Heute ist der Welttag für menschenwürdige Arbeit, zum sechsten Mal. Seit 2008 organisiert der Internationale Gewerkschaftsbund am 7. Oktober diesen Aktionstag. Hintergrund ist der, dass nach wie vor überall auf der Welt Arbeitnehmer unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise leiden. Bisher hat der Großteil der Unternehmen jeglichen Aufschwung auf dem Rücken der Arbeitnehmer genommen. Sinkende Löhne und prekäre Arbeitsbedingungen nehmen ungebremst zu, auch bei uns, wie der Wechsel in der Siemensspitze zeigt. Der neue Vorstand Joe Kaeser streicht 5000 Arbeitsplätze in Deutschland, das ist die Existenz von Menschen, die durch ihrer Hände Arbeit zum erwarteten 4 –Milliarden-Euro-Gewinn des Konzerns beigetragen haben.

Besonders junge Menschen leiden unter der Arbeitskrise: Aus offiziellen Zahlen geht hervor, dass weltweit 75 Millionen Junge Menschen (zum Vergleich: die Bundesrepublik hat 82 Millionen Einwohner)entweder keinen angemessenen Arbeitsplatz haben oder keine Aussicht auf ausreichende Ausbildung und Berufsqualifizierung.

Ein Paradoxon: Zugleich gab es in der Bundesrepublik noch nie eine so reiche Generation Minderjähriger. Allein den sechs- bis 13-Jährigen steht jährlich eine Budget von 5,5 Milliarde Euro zur Verfügung. Meine Freundin hat zwei Stieftöchter (17 und 13), das sind die hübschesten blauäugigen, langhaarigen Wesen, die man sich nur vorstellen kann und klug noch dazu. Nur etwas macht meiner Freundin zu schaffen. Neulich bat sie mich tatsächlich, ihr beim Ausmisten der Klamotten der Mädels zu helfen. Mir lag schon eine gesalzene Ablehnung dieses Vorschlags auf der Zunge, da sah in ihren Augen echte Verzweiflung, also stimmte ich zu.

Was ich in dem riesigen Kleiderschrank im Flur zutage förderte, ließ mich dann kurzfristig nach Luft schnappen. Einmal weil dieser von Bergen von „Fähnchen“ überquoll, von denen zum Teil noch nicht einmal die Preis-Etiketten abgeschnitten worden waren. Zum anderen, weil das billige, ungetragene Zeug, das zumeist aus Kunstfasern bestand, nach allen Chemikalien und Appreturen roch, was meine hessnatur-verwöhnte Nase einfach nicht mehr gewöhnt ist. Ich tat etwas, was ich an mir eigentlich schätze: Ich baute mich auf und hielt eine große Standpauke.

Eine Gardinenpredigt über Umweltgifte und ausgebeutete Menschen in der Textilindustrie. Voller Vorwurf stülpte ich das Etikett eines Blümchenkleides um und hielt es meiner Freundin unter die Nase: 100% Polyester, Preis fünf Euro.

Als Mitarbeiterin von hessnatur erkläre ich mit mit allen notleidenden Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden in dieser Welt solidarisch. Und ich bin mir ganz sicher, dass alle Kollegen bei hessnatur das genauso tun. Gleichzeitig sind wir froh, dass in unserem Unternehmen jeder Tag ein Tag für faire Arbeitsbedingungen ist. hessnatur setzt sich seit mehr als 35 Jahren für eine nachhaltige Textilproduktion ein. Das heißt, umweltfreundlich, ressourcenschonend, fair für alle Beschäftigten und gesunde und zweckmäßige Bekleidung für unsere Kunden.

Im Jahr 2005 trat hessnatur als erstes Unternehmen der niederländischen Fair Wear Foundation bei, die kontinuierlich und unabhängig die Arbeitsbedingungen in unseren Produktionsstätten überprüft. Der Bereich Corporate Responsibility entwickelt unsere strengen Standards und Richtlinien ständig weiter. Außerdem engagiert sich hessnatur für Projekte wie den Biobaumwoll-Anbau in Burkina Faso, das Rhönschaf-Projekt in Deutschland. Und obwohl hessnatur nur in einem Textil-Projekt in Bangladesch engagiert ist, sind wir dem Brandschutzabkommen in Folge des Rana-Plaza-Unglücks beigetreten. Aus Solidarität. Und weil wir Lebensqualität für alle wollen.