Auf diesen Termin heute habe ich mich besonders gefreut, denn das hat man ja nicht alle Tage: Kontakt mit den Menschen, die für uns die sagenhafte Yakwolle zu tollen Pullovern verarbeiten. Und das ganz exklusiv!

Das junge Pärchen kommt ganz unprätentiös und bescheiden bei uns an. Mit Michael Krause an meiner Seite wird schnell ein spannendes Frage- und Antwortspiel daraus.

Wie kommt man denn dazu, die bei uns bis dato völlig unbekannte Yakwolle nach Deutschland zu bringen? Diese Frage löst sich schnell, denn meine Gesprächspartnerin ist Mongolin mütterlicherseits. Mit einigem unternehmerischem Gespür und wohl auch der nötigen Risikobereitschaft, aber auch einer entspannten Ruhe scheint die Mischung zu stimmen: 2006 fingen die beiden dort mit eigener Produktion an. Eine Erfolgsgeschichte, die heutzutage ihresgleichen suchen kann. Angefangen haben sie mit 3 Mitarbeitern, heute, 3 Jahre später, sind schon 27 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dabei auch ein Bruder und der Onkel, der sich inzwischen auf die Auswahl und den Einkauf besonders guter Yak-Qualitäten spezialisiert hat. Er muss ja die Lieferanten besuchen. Und diese wandern mit ihren Jurten über die Weiden hauptsächlich rund um den Khuvsgul-See im Norden und das Arkhangai-Aimag in der Landesmitte. Die Yaks wollen in die Höhe, sie halten bis zu minus 40°C im Winter aus. Im Sommer wird es dort tagsüber auch mal 30°C warm – eine ordentliche Spanne!

Ja, das haben wir doch schnell verstanden: In der Mongolei schlagen die Uhren noch anders. Da ist Geld nicht alles, was einen Menschen an einen Arbeitsplatz bindet. Die Würde und das Gefühl müssen stimmen. Unsere beiden Besucher haben deutsche Arbeitsbedingungen mit mongolischen verknüpft und so eine große Zufriedenheit für ihre Mitarbeiter in der Strickerei erzielt. Da gehören geregelte Arbeitszeiten genauso dazu wie Renten- und Krankenversicherung (was wohl dort noch nicht üblich ist), Urlaubsgeld und zwei kostenlose Mahlzeiten am Tag. Sie wollen, dass die Menschen „mit ihrem Herzen arbeiten“. Eine Formulierung, die wir hier bei hessnatur natürlich gerne hören!

Die Mongolei ist bekannt für hochwertige Kaschmirverarbeitung. Die Verarbeitung von Yak auf den dort verwendeten Handstrickmaschinen benötigt aber ein anderes Vorgehen. Ohne Ehrgeiz und Tüftelei geht es kaum, das Yakhaar ist kürzer und verhält sich beim Spinnen und Stricken einfach anders. Mittlerweile sind die einstigen Kaschmirstricker/-innen und –Verabeiter/-innen wahre Yak-Profis geworden.

Auch die Lagerung der Wolle wird durch deutsches „Know-How“ verbessert: Dort wird noch gewohnheitsmäßig mit Mottenkugeln gegen Motten gekämpft (einen Kommentar dazu verkneife ich mir, aber ich denke, jeder hat jetzt den typischen Geruch in der Nase). Unsere Yak-Lieferanten nehmen bei ihren Flügen in die Mongolei Lavendel mit. In geschlossenen Räumen mit Lavendel beduftet – das reicht, versichern uns die beiden. Auch über den Transport nach Deutschland hat man sich deshalb für die schnelle Luftfracht entschieden – damit keine Pestizide für lange Transporte per Schiff notwendig werden. Alles in unserem Sinne – es könnte doch immer so einfach sein…

Übrigens: Wer mehr über das Leben in der Mongolei und die nomadisierenden Viehhirten erfahren will, dem sei das Buch „Der Zorn der Wölfe“ empfohlen. Diesen Tipp bekamen wir sozusagen gratis – on-top – von unseren Besuchern.