Baumwolle = Baumwolle?

Gestern haben wir im Blog über unseren T-Shirt-Contest mit Planet Green berichtet, heute zeigt mir meine Kollegin Verena eine Pressemitteilung von Cotton USA. Auch hier dreht es sich um einen T-Shirt-Wettbewerb – vgl. auch den Screenshot von deren Website:

„Die Botschaft von Cotton’s Natural World soll im „Internationalen Jahr der Naturfasern“ ein breites Publikum erreichen, länderübergreifend für Baumwolle und ihren natürlichen Ursprung werben.“

heißt es in deren Pressetext. Eigentlich eine gute Sache, bei der es – und jetzt kommt mein „aber“ – aber nur um konventionelle Baumwolle geht und nicht um Bio-Baumwolle. In meinen Augen nicht weit genug gedacht. Ok, meine Arbeit bei hessnatur und die Beschäftigung mit unserem Bio-Baumwoll-Projekt in Burkina Faso haben mich da sicherlich geprägt und sensibilisiert.

Mir reicht es aber nicht, das „Jahr der Naturfasern“ der UN zum Anlass zu nehmen, um für konventionelle Baumwolle zu „werben“. Im Hinblick darauf, dass diese Baumwolle eine der pestizidintensivsten Anbaukulturen weltweit ist und über 40 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle bereits von gen-manipulierten Baumwollpflanzen stammt (in den USA betrug dieser Anteil im Jahr 2008 86 Prozent), sehe ich absolut keinen Grund, konventionelle Baumwolle überhaupt zu bejubeln.

Baumwolle ist eben nicht gleich Baumwolle – die Unterschiede zwischen konventioneller Baumwolle und KbA-Baumwolle sind immens: Bei Bio-Baumwolle gibt es keinen Einsatz von gen-manipuliertem Saatgut, keinen Einsatz von Pestiziden, damit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bauern und auch keine finanziellen Belastungen für sie für den teuren Einkauf von Pestiziden und sonstigen Chemikalien. Und wer den Film „Let’s make money“ von Erwin Wagenhofer gesehen hat, der weiß, dass insbesondere die Baumwolle aus den USA marktbeherrschend ist – zum Nachteil z.B. von afrikanischen Ländern wie Burkina Faso.

Das Jahr der Naturfasern muss sich für mich deshalb ganz klar auf nachhaltig angebaute Naturfasern beziehen. Denn dann bekommen Design-Wettbewerbe für T-Shirts – mit Bio-Baumwolle, fairem Handel und fairer Produktion und im ganzheitlichen Sinne – eine ganz andere Bedeutung.

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Kommentare
  • satyasingh ,

    ich sehe baumwolle insgesamt wegen des enormen wasserverbrauches kritisch.
    da doch eher leinen, hanf oder wolle

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  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo,
    der Wasserverbrauch im Baumwollanbau ist sicherlich enorm – es gibt aber auch Beispiele, die zeigen, dass es anders geht. In Burkina Faso wird die Baumwolle im so genannten „Regenfeldbau“ angebaut. D.h. es wird nur das Wasser zur Bewässerung genutzt, das während der Regenzeit „von oben“ kommt. Andere Wasserresourcen zur Bewässerung der Felder sind auch wegen des geringen Wasservorkommens nicht vorhanden bzw. einsetzbar.

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  • Dagmar(hessnatur) ,

    Hallo!
    Baumwolle aus Bioanbau, also kbA, arbeitet in Fruchtfolge und mit den natürlichen Zyklen von Regen- und Trockenzeiten. Was ich durch unser Baumwollprojekt in Burkina Faso gelernt habe, ist, dass die Frauen dort die Früchte des Karitébaumes sammeln und deren Schalen zu einer Art Maische verarbeiten, die sie ganz früh, bevor die Samen treiben, aufs Feld ausbringen. Mehrmals sogar. Dadurch wird wohl gedüngt, geschützt und vor allem feucht gehalten. Wenn die Sämlinge dann durch diese Masse durch sind, sind sie kräftig genug, mit den natürlichen Gegebenheiten zurechtzukommen. Das ist ja einer der ganz großen Vorteile der Bio-Baumwolle, neben der Giftfreiheit für unsere Haut und der Regeneration der Böden und der Gesundheit der Bauern.

    Was mich wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass ein „Jahr der Naturfasern“ etwas wirklich Gutes suggeriert. Und dann wird praktisch für genmanipulierte BT-Baumwolle geworben. 86% Baumwolle in USA ist schon verändert! Die Folgen für die Natur sind doch unabsehbar. Ich begreife diesen einseitigen Blick auf dieses Thema nicht, der Aralsee zB. ist doch ein wirkliches Mahnmal in Sachen exzessivem Baumwollanbau mit Wasserverschwendung und Vergiftung von Mensch, Tier und Natur.

    Es bleibt wohl unsere Aufgabe, durch unser Konsumverhalten den Druck zur Ausweitung des Bio-Anbau zu erhöhen. Anders wird es nicht gehen. Schade.

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