Blutjeans, nein Danke!

Ich war echt geschockt, als ich heute diesen Artikel „Der bleiche Tod“ gelesen habe, in dem beschrieben wird, wie junge Männer in Istanbul zwischen 20 und 25 Jahren Jeans mit Sandstrahlern bearbeiten, um den uns bekannten „Wash-out-Effect“ herzustellen. Diese Arbeit führt zu irreparablen Schäden der Lunge, welche bereits nach wenigen Monaten zum Tode führen können!

Es passieren viele schlimme Dinge mit Mensch, Tier und Umwelt, von denen in den Medien berichtet wird. Jeder Mensch mag davon unterschiedlich betroffen sein. Für mich war es bei diesem Artikel so, dass er mich wirklich berührt hat. Ich trage aktuell auch eine Jeans und vielleicht macht das auch die Nähe zum Thema aus. Letzten Samstag habe ich bei hessnatur diese Hose gekauft, die ich in diesem Moment trage. Da habe ich natürlich sofort nachgefragt, ob Jeans von hessnatur mit Sandstrahlern behandelt werden. Zur Info: Ich arbeite erst 6 Monate bei hessnatur, daher verzeiht, wenn ich so etwas frage, aber es brannte mir natürlich unter den Nägeln.

Nach Aussage von unserem Spezialisten Herrn Heimann sind meine Jeans nicht mit Sandstrahlern behandelt sondern mit Enzymen gewaschen. Das ergibt einen ersten Wash-out-Effect und ist für Mensch und Umwelt unbedenklich. Für eine stärkere Used-Optik werden die Hosen anschließend in einer speziellen Waschmaschine mit Bimssteinen durchgespühlt, daher der Begriff „stone washed“.

Jeans, die mit Sandstrahlern behandelt wurden, sind spätestens nach diesem kleinen Exkurs für mich ein definitives No-GO.

Dabei habe ich auch noch weitere spannende Infos von Herrn Heimann bezüglich der hohen Kunst der Herstellung „unbedenklicher Jeans“ erfahren.

Wenn Interesse besteht, kann ich gerne Fragen von Euch an ihn weiterleiten oder auch ein Interview machen, in dem wir das Thema weiter vertiefen. Was meint Ihr?

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Kommentare
  • Ruth Salomo ( hessnatur ) ,

    Hallo Darius ,
    Ich habe einen Fernsehbericht darüber gesehen wie Jeans in Istanbul hergestellt werden , ich
    war über den Bericht sehr geschockt . da wird mir dann wieder bewusst , wie froh ich bin bei Hess zu arbeiten .

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  • PDS ,

    Hallo Darius,
    das Thema ist sehr ‚interessant‘ und muss unbedingt weiter an die Öffentlichkeit gebracht werden. Wer sich samstags beim Bummeln in der Stadt eine Hose kauft, denkt nicht darüber nach, ob vielleicht bei der Produktion jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist oder ob irgendwo in Asien Gift in einen Fluss gekippt wurde. Sowas muss den Käufern bewusst gemacht werden.

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  • Nicole ,

    Hallo Darius,

    danke für Deinen Beitrag. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mehr über die Jeans von Hess herausfinden könntest. Mich hat der Artikel auch sehr geschockt, obwohl ich keine konventionellen Jeans mehr im Schrank habe. Da verzichte ich doch lieber auf meine geliebten Jeans mit Knöpfen und weiß zumindest, dass kein Mensch den Stoff mit Sandstrahlern bearbeiten mußte.

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  • Martina ,

    Leider habe ich den Artikel nicht gesehen … Aber, sind es nicht eher die Arbeitsbegingungen, die unakzeptabel sind? Eine Hose mit Sandstarhl zu bearbeiten ist an sich doch nicht umweltschädlich.
    Bei konsequent ökologischer Ausrichtung frage ich nach, warum der „used-look“ überhaupt sein muss. Da werden Kleidungsstücke vor dem erstenTragen bereits abgenutzt. Dieses verkürzt die Lebensdauer und ist damit unökologisch. Warum färbt man Stoffe erst intensiv, um sie dann mit Enzymen oder manuell wieder zu enfärben.

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  • Darius P. Pallus (hessnatur) ,

    Hallo Martina,

    den Artikel findest du, wenn du im Text die grün unterstrichenen Worte “Der bleiche Tod” anklickst. Dann öffnet sich ein neues Fenster mit den Text.
    Vollkommen richtig, dass die Arbeitsbedingungen unakzeptabel sind und dieses wird auch in diesem Text sehr deutlich.

    Zu: „Bei konsequent ökologischer Ausrichtung frage ich nach, warum der “used-look” überhaupt sein muss.

    Da bin ich der Meinung, dass als Konsument mit Gewissen, ich auf modische Kleidung nicht verzichten möchte und dazu gehört auch eine Jeans mit vielleicht „verkürzter“ Lebenszeit. Dennoch habe ich bei meinem Jeans das gute Gewissen, dass über die gesamte Textilen-Kette – also für mich konsequent ökologisch – nachhaltig produziert worden ist. Das ist ein gesunder Kompromiß.

    VG
    Darius

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  • Astrid ,

    Hallo Darius,

    ich mag auch Jeans im used-look, finde aber, dass der künstlich erzeugte meistens auch so aussieht. Ich habe mich deshalb vor fünf Jahren für eine „stinknormale“ Bluejeans entschieden und habe jetzt (seit ca. 3Jahren) eine tolle Jeans mit „echtem“ used-look die mit der Zeit immer schöner wird, bis sie irgendwann ausgeused hat. Dann bekommt die nächste Jeans ihre Chance, sich ihren used-look zu erarbeiten.

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  • Nicole ,

    Hallo Darius,

    Du hast weitere Recherchen angeboten. Prima, danke. Ich würde mich freuen, wenn Du die Herstellung noch genauer beschreibst.

    Ich würde gerne wissen, ob eine dunklere Jeansfarbe wie ’nachtblau‘ umweltfreundlicher ist als eine helle Jeansfarbe wie ‚jeansblau‘ – oder umgekehrt. Oder sind es einfach nur zwei unterschiedliche Farbtöne, die auf die gleiche Weise weiterbearbeitet werden? Werden sie unterschiedlich lange mit Bimsstein gewaschen?

    Ist die Umweltbelastung durch die Herstellung einer Jeans vergleichbar mit der Herstellung einer anderen Baumwollhose oder höher? Viel höher?

    Wie schätzt man bei Hess Natur die Belastung durch Enzyme ein? Jahrelang habe ich in Ökopostillen gelesen, dass Enzyme nicht gut sind (weil sie die Oberflächenspannung von Wasser reduzieren??). Ich wasche seit 20 Jahren mit den Waschenzymen der Hobbythek. Damit lässt sich Kettenöl sehr schnell und bequem entfernen. Allerdings sind meine Hände nach jeder Rubbelaktikon eine Woche total ‚kaputt‘. Denn die Enzyme machen ihre Arbeit gründlich und greifen auch das Fett auf meiner Haut an. Da frag ich mich bei jeder Wäsche, ob das so gut ist für das Wasser, was ich da tue. Wäre die Fleckentfernung mit Gallseife umweltfreundlicher? Das sind ja auch Enzyme, aber vielleicht geringer konzentriert?

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  • Tanja Calce ,

    Schön,dass Ihr jetzt einmal eine Diskussion entfacht…obwohl ich mir nicht ganz sicher bin,ob ich die Empörung verstehe(ich bin sonst nicht so zynisch).Es geht hier ja nur um einen einzigen Produktionsschritt-bei einem einzigen Produkt.Wir reden ja noch gar nicht über die Herstellung der Baumwolle,den Einsatz der Farbe,die Herstellung der Jeans,oder das haltbar machen für den Transport…oder den Transport…sondern nur über eine 1 minütige Nachbehandlung.Jedem muß klar sen,dass auf jedem der anderen Schritte ebenfalls Mensch und Umwelt zu Schaden kommen..und das nicht nur bei Deiner Jeans..sondern auch bei Deinem Tisch,Deinem Überraschungsei,deinem Joghurt…und natürlich Deinen Schuhen,Hemden und Jacken….naja..einfach bei allem..Es gibt in unseren Läden kaum noch etwas,an dem nicht Blut,Schweiß und Tränen von Menschen oder Tieren kleben.Firmen wie Hessnatur(und alle anderen Marktführer von Naturkost,Kleidung und Kosmetik),die sich für verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur einsetzen,übernehmen nicht nur die Verantwortung für das,was sie Produzieren,sondern auch für das Vertrauen ihrer Kunden…und die Verantwortung der gesammten „Bewegung“in der Öffentlichkeit! Schwere Bürde…Respekt!

    Antworten
  • Darius P. Pallus (hessnatur) ,

    @ alle Interessierten an das Interview zum Thema „die hohe Kunst der Jeansproduktion“: Von Herrn Heimann kann ich ausrichten, dass er sich über das Interesse sehr freut. Dank auch für die interessanten Fragen!

    Ein Interviewtermin haben wir am 13.02. vereinbart, so dass Ihr das Interview kommende Woche im Blog zur Verfügung haben solltet.

    VG
    Darius

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  • Darius P. Pallus (hessnatur) ,

    @ Tanja: Schön, dass du es so siehst. Uns hat dein Statement „Firmen wie Hessnatur […], die sich für verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur einsetzen, übernehmen nicht nur die Verantwortung für das,was sie Produzieren,sondern auch für das Vertrauen ihrer Kunden…und die Verantwortung der gesammten “Bewegung”in der Öffentlichkeit! Schwere Bürde…Respekt!“, sehr gefreut!

    Deine Aussage: „Jedem muß klar sein, dass auf jedem der anderen Schritte ebenfalls Mensch und Umwelt zu Schaden kommen[…] Es gibt in deutschen Läden nur sehr wenige Sachen, an denen nicht Blut, Schweiß und Tränen von Menschen oder Tieren kleben.“, finde ich gut.

    Bin aber auch der Meinung, dass viele Menschen bereits wissen was „abgeht“. Allerdings gehört Ungerechtigkeit heutzutage zum Alltag und ist selbstverständlich geworden. Ein Umstand, der mitunter dem Gießkannenprinzip zu schulden kommt. Ich meine damit, dass man die Masse erreichen wollte und zu viele Kompromisse eingegangen war: über Vieles berichten, aber mit wenig Tiefe. Und eine Tiefe birgt für mich mehr Reibungsfläche für die „Ich-Beteiligung“ eines Individuums!

    Durch wenig Reibungsfläche werden auch nur wenige „wirklich“ berührt. Bei mir war es eben mit der Jeans der Fall, dass es genug Reibungsfläche gab, sowohl inhaltlich aus dem Text (Der Bleiche Tod), als auch privat im Zusammenhang mit meiner Verlobten, die aus der Türkei stammt…Kurzum: Meiner Meinung nach wirkt oberflächliche Aufklärung abstumpfend.

    Überdies hinaus glaube ich auch, dass ein Mensch schneller müde und/oder überfordert wird, wenn er das Gefühl vermittelt bekommt, überall der Weltverbesserer sein zu müssen. Und das ist heutzutage auch das zentrale Problem unserer deutschsprachigen Gesellschaft. Denn wird was „gutes bzw. helfendes“ angestoßen, ist es typisch im deutschsprachigem Raum nicht zu sagen „hey, das ist gut so wünsche dir weiterhin viel Erfolg“. Nein, vielmehr bekommt man zu hören, was man noch alles tun müsse. Konsequenz: man wird müde…

    Ich glaube, dass man sich Stück für Stück in die richtige Richtung entwickelt z.B.. habe ich beim Essen angefangen und mache nun bei meiner Kleidung (Jeans, Bettwäsche aus kba) weiter und das aus Überzeugung. Eben Schritt für Schritt. Es mag ego-mäßig klingen, ist es auch ein wenig: Ich kann nur andere Menschen glücklich machen, wenn ich es selbst bin.

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  • Yvonne ,

    Schritt für Schritt in die richtige Richtung
    Ich fand die Aussage sehr treffend: „Kann man durch lustvolles Einkaufen die Welt verbessern? Aber sicher, sagt eine neue Generation von Konsumenten. Sie hält wenig von Verzicht, aber viel von der Addition kleiner, überlegter Schritte.“ (Geo Dezember 2008)
    Ich zähle mich zu diesen Konsumenten. Den Anfang machten Bio- und Fairtrade-Lebensmittel, Naturkosmetik, Ökostrom, Fernreisen mit der Bahn und tägliche Nutzung des ÖPNV mit einem Jobticket. Jetzt kam Naturmode hinzu. Konsum, der ökologischen und sozialen Ansprüchen gerecht wird. Dabei gab es auch bei mir Momente der Überforderung aufgrund vieler und teils widersprüchlicher Informationen.
    Hessnatur und die Philosophie die dahinter steht, hat mich gleich fasziniert. Das Leitbild und die Informationen über das Unternehmen sind treffend auf den Punkt gebracht, bleiben nicht an der Oberfläche sondern berühren. Das Blog gewährt einen Einblick hinter die Kulissen, bietet Hintergrundinformationen und unterstreicht perfekt „design for life“!

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  • Nicole ,

    Mittwoch, 18.03.2009 im Auslandsjournal, ZDF

    3. Beitrag: Tod auf Raten

    Die Türkei exportiert jährlich Textilien im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro. Viele Menschen verlassen ihre Dörfer und Provinzen, um in einer Textilfabrik Arbeit zu finden. Für manche von ihnen bedeutet die Arbeit in einer Textilfabrik jedoch den sicheren und qualvollen Tod, wenn die Fabrik sich nicht an Sicherheitsvorkehrungen und Gesundheitsrichtlinien hält. Denn der sogenannte „Vintage-Look“, der bei Jeansstoffen sehr beliebt ist, wird mit Sandstrahlern erzeugt. Viele Arbeiter arbeiten hierbei ohne wirkungsvollen Schutz. Immer mehr von ihnen sind schon von den Spätfolgen ihrer Arbeit eingeholt worden: Gegen die Lungenkrankheit Silikose gibt es keinerlei Heilung.

    Antworten

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