Bei den Baumwoll-Bauern in Burkina Faso

Unser Wagen hat kaum vor dem kleinen Schulgebäude von Fouanliedi inmitten der kargen Steppe von Burkina Faso geparkt, da kommen schon die ersten Menschen des Dorfes an, um uns zu begrüßen. Hier auf ihren Feldern bauen die Farmer kontrolliert biologische Baumwolle an, die wir auch für unsere Textilien einsetzen. „Bonjour“ und „Ça va“ rufen sie uns freudestrahlend zu.

Endlich in Burkina Faso! Nachdem ich meinen geplanten Besuch im November 2008 wegen Krankheit absagen musste, freue ich mich natürlich nun umso mehr, jetzt hier zu sein. Ich bin zusammen mit Kameramann Hartmut am vergangenen Samstag nach Burkina Faso gereist, um vor Ort für unser Bio-Baumwollprojekt zu recherchieren und Filmaufnahmen zu machen.

Seit 2005 engagieren wir uns in Zusammenarbeit mit der Schweizer Entwicklungshilfeorganisation Helvetas, um den Anbau von Bio-Baumwolle in Burkina Faso zu fördern. Begleitet werden wir auf unserer Reise von Georg Felber, Projektmanager bei Helvetas in Burkina Faso, unserem Dolmetscher Daouda und unserem Fahrer Samba.

Wir dürfen im Schulgebäude (was nur aus einem Raum besteht) hinter dem Lehrertisch Platz nehmen. Alle anderen sitzen auf den Schulbänken. Die Bänke und Tische sind übrigens durch einer Spende von hessnatur angeschafft worden. Da wir verspätet eingetroffen sind, müssen wir alle Dorfbewohner um Vergebung bitten – die uns gewährt wird. Alle in unserer Gruppe stellen sich persönlich vor und erzählen, was der Grund ihres Besuchs ist. Das ist hier so Brauch. Daouda, unser Dolmetscher, und Abel, ein lokaler Helvetas-Mitarbeiter, übersetzen unsere Begrüßung ins Französische und in die lokalen Sprachen Mooré und Gurmanche.

Jeder von uns wird nach seiner kleinen Ansprache von allen Dorfbewohnern noch mal offiziell mit Applaus begrüßt. Zum Begrüßungsritual gehört auch ein leckerer Willkommenstrink. „Zoom-Koom“ heißt er, wird in einer großen Holzschale gereicht und besteht aus Wasser, gemahlener Hirse und etwas Ingwer (schmeckt auf jeden Fall danach). Unglaublich lecker! Jeder trinkt einen Schluck und gibt die Schale dann weiter. Als ich frage, ob ich auch noch mal trinken darf, lachen alle und gewähren mir meine Zugabe.

Wir nehmen unter einem großen schattigen Baum Platz. Der Mittelpunkt des Dorfes und Versammlungsplatz. Die Dorfbewohner haben die Schulbänke aus dem Schulgebäude geholt und im Halbkreis aufgestellt. Ich stelle unseren aktuellen Frühjahr/Sommer-Katalog vor. Durch den „Bio-Bonus“, den wir den Bauern für ihre Baumwolle zahlen, bekommen sie ein faires Einkommen. Was mit der Fairtrade-Prämie für die Gemeinschaft angeschafft wird, entscheiden alle im Dorf gemeinsam. Das Schulgebäude zum Beispiel wurde damit finanziert. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene werden hier ausgebildet.

Auch ich bin neugierig und frage die Dorfbewohner, was ihnen der Anbau von Bio-Baumwolle bringt. Die Antwort ist eindeutig: „Uns geht es gesundheitlich viel besser! Und unsere Felder bringen uns eine bessere Ernte!“. Es macht einen Unterschied, ob man – eingehüllt in Pestizide – sein Baumwollfeld bewirtschaftet oder natürlichen Kompost aufträgt. Ob man die Nährstoffe des Bodens durch Überkultivierung von Baumwolle aussaugt oder der Erde durch Fruchtwechsel und Anbau von Hirse oder Sesam die Möglichkeit gibt, sich wieder zu regenerieren.

Tiya, einer der Dorfbewohner, erzählt, dass es ihm auch finanziell besser geht. Er baut seit 2005 Bio-Baumwolle an und hatte vorher kein eigenes Haus. Jetzt hat er sich durch den besseren Marktpreis der Bio-Baumwolle ein Haus, Werkzeuge und auch etwas Vieh anschaffen können. Und er kann sich und seine sechs Familienmitglieder von seiner Ernte ernähren.

Am Nachmittag verlassen wir Fouanliedi und fahren nach Fada N’Gourma. Hier haben wir von Sonntag auf Montag übernachtet. Am Nachmittag geht es die 220 Kilometer nach Ouagadougou zurück. Am Abend kommt Wolf Lüdge an und ich möchte ihn am Flughafen abholen.

Er will hier die Menschen kennenlernen, die er als wichtige Partner von hessnatur sieht. Und denen ebenso wie uns das Wohl um Mensch und Natur gleichermaßen wichtig ist. Darüber wird er in Kürze im Blog berichten. Und von mir wird es auch noch weitere Geschichten vom „weißen Gold“ aus Westafrika geben!

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Kommentare
  • Sascha L. ,

    Hallo Michael !

    Dieser Artikel sorgt für eine klare Darstellung ,wie und z.B. mit wem Hess Natur arbeitet !
    Darüber können wir sehr Stolz sein !

    Grüße
    dein Kollege

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  • Nicole ,

    Hallo Michael,

    haben die Bauern Dir erzählt, unter welchen Krankheiten / Symptomen sie gelitten haben, als die Baumwolle noch konventionell angebaut wurde?

    Was hat sich für die einzelnen Familien verändert? In ihrem Alltag und im Blick auf die Zukunft? Seit wie vielen Jahren wird in dem Dorf bereits Biobaumwolle angebaut? Haben alle Bauern im Dorf auf ‚bio‘ umgestellt oder nur einige Familien? Gibt es auch Frauen, die Biobaumwolle auf ihren Feldern anbauen?

    Antworten
  • Ute N. ,

    Hallo Blog-Team,

    habe auf die schnelle keine andere Möglichkeit gefunden, mich generell zu eurem Blog zu äußern. Erst mal: großes Lob! Erst dachte ich, oh weh, noch ein Unternehmensblog mehr, nur um einen auf Web 2.0 zu machen 🙂 Aber ihr habt wirklich Substanz, habe mich richtig festgelesen – toll. Macht bitte so weiter!
    Was mir allerdings beim Lesen auffiel: wenn ich über den Navigationspunkt „Kategorien“ auf die einzelnen Beiträge komme, gibt es keinen Hinweis mehr, wer eigentlich Autor dieses Beitrags ist. Und da die Beiträge ja oft recht persönlich sind, ist das schade!
    Das noch am Rande!

    Viele Grüße nach Butzbach!

    Antworten
  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo Nicole,
    danke für Deine Rückmeldung zu dem Artikel. Die Symptome bei den Bauern sind ganz unterschiedlich; da viele von ihnen keine Schulbildung haben, können sie das auch nicht sonderlich gut beschrieben. Tenor war bei allen, dass es Ihnen besser geht bzw. sie sich besser fühlen. Das ganze Dorf baut übrigens jetzt „bio“ an, gestartet ist der Anbau dort vor vier Jahren.
    Interessanterweise haben beim Projektstart zuerst die Frauen angefangen, Biobaumwolle zu kultivieren. Die Männer haben es mitbekommen und wollten dann nach und nach auch … und jetzt haben wie geschrieben alle Bewohner auf Bio-Baumwolle umgestellt. Neben den positiven gesundheitlichen Auswirkungen spielt auch das Finanzielle eine Rolle, Biobaumwolle wird besser bezahlt. Und durch die Staffelung mit Bio- und Fairtrade-Prämie hat sowohl jeder einzelne als auch die Dorfgemeinschaft was davon.

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  • PDS ,

    Hallo zusammen,

    ich muss jetzt mal ganz naiv fragen – Wenn die Bauern von ökologischem Anbau so deutlich profitieren, warum stellen dann nicht viel mehr Bauern darauf um? Ist die Nachfrage noch so gering, oder machen die großen Abnehmer einfach zuviel Druck? oder fehlt es einfach an „Aufklärung“ und die Bauern wissen gar nicht, dass es lohnende Alternativen gibt?

    Antworten
  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo PDS,
    danke für Deine Rückmeldung und Deine – keineswegs naive! – Frage (und an dieser Stelle eine Entschuldigung für meine verspätete Antwort, ich war einige Tage auf Reisen und bin erst jetzt wieder online).
    Tenor der Bauern bzw. Vertretern der Produzenten-Union, mit denen ich vor Ort gesprochen habe, war der, dass sie gerne auf Bio-Baumwollanbau umstellen würden, weil sie eben auch von dem Benefit (Gesundheit, Umweltschutz, bessere Bezahlung) profitieren wollen.
    Die Aufklärung ist erfolgt und wird auch weiterhin erfolgen. Und der Benefit spricht sich natürlich auch von Dorf zu Dorf rum.
    Das Problem dabei ist aber das „auf der anderen Seite“, sprich auf dem Markt. Solange das Interesse an konventioneller Baumwolle größer ist als an Bio-Baumwolle, die eben mehr kostet und fair gehandelt wird, haben es die Bauern schwer Abnehmer für ihre Faser zu gewinnen.
    Letzten Endes sind dann wieder wir Verbraucher gefragt – denn wir haben’s in der Hand.
    Wenn noch weitere Fragen sind – einfach mailen!

    Antworten
  • Toth Peter ,

    Wir haben ihren neuen Katalog durchgesehen und moechten Ihnen unseren Eindruck nicht vorenthalten: wir sind schockiert und entruestet, wie sehr sie von Mal zu Mal in einen bieder altkolonialen MoechtegernHerrenmenschen-Stil abgleiten. Der letzte Katalog schliesslich war uns einfach zu viel. Ihr Drang, sich bei snobistisch gearteteten Neureichen Kunden anzubiedern, ist uns zuwieder. Wir moechten Hess als Kunden nicht mehr unterstuetzen.
    Es ist eine Faust aufs Auge, wie dieser Artikel die Farbigen Kinder der dritten Welt als Aushaengeschild missbraucht, waehrend im gleichen Blog grad darunter wiederum ein Stil vermittelt wird, der genau den Kolonialstil der Ausbeuter symbolisiert. Leute, wacht auf, boykottiert Hess!!! Es gibt andere Moeglichkeiten, natuerlich einzukaufen. Hier formiert sich die neu-alte Bande von Blut-und-Boden-Ideologie, das ist die rechtsnationale Ecke des Heimat-und Naturschutzes. Als sozial engagiert denkender oekologisch-pragmatisch lebender Intellektueller kann ichhier nur warnen: nehmt Abstand !!

    mfg P&J Toth

    Antworten
  • Jan Miller (hessnatur) ,

    Hallo Herr Toth.
    Das sind ganz schön harte Worte, die Sie gegen hessnatur erheben. Auch ich bin schockiert – über solch drastische Vergleiche und Ihren Boykott-Aufruf. Mit Verlaub, aber hessnatur in die rechtsnationale Ecke zu schieben, ist aus meiner Sicht einfach ganz weit weg von der Realität. Ich bin mir sicher, dass sehr viele langjährige Kundinnen und Kunden dies ebenfalls völlig anders sehen!

    Gerne lade ich Sie zu einem Besuch hier in Hessen ein, damit Sie erleben können, wie wir arbeiten und denken. Ökologisch und pragmatisch (im Sinne von gesundem Wirtschaften) passt da wirklich gut! Sozial und gesellschaftlich engagiert möchte ich noch hinzufügen.

    Was meinen Sie mit Kolonialstil? Wie sieht Mode für aufgeklärte und an einem nachhaltigen Lebensstil interessierte „Nicht-Herrenmenschen“ aus? Was fordern Sie in Ihrem Beitrag konkret ein, damit natürliche Kleidung aus Ihrer Sicht zu unseren Berichten über unser (ehrliches!) Engagement in Burkina Faso passt?

    Antworten
  • Wolf Lüdge ,

    Hallo Herr Toth,

    auch ich würde gerne die Diskussion mit Ihnen führen. Es wäre nett, wenn Sie mir Anhaltspunkte geben bezüglich der „snobistischen“ Anbiederung. Vielleicht gibt es ja Überschneidungen zwischen Ihren und meinen Kritikpunkten an unserem aktuellen Katalog.

    Ein bisschen schwieriger fällt mir eine Diskussion über den Kolonialstil der Ausbeuter. Die Initiativen egal ob jetzt von hessnatur oder anderen in Afrika zum Thema „Bio-Baumwolle“ sind genau das Gegenteil.

    Ich habe auch schon viele Associationen zu hessnatur oder auch mir persönlich gehört, beginnend mit „altmodisch“, „Wollsocken-Stratege“, „Sackleinen-Träger“ etc.. „Rechtsnational“ empfinde ich als am wenigsten schmeichelnd.

    Ich hoffe, dass Sie sich der Diskussion stellen. Aus diesem Grunde haben wir Ihren Beitrag veröffentlicht.

    Wir haben Ihren Beitrag aber veröffentlicht

    Antworten
  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Guten Tag Herr Toth,
    ich war heute unterwegs und lese gerade Ihre Rückmeldung zum Blog-Artikel und die Antwort meines Kollegen Jan Miller – seiner Antwort schließe ich mich zu 100 % an!
    Dass der Stil des Kolonialherren einer des Ausbeutens ist, haben Sie ja geschrieben.
    Der Kolonialherr greift an und ein, beherrscht, bereichert sich und beutet aus. Auf das Übertragen, wie ich unser Bio-Baumwoll-Projekt kenne und was ich vor Ort erfahren durfte, passt das überhaupt nicht. Das ist fernab der Realität.
    Helvetas und hessnatur als Projektpartner unterstützen hier vor Ort und schaffen eine Verbindung zwischen uns und unseren Kundinnen und Kunden und den Menschen in Burkina Faso. Die von ALLEN gewertschätzt und geachtet wird. Ohne, dass Dinge „übergestülpt“ werden. Ganz im Gegenteil: Die Menschen vor Ort entscheiden selbst in ihrer Gemeinschaft, wie sie sich in Sachen ökologische Landwirtschaft am besten unterstützen lassen. Wie sie am besten wirtschaften, was sie mit der Bio- und Fairtrade-Prämie anschaffen.
    Die Einladung zur Diskussion und zum Austausch – und das fernab vom Abschieben in rechtsnationale Ecken – steht auch von meiner Seite.

    Antworten

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