Bei uns ist Bio „sauber“

BW Blog

Dass Bio-Baumwolle nicht gleich Bio-Baumwolle ist, das wissen wir bei hessnatur längst; und wir setzen alles daran, dass unsere Kunden dieses Wissen teilen können. Der heutige Medienaufruhr ist für die textile Bio-Branche ein Schlag mitten ins Gesicht. Alle Anstrengungen, die wir hier bei hessnatur entlang unserer kompletten textilen Kette unternehmen, die wir transparent kommunizieren, sind mit einem Satz in Frage gestellt. Da heißt es in den Überschriften „genmanipulierte Baumwolle als Bio verkauft“ oder „Betrug in Sachen Bio“. Das tut weh.

Unser Partner, die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas, begleitet und überwacht beispielsweise den Bio-Anbau vor Ort in Burkina Faso. Dazu gehört u.a., dass die Bio-Anbau-Felder mit einem Abstand von 100 Metern zu denen mit konventioneller oder gen-technisch veränderter Baumwolle gesetzt werden. Vort Ort wird die Bio-Ernte überprüft. Das Ergebnis war im Hinblick auf Gentech bisher 100%ig negativ.

Es sind Großkonzerne wie Monsanto, die in den ärmsten Ländern der Welt leichtes Spiel haben. Die Versprechungen werden nur in den seltensten Fällen haltbar sein. Schon jetzt landen viele Kleinbauern in der Schuldenfalle. Denn das Gen-Saatgut ist viel teurer als das Saatgut für Bio-Baumwolle. Und: Bio-Anbau ist die gesündere Lebensgrundlage. Für Mensch und Natur.

Hier könnt Ihr unsere ausführliche Stellungnahme zu den heutigen Presseveröffentlichungen nachlesen.

Übrigens: Genmanipulierte Baumwolle muss bisher nicht deklariert werden! Also jedes Shirt aus konventioneller Baumwolle kann mit immer größerer Wahrscheinlichkeit GMO-Baumwolle enthalten. Wollt Ihr das?!

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Kommentare
  • Jani ,

    Ich hoffe, dass ihr unter derartigen Meldungen nicht zu sehr ‚leiden‘ müsst.

    Ich persönlich glaube, wenn irgendwer unglaubwürdig erscheint, dann die konventionellen Anbieter, die mit Bio-Aktionen ihr Image verbessern wollen, und nicht Unternehmen wie ihr. Und je mehr schwarze Schafe auffliegen, umso besser für die, die es ernst meinen. Oder nicht?

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  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Die Gefahr besteht eben, dass alles über den einen Kamm geschoren werden. Aber grundsätzlich sehe ich das genauso wie Du. Hoffentlichwird den Unternehmen so klar, dass man Bio nicht eben mal über den Einkäufer als Zusatznutzen in die Läden bekommt. Es gehört ne Menge Know How dazu. Bei uns ist es ein ganzer Bereich, der sich damit beschäftigt – neben unseren Einkäufern, die sich alle super auskennen.

    Was leider dramatisch ist, dass die Baumwoll-Bauern oft weder lesen noch schreiben können und kaum differenziert an der Diskussion teilnehmen können. Sie können manipuliert werden und wissen oft gar nicht, was ihnen womöglich untergejubelt wird. Da hilft wirklich nur, nachkommenden Generationen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. In Burkina Faso, in unseren Bio-Baumwolldörfern tun wir dies bereits. Das schafft Zukunft für die Menschen dort und für uns bietet es die Sicherheit, dass die Menschen dort auch wissen, mit was sie es zu tun haben, bevor sie ihre ökologischen Felder mit genmanipulierter Baumwollsaat bestellen.

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  • nicole ,

    OTS hat gerade eine Info rumgeschickt:

    Betrugsstory der FTD läßt Unschuldige bluten
    Gentechnisch manipulierte Bio-Baumwolle – Stellungnahmen und Kommentare aus der Branche

    Kommentar von Organic Textile Services, 26.01.2010

    Mit Entsetzen hat die gesamte Öko-Textilbranche auf den Bericht über das Geschäft mit gentechnisch veränderter Bio-Baumwolle vom 22.01.2010 in der Financial Times Deutschland reagiert. Selbst die zeitgleich stattfindende Öko-Messe thekey.to in Berlin schien durch dieses Thema kurzzeitig gelähmt zu sein.
    Eines steht fest, der Imageschaden, den dieser Bericht der Bio-Baumwolle zufügt ist enorm, jedoch nicht gerechtfertigt.

    „Ein solcher Einzelfall sollte aber nicht die ganze Branche diskreditieren, denn natürlich sind solche Schummeleien nicht die tägliche Praxis – weder in Indien, noch in der Türkei, wo das Gros des cleanen Rohstoffes herstammt“ kommentiert Kirsten Brodde, Journalistin in Ihrem Blog.

    Verurteilt werden damit unschuldige Farmer und Händler, die sich engagieren und sich mit dem Anbau und Einsatz von Bio-Baumwolle für den Schutz von Mensch und Umwelt einsetzen.

    Geht man diesem Vorfall genauer auf den Grund, so stellt man fest, dass sich einige Aussagen des FTD-Berichtes auf nicht exisiterende Studien berufen – so das offizielle Statement der Organic Extchange, die in diesem Bericht zitiert werden. Dieser Artikel lässt Zweifel offen, ob der Fall sich wirklich so zugetragen hat wie beschrieben. Wir möchten nicht unter den Tisch kehren, dass es schwarze Schafe gibt. In diesem Fall wurden laut Control Union entsprechende Maßnahmen ergriffen und Raj Eco Farms aufgrund tatsächlicher Verstöße das Zertifikat entzogen.

    Mecki Naschke vom IMO-Institut für Marktökologie, weltweit aktiver Zertifizierer aus der Schweiz, teilt mit, dass während einer Zertifizierung bei jeder Inspektion vorort auf der Farm kurz vor der Ernte der Baumwollpflanzen ein Gen Schnelltest mit Blattmaterial durchgeführt wird. Unabhängige Zertifizierer, die gemäß internationalen Standards vorgehen, verlangen generell zur Ausstellung eines Warenbegleitzertifikat (Tansaction Certificate = TC) bei Rohbaumwolle einen Laborbefund über GVO- und Pestizid-Freiheit. Ohne diesen positiven Bescheid, wird kein TC ausgestellt. Des Weiteren werden die Farmen auch mehrmals im Jahr besucht und deren Saatgut geprüft. Das bestätigt auch Marc Prosé von Control Union Certifications in den Niederlanden. So kann es vorkommen, dass Fehler erst bei einem zweiten unangekündigten Besuch aufgedeckt werden.

    Die Schwierigkeit bei dem Gen-Test besteht darin, dass das Ergebnis nach der Entkörnung der Baumwolle (Ginnery) nicht mehr eindeutig verlässlich ist, da nur beim Saatgut eine zweifelsfreie Aussage über den Einsatz von Gen-Saatgut gemacht werden kann und gerade beim Entkörungsprozess ein größeres Risiko der Kontamination besteht.
    Aus diesem Grund lässt bioRe India Ltd. seine Bio-Baumwolle nur in reinen Bio-Entkörnungsanlagen ginnen und prüft bereits seit 2004 seine Bio-Baumwolle auf GVO. bioRe India Ltd. muss immer wieder Bauern bezüglich gentechnisch veränderter Baumwolle ausschliessen. „Mit unseren Ausbildungsprogrammen versuchen wir diesem Phänomen entgegenzuwirken und eine GVO freie Existenz zu ermöglichen“, so das Statement der Remei AG, Schweiz.

    Testergebnisse an fertig konfektionierten Kleidungsstücken sind deshalb nur unter Vorbehalt aussagekräftig. Durch die Weiterverarbeitung der Baumwolle ist nicht mehr ausreichend DNA im Material enthalten, um nachweisen zu können, ob GEN-Saatgut eingesetzt wurde oder woher die Kontamination des Produkts stammt. Auch kann keine genaue Aussage getroffen werden in welcher Höhe (Menge) das Produkt verunreinigt ist. Es empfiehlt sich deshalb enge Partnerschaften mit den Vorstufen bis hin zu den Bauern in Indien zu pflegen und auch seitens der Abnehmer Gen-Tests von Baumwolle auf dem Feld, möglichst aber noch vor der Entkörnung zu fordern.

    Bedauernswert, dass dieser Skandal wieder denjenigen trifft, der es am wenigsten verdient hat, nämlich den ehrlichen Kleinbauern, der mit der Bio-Baumwolle seiner Armutsfalle entrinnen kann und zudem noch die Natur durch den Wegfall von Pestiziden und Düngemitteln schützt. Der eigentliche Übeltäter, der mit seinem Gen-Saatgut den verarmten Bauern in Indien eine verlockende Lösung verspricht, ist der Saatguthersteller Monsanto.

    In jeder Krise liegt auch eine Chance und neue Herausforderung. Wer es jetzt schafft, seine Glaubwürdigkeit mit transparenten Prozessen sowie unabhängigen Kontrollen und rückverfolgbaren Testergebnissen nachzuweisen, der wird sich im Wettbewerb durchsetzen und das Vertrauen der Kunden behalten. Jetzt heißt es erst recht nicht den Kopf in den Sand stecken sondern weiter machen. Bio-Baumwolle ist kein Schwindel. Gut ist, dass schwarze Schafe und Trittbrettfahrer immer entlarvt werden, es sollte deswegen aber nicht eine ganze Branche bluten. Es gibt seriöse und erfahrene Zertifizierer, denen sich Farmer, Hersteller und Händler anvertrauen können.

    Antworten

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