ich unpassend finden.
    Etwas lauter wurde es ja schon mittels verschiedener Möglichkeiten. Das neue Logo und Claim, Bloggen und Social Networks (Internetpräsenz). Sowie das T-Shirt (mit der Aussage 7 qm giftfreie Erde oder “The world in your hand“), selbst wenn es nicht den Riesen-Hype auslöst, aber es weckt Bewusstsein und Aufmerksamkeit.
    Allerdings ist gerade mehr über „Greenstyle“ bzw. „Ethical Fashion Brands“ – vorrangig junge Labels die ökologisches Bewusstsein und ethische Standards in Mode bringen durch stylisches Design, feminine Schnitte, starke Farben, schrille Prints – zu lesen. In den Beiträgen vermisse ich hessnatur. Da kann bzw. sollte hessnatur aus meiner Sicht „lauter“ sein.

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