Biofach

Vom 17. bis 19. Februar 2010 tummelte sich in Nürnberg auf der Biofach und Vivaness wieder alles, was im nationalen und internationalen Bio-Handel als Anbieter oder Entscheider Rang und Namen hat. Trotz des zehnprozentigen Rückgangs der Ausstellerzahlen war das Angebot, wie immer, überwältigend und sehr vielfältig.

Die insgesamt zehn Hallen offenbarten, gut strukturiert gemäß ihren Schwerpunkten, alles, was das Herz der Bio-Verbraucher erfreuen könnte. In vier Hallen präsentierten sich Anbieter für Lebensmittel des internationalen Handels, in drei Hallen die aus Deutschland. Es gab eine ganze Halle nur für Weine und Olivenöl, ebenso eine für Naturkosmetik. Auch die Textilien waren dieses Jahr wieder in einer eigenen Halle untergebracht.

Biofach und Vivaness standen in diesem Jahr unter dem Motto „Organic + Fair“. Das bedeutet, dass dieses Kriterium besonders in den Vordergrund gestellt wurde. Der faire Handel ist bereits von Anfang an fester Bestandteil des ökologischen Grundgedanken, gleichwohl ist es angebracht dies noch mal hervorzuheben, um gegenüber anderen Anbietern nicht ins Hintertreffen zu gelangen, die in der vergangenen Zeit gerade diesem Kriterium außerordentlich viel Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Ich selbst war in Sachen Naturkosmetik unterwegs und fand mich in einer Beauty-Welt, die selbst den modernsten Ansprüchen an eine alltagstaugliche, ja sogar luxuriöse Kosmetik genüge tut. So was richtig Innovatives konnte ich allerdings nicht entdecken. Die Produkte werden insgesamt trendiger und der konventionellen Kosmetik ebenbürtiger. Auf der einen Seite ist das ja sehr erfreulich, andererseits stellt sich jedoch die Frage, wie das denn möglich sein kann mit natürlichen Mitteln.

Zweifellos haben die traditionellen Naturkosmetikfirmen einen enormen Wissensvorsprung in der Herstellung „cleaner“ Naturkosmetik. Doch immer mehr Firmen drängen auf den Markt, die mit weniger konsequenten Kriterien trotzdem überzeugend auftreten. Es wird immer schwieriger die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch die eingesetzten Label zur Zertifizierung und Kenntlichmachung von seriöser Naturkosmetik schaffen nur bedingt Abhilfe. Ich habe Produkte entdeckt mit sieben Labeln drauf, wer soll denn da noch durchblicken?

Die Qualitäts-Diskussion wird den Naturkosmetik-Markt noch eine Weile beschäftigen, denn inzwischen wird in Drogeriemärkten mehr Naturkosmetik verkauft als in den traditionellen Vertriebswegen, wie Naturkostläden, Naturkosmetikfachgeschäften und den Reformhäusern.

Bedeutet das, dass wirklich mehr Naturkosmetik benutzt wird? Oder aber, dass inzwischen vielleicht auch Produkte den Namen tragen, die früher diese Hürde nicht geschafft hätten? Bei aller Freude über die positive Entwicklung in diesem Bereich: Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn die Grenzen bei der Beurteilung und Bewertung der eingesetzten Rohstoffe sind oft übergangslos und bisher nur mit einem enormen Wissen nachvollziehbar. Um eine ökologische oder natürliche Qualität zu dokumentieren, ist es umso mehr notwendig, auch über die Produkteigenschaften hinaus Kriterien für den respektvollen Umgang mit der Natur einzubeziehen.

Wenn ich mich an alte Zeiten erinnere, da kam ich von der Biofach immer total beseelt und froh zurück, mit dem guten Gefühl „Whow, es bewegt sich was in die richtige Richtung, wir ziehen alle an einem Strang!“ Dieses Gefühl habe ich dieses Mal leider irgendwie vermisst!